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Der ehemalige FBI-Ermittler Stanziani wird von seinem alten Vorgesetzten rehabilitiert, um in Genua einen Kartellboss dingfest zu machen. Zurück in der alten Heimat stößt der knallharte Bulle in ein Wespennest des organisierten Verbrechens und gerät zwischen die Fronten eines brutalen Bandenkriegs.

Kritik

„Sie sind doppelt blöd. Erstens, weil Sie eine Waffe haben. Und zweitens, weil sie nicht geladen ist.“

Seinen Zenit hatte das italienische Genre-Kino in nahezu allen Bereichen Anfang der 80er schon längts überschritten. Merklich dünner wurde der vorher exorbitant hohe Output und auch qualitativ gab es immer seltener echte Highlights auszumachen. Speziell der Poliziottesco war buchstäblich am Ende angelangt. Die letzten, prominenten Beiträge ihrer Art waren 1980 Das Syndikat des Grauens – Contraband von Lucio Fulci und eben Der Tag der Cobra. Mit Toten Zeugen singen nicht lieferte dessen Regisseur Enzo G. Castellari (The Riffs – Die Gewalt sind wir) 1973 nicht nur einen der besten Filme dieser Gattung ab, er legte gleichzeitig auch den Grundstein zu einer langjährigen Zusammenarbeit und der bis heute bestehenden, engen Freundschaft zu Franco Nero (Die Rache der Camorra). Nero ist natürlich auch diesmal mit von der Partie, aber nicht nur deshalb fühlt man sich sehr stark an besagten Vorzeige-Polizeifilm erinnert, mit dem Castellari sieben Jahre zuvor das Sub-Genre auf die Spitze trieb.

Früher war Lorenzo „Larry“ Stanziani (Franco Nero) beim FBI, aber nachdem ihm bei Ermittlungen gegen Drogenbaron Kaminsky eine Falle gestellt wurde, landete er unschuldig für 3 Jahre im Knast. Nun verdient er sich sein Brötchen als drittklassiger Privatdetektiv mit Schwerpunkt Seitensprung-Schnüffelei in San Francisco. Dirty Larry mit Schnauzer und Filzhut. Die City Cobra, die ihre Pizza zwar nicht mit der Schere schneidet, dafür Notizen im alten Fett seiner versifften Küchenkacheln macht, wenn gerade kein Stift zur Hand ist. Von seinem alten Kompagnon Goldsmith (William Berger, Keoma – Das Lied des Todes) wird er scheinbar aus seinem Elend erlöst, denn Kaminsky ist in Genua wieder äußerst aktiv und Lokal-Patriot Stanziani dafür der perfekte Mann. Wieder mit provisorischen Befugnissen, dennoch nur in inoffizieller Mission, stürzt er sich kopfüber in einen Sumpf aus Verrat, Drogen und Mord. Zunächst räumt der mit allen Wassern gewaschene Hund an alter Wirkungsstätte mächtig auf und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen, doch als es sehr persönlich wird, knallen auch bei ihm endgültig die Sicherungen durch.

Das Tempo ist zackig, die Stimmung angriffslustig, der Sountrack von Paolo Vasili – speziell der super-lässige Titeltrack – extrem smoove. Der Tag der Cobra ist sicherlich nicht ganz so grimmig wie vergleichbare Poliziotteschi, dafür setzt Castellari etwas mehr auf Coolness und lockere Sprüche. Lange ist sein Protagonist kein verbitterter Wüterich, sondern einfach ein zwar harter, aber überlegen über dem Ganzen schwebender Knochen, dem selbst in der wüstesten Rauferei fast nie der einbetonierte Hut von der Rübe rutscht und zum Stressabbau den Gummi-Flummi knautscht – wenn nichts zum Flachlegen verfügbar ist. Der Action tut das keinen Abbruch, da ist immer was los und gerne wird auch ziemlich zünftig ins Gras gebissen. Augenzwinkernd aufgelockert durch ein paar amüsant-schräge Details wie ein Sniper im Biene Maja-Pulli oder der geheimen Streetfighter II-Stage in der Transen-Disco, inklusive Zwischengegner. Klingt vielleicht etwas trashig (was bei dem Regisseur gut und gerne auch drin wäre), tatsächlich ist das aber durchgehend ziemlich kompetent und vor allem knackig inszeniert. Besitzt einige amüsante Randnotizen, die dem Film jedoch keinesfalls schaden.

Unvorteilhaft und tatsächlich ziemlich verblüffend ist die Tatsache, dass Der Tag der Cobra seinem großen „Vorgänger“ Tote Zeugen singen nicht in vielen Details frappierend ähnelt. Verblüffend dahingehend, dass der auch als Regisseur bekannte Autor Aldo Lado (Malastrana) nicht an dessen Entstehung beteiligt war, aber trotzdem mehr oder weniger die gleiche Geschichte erzählt, inklusive kaum zu bestreitender, ziemlich entscheidender Parallelen. Damit tut sich Castellari nicht unbedingt einen Gefallen, wirkt so dieser Film fast wie eine aufgelockerte Neuinterpretation. Könnte man sicherlich deutlich kritisieren, unterm Strich kann es aber auch wunderbar ignoriert werden. Dafür ist das Endprodukt in sich einfach zu stimmig. Und mit einem (beinah) ebenso kantigen, emotional aufgeladenen Super-Showdown versehen. Alles eine halbe Stufe drunter, trotzdem geil.

Fazit

Enzo G. Castellari wiederholt sich gerne und ausgiebig, zitiert dafür wenigstens seinen vermutlich besten Film. Unabhängig davon ist „Der Tag der Cobra“ ein höchst amüsanter, kurzweiliger und im direkten Konkurrenz-Vergleich auf alle Fälle weit überdurchschnittlicher Vertreter seiner Zunft, der auf den letzten Metern seinem aussterbenden Genre noch mal alle Ehre macht. Und, aber das ist ja nichts Neues: Franco Nero im Rage-Modus ist einfach eine blauäugige Urgewalt – mit Schnauzbart und Hut.

Autor: Jacko Kunze

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