Bildnachweis: © Our Films Extreme Emotions Nine Hours

79th Cannes Film Festival

von Lida Bach

Strenge Schwarz-weiß-Aufnahmen, denen die harte Chiaroscuro-Ausleuchtung bisweilen expressionistische Züge verleiht, weisen auf die fiktiven Facetten der inszenatorischen Interpretation historischer Ereignisse. Methodik und Mechanismen der ideologische Instrumentalisierung von Kunst und Kultur sowie den Persönlichkeiten, die sie verkörpern, machen die Handlungsgegenwart zum dunklen Spiegel des vermeintlich überwundenen Regimes. Politische Analogien durchziehen den kargen Plot, in dessen dramatischer Reduktion sich Theatralik punktuell Bahn bricht. Kulturelle Identität wird zur Bühne der Selbstinszenierung und systemischen Vereinnahmung, während der Begriff „Heimat“ zum Abstraktum wird. Formal elegant und schauspielerisch geschliffenen atmet das konforme Kunstkino selbst den Geist patriarchalischer Restauration. Das Gestrige gedeiht in einem Heute, das keine Zukunft will. 

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