Bildnachweis: Edel Germany GmbH

Beck - Staffel 5 Episoden 1-4 und 5-8 - Kritik

von Thomas Repenning

Die fünfte Staffel von Beck bekommt nun dank Edel Germany seine zweite Hälfte spendiert, die fast zeitgleich auch im Fernsehen zu sehen war. Insgesamt vier weitere Folgen erwarten Fans und Zuschauer und somit wieder jede Menge spannende Fälle, eine düstere Inszenierung sowie der typisch nordische Krimi-Stil, welcher sich über die Jahre bewährt hat und längst das Prädikat Kult verdient. Eine Frage bleibt aber: Wie geht es mit Beck weiter? Denn bereits die erste Folge der zweiten Hälfte der fünften Staffel wirft eine große Frage auf und eine innere Zerrissenheit, die selbst Fans ins straucheln brachte. Wir haben einen Blick riskiert.

Story

Ep. 5 • SCHÜSSE AUF GUNVALD: Der Journalist Jakob Wivel wird ermordet in seiner Wohnung aufgefunden. Weder das Notebook noch das Handy des Toten sind zu finden. Die Spurensicherung findet unter anderem die Fingerabdrücke von Risto Kangas, der wegen Erpressung und Körperverletzung vorbestraft ist. Dann fährt Kommissar Gunvald zu Wivels Haus, um eine Zeugin zu befragen, die den Täter möglicherweise im Treppenhaus gesehen hat. Aber diese Zeugin wird erschossen, und auch Gunvald wird angeschossen und schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Es stellt sich heraus, dass Risto zusammen mit Wivel ein Buch über die Gangsterszene schreiben wollte, und dass alle Informationen dazu auf dessen Notebook sind, das verschwunden ist. Nun soll Risto innerhalb von zwei Tagen das Notebook beschaffen, ansonsten wird sein Sohn von Gangstern erschossen, die diesen bereits entführt haben.

Ep. 6 • DER NEUE: Steinar, der neue Kollege an Becks Seite, hat nicht viel Zeit zum Eingewöhnen. In einem völlig ausgebrannten Wohnwagen wird eine verkohlte Leiche entdeckt. Wie sich herausstellt, ist der Campingplatz, auf dem der Wagen stand, einigen Anwohnern ein Dorn im Auge, da sich dort Drogensüchtige tummeln. Deswegen ermitteln Beck und seine Kollegen unter anderem gegen eine Nachbarschaftswache, die das sogenannte "Pack" gerne loshaben möchte. Da ein Brand sehr viele Spuren verwischt, wissen die Polizisten zunächst nicht, ob es sich bei dem Opfer um die Bewohnerin des Wohnwagens, Mercedes Pettersson, handelt. Dann wird jedoch klar, dass der Tote Gert Falkengren ist. Er ist Besitzer des Wagens und Wohltäter der Campingplatzbewohner. Der Verdacht fällt zum einen auf den Vater von Mercedes, zum anderen auf die Nachbarschaftswache. Auch der ehrenamtliche Bewährungshelfer von Mercedes, der die Schwäche seiner Schutzbefohlenen offenbar ausgenutzt hat, gerät ins Visier.

Ep. 7 • TÖDLICHE SACKGASSE: Der ehemalige Polizist Rickard Birgersson wird erschossen in seinem Haus aufgefunden, ebenso seine Frau und sein Sohn. Es scheint ein Mord aus Rache gewesen zu sein. Bei der Polizeiarbeit gerät zunächst Johan Wredin ins Visier. Sein Bruder Jens wanderte durch Rickard wegen Mordes ins Gefängnis. Dann stellt sich heraus, dass Rickard während seiner Dienstzeit nicht sauber gespielt hat und einen Informanten namens Santos in der Szene hatte. Santos ist vor vier Jahren nach einem Überfall auf einen Geldtransporter mit der Beute verschwunden, nachdem er seine zwei Komplizen erschossen hat. Steinar beschuldigt den ehemaligen Kollegen Mats Sylvander, zusammen mit Rickard die Morde an Santos' Komplizen begangen und schließlich auch Santos erschossen zu haben.

Ep. 8 • ZAHLTAG: Zwei Verkehrspolizisten verfolgen einen Wagen, der auf Anweisung nicht angehalten hat. Schließlich hält er doch an, der Fahrer steigt aus und schießt unvermittelt auf die beiden Beamten. So wird die Polizistin Britt, die am nächsten Tag in Pension gehen sollte, getötet und der Kollege Amir wird in der Schulter getroffen. Leider kann er kaum Angaben über den Täter machen und der Halter des Wagens wird erschossen in seiner Wohnung aufgefunden. Auf dem Überwachungsvideo einer Tankstelle ist der Fahrer und mögliche Todesschütze zu sehen: Es handelt sich um den ehemaligen Lehrer Stefan Mattsson, der wegen angeblichen sexuellen Übergriffs suspendiert wurde. Der Autobesitzer war ein ehemaliger Kollege, der sich wie das übrige Kollegium gegen ihn gestellt hat. Doch ist der Fall damit geklärt?

Kritik

Ist nun das Ende gekommen? Nun, unter diesem Aspekt lässt sich wohl weitestgehend die zweite Hälfte der fünften Staffel am besten zusammenfassen. Ein Schock geht durch die Kult-Serie und bereits mit der ersten Folge „Schüsse auf Gunvald“ wird klar, hier gibt es einen Bruch. Einen Bruch der so stark wiegt, dass letztlich viele Fans sogar regelrecht wütend auf den Umgang mit der Figur des Gunvald Larsson (Mikael Persbrandt) reagiert haben. Gerüchten zufolge, gab es sogar hinter den Kulissen einige Schwierigkeiten zwischen Persbrandt und dem Produktionsteam, sodass sich für diesen Weg entschieden worden ist. Was bleibt ist ein Serientod, der wohl nicht nur die letzten Folgen der fünften Staffel Beck klar bestimmt, sondern auch den Charakter des Martin Beck (Peter Haber) in einen Abgrund reißt. Zwar kommt mit dem Norweger Kristofer Hivju (Game Of Thrones) durchaus passender Ersatz, doch die Fußstapfen sind groß und der rebellische Ansatz und damit Gegenpart zu Beck fehlt klar. Macht dies nun die letzten Folgen zu einer Katastrophe? Nein, nicht gänzlich, immerhin bleibt die Qualität, egal ob in Sachen düstere und kühle Inszenierung, Storytelling oder auch darstellerische Leistungen, auf einem hohen Niveau. Und dennoch fehlt das gewisse etwas, eine Leidenschaft, die selbst die Figur Martin Beck zum Ende hin vermissen lässt. Resigniert und in einer Krise, steuert Beck auf ein Ende zu, welches wohl endgültig sein könnte.

Was bleibt sind also insgesamt vier spannende Fälle und eine gewohnt routinierte Erzählweise, die sich aber nicht mehr wirklich wie Beck anfühlt. Natürlich kann so ein Wechsel auch eine Chance sein, bzw. eine Serie auch in eine neue Richtung lenken (siehe Death in Paradise), dennoch bleibt die Frage, ob Beck nach einer Laufzeit von 19 Jahren überhaupt so fortgesetzt werden kann und wird. Umso tragischer ist es da, dass der Zuschauer am Ende von „Zahltag“ sogar etwas ratlos zurückgelassen wird. Wir dürfen wohl gespannt sein.

DVD

Wie schon der erste Teil der fünften Staffel, erweisen sich auch die Episoden 5-8 (seit dem 11.11.2016 im Handel erhältlich) als technisch einwandfrei: Das Bild ist gut und angesichts der technischen Möglichkeiten auch ausreichend auf die Scheibe gebannt. Der Ton, vorliegend in Schwedisch (Dolby Digital 5.1) und Deutsch (Dolby Digital 5.1) ist klar und zeichnet ein stimmiges Bild. Extras gibt es allerdings wieder keine zu entdecken.

Fazit

Fans wird bereits nach der ersten Folge von Beck Teil 2 der fünften Staffel der Atem stocken. Und dies setzt sich fort: Qualitativ ist die Serie weiterhin auf einem hohen Niveau, trotz einer durchaus vorhanden Wiederholung sowie einer gewissen konservativen Erzählweise, doch der Bruch zu Beginn wiegt schwer. Beck gelingt es kaum in den letzten vier Folgen dies aufzufangen und dem Zuschauer ein gutes Ende zu liefern sowie einen Weg in die Zukunft zu weißen. Dies haben Martin Beck sowie Gunvald Larsson definitiv nicht verdient. Schade

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