Bildnachweis: © Supermassive Games / Bandai Namco

"Directive 8020" - Videospiel - Test / Review

von Sebastian Stumbek

Story

Die Erde stirbt. Die Zeit der Menschheit läuft ab. Die letzte Hoffnung ist Tau Ceti f, ein 12 Lichtjahre entfernter Planet. Als das Kolonieschiff Cassiopeia auf den Planeten abstürzt, wird der Crew schnell klar, dass sie nicht allein ist.  Gejagt von einem außerirdischen Organismus, der die Gestalt seiner Beute annimmt, braucht die Crew der Cassiopeia jede Menge Grips, um lebend nach Hause zu kommen. In ihrem Überlebenskampf werden sie vor die schwerste aller Entscheidungen gestellt: Sich selbst zu retten, könnte das Leben aller Menschen auf der Erde riskieren.

Kritik

Das britische Entwicklerstudio Supermassive Games hat sich mit narrativen Horrorspielen wie Until Dawn, The Quarry oder der bisherigen The Dark Pictures Anthology (Man of Medan, Little Hope, House of Ashes, The Devil in Me) schon längst einen Namen im Genre gemacht. Die in der Regel prominent besetzten Games setzen auf gruselige Unterhaltung, Spannung und große Entscheidungen, die Auswirkungen auf das Überleben der Protagonisten und auf die Geschichte haben. Mit Directive 8020 folgt nun ein weiterer Eintrag in der Dark Pictures Anthology, bei dem es hinaus ins tiefe Weltall geht, genauer gesagt in ein Raumschiff, auf dem durch unglückliche Zufälle schnell die Hölle unter der Crew ausbricht.

Die Erde stirbt und die Menschheit ist auf der Suche nach einem neuen bewohnbaren Planeten. 12 Lichtjahre entfernt findet sich mit Tau Ceti f ein geeigneter Kandidat, der von der Crew der Cassiopeia untersucht werden soll. Kurz vor dem Ziel kommt es zur Kollision mit einem unbekannten Objekt, woraufhin sich die Lage an Bord schnell wendet. Eine unbekannte Biomasse breitet sich aus, Crewmitglieder verschwinden und das restliche Team beobachtet immer beunruhigendere Ereignisse. So viel zur Ausgangslage, worauf das rund 8-10-stündige Directive 8020 anschließend aufbaut. 

Die Geschichte bedient sich an Vorbildern wie Alien, The Thing und Event Horizon und generiert daraus ein Abenteuer, das sich zwar in bekannten erzählerischen Ebenen bewegt, aber durchaus packend und unterhaltsam rübergebracht wird. An die Qualität eines Until Dawn oder The Quarry reicht das Script allerdings nicht heran, was einigen etwas flachen Dialogen und ausbleibenden Charakterentwicklungen geschuldet ist. Die Crew leistet mit ihrem Schauspiel zwar solide Arbeit und unter den Figuren befinden sich keine negativen Ausreißer, bleibenden Eindruck hinterlässt aber keines der Gesichter. Mag vielleicht auch daran liegen, dass der Cast diesmal überraschend unprominent ausfällt: Während sich in früheren Games noch Hayden Panettiere (Heroes), Rami Malek (Bohemian Rhapsody), Shawn Ashmore (X-Men), Will Poulter (Midsommar), Ashley Tisdale (High School Musical), Jessie Buckley (Men - Was dich sucht, wird dich finden), David Arquette (Scream), Lin Shaye (Insidious) oder Justice Smith (Detective Pikachu) die Klinke in die Hand gaben, bleibt die Starpower diesmal aus. Für sich genommen nicht unbedingt schlimm, aber dadurch eben weniger Hollywood-Feeling als zuvor. 

Am Spielprinzip hat sich nicht viel geändert: Abwechselnd schlüpfen wir in die Rolle der Charaktere, untersuchen die Umgebung, lösen kleinere Puzzles und werden zwischendurch immer mal vor Entscheidungen gestellt oder mit schnell aufploppenden QTE-Events überrascht. Das war und ist auch diesmal aus spielerischer Sicht nicht unbedingt anspruchsvoll, ist für diese Sorte von Games aber nichts Ungewöhnliches, insofern bekannt und auch völlig in Ordnung für die Fans. Neu ist diesmal der größere Schwerpunkt auf Schleichpassagen: Immer wieder kommt es vor, dass wir einer anwesenden Gefahr aus dem Weg gehen müssen, indem wir uns verstecken und heimlich durch die Umgebung bewegen, ohne dabei gesehen zu werden. Das Feature wird in Directive 8020 ziemlich oft eingesetzt und nutzt sich durch seinen repetitiven Ablauf leider auch schnell ab. Hier hätten sich die Entwickler gern mehr Alternativen ausdenken können, um spielerische Abwechslung zu schaffen.   

Das Raumschiff mit der überall lauernden Gefahr ist ein schön atmosphärischer Schauplatz, der seine Spieler (entweder im Singleplayer oder im Multiplayer) ordentlich zu packen weiß. Und auch die Geschichte hat gegen Ende noch ein paar nette Überraschungen auf Lager, um bis zum Ende zu unterhalten. Waren Entscheidungen zuvor immer endgültig und man musste bis zum Schluss mit den Konsequenzen leben, lassen sich diese diesmal im Menü in einer übersichtlichen Timeline jederzeit zurückspulen, um einen anderen Pfad einzuschlagen. Angenehm für alle, die gern jede Abzweigung ausprobieren wollen, ohne jedes Mal von vorn zu beginnen. Jedoch nimmt das dem Ganzen auch ein wenig die Spannung, da man mit Fehlern nicht mehr leben muss. Wer die brutale Erfahrung mit all seinen Konsequenzen erleben möchte, entscheidet sich am besten bei der Einstellung des Schwierigkeitsgrades direkt dafür.

Technisch gibt es nicht viel zu beanstanden, Directive 8020 läuft auf der PS5 flüssig und schaut dabei ordentlich aus. Auch die Vertonung zeigt sich gelungen. Im Test kam es jedoch zu einigen unangenehmen Bugs beim automatischen Speichern, die den Spielstand kaputtmachten. Die Entwickler versicherten uns auf Anfrage, dass das Problem bekannt sei und sie bereits dran seien. Und mittels einem Workaround ließ sich das Problem schließlich auch gut umgehen. Da bereits mehrere Updates veröffentlicht wurden, ist es gut möglich, dass davon in der aktuellen Fassung nicht mehr viel übrig ist.   

Fazit

Auch mit "Directive 8020" gelingt Supermassive Games wieder ein gelungenes interaktives Survival-Horror-Game, das ein spaßiges cineastisches Erlebnis liefert. Auch wenn das Game auf inhaltlicher (durch seine Charaktere und Dialoge) und auch spielerischer Ebene (durch die sich zu oft wiederholenden Schleichpassagen) nicht der stärkste Titel des Entwicklers ist, dürften Fans damit ein paar schaurig-schöne Stunden im All verbringen.  

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