(Interviewt von Yuliya Mieland )
Am 05. März startet Pixars neuer Animationsfilm Hoppers in den deutschen Kinos. Anlässlich des Kinostarts durfte ich ein Interview mit dem Regisseur Daniel Chong führen.
© Deborah Coleman/ Pixar
Was war Ihre Inspiration für „Hoppers“?
Es gibt diese Tierdokumentationen, in denen Roboter-Tiere in die Natur geschickt werden. Sie haben Kameras in ihren Augen und durch sie bekommt man einen tiefen Einblick in die Natur. Das war eine der Hauptinspirationen, die uns die Idee für das „Hopping“ (Hüpfen) geliefert hat. Aber die übergeordnete Frage ist natürlich, wie versuchen wir Menschen, die Tierwelt darzustellen, weil diese Welt für uns so geheimnisvoll ist. Ich denke, dass solche Dinge den Film beeinflusst haben.
Wie lange hat die Fertigstellung von „Hoppers“ gedauert?
Oh, das ist eine schwierige Frage. Ich denke, es waren sechs Jahre. Es war ein langer Prozess, und wir wussten anfangs gar nicht, wie lange es dauern würde. Die Termine haben sich ständig verschoben. Aber wir haben jede Minute dieser sechs Jahre gebraucht, es war eine lange Zeit.
Der Film handelt vom Schutz der Natur und der Tiere. Wie wichtig ist Ihnen das?
Es ist sehr wichtig, und ich glaube, es geht sogar um etwas Größeres: Wie können wir die Natur besser schützen und ihre wichtige Rolle in unserem Leben und unserer Existenz verstehen? Denn auch wir sind Tiere, da wir genauso mit diesem Ökosystem verbunden sind. Ich denke, das ist sehr bodenständig, wenn wir uns daran erinnern, dass wir Tiere sind, und, dass wir alle auf diese Weise miteinander verbunden sind. Und vielleicht hilft uns das, unsere Gemeinsamkeiten zu verstehen und vielleicht können wir diese Erkenntnis nutzen, um einander besser zu verstehen und freundlicher zueinander zu sein. So etwas in der Art.
Mabel ist eine so starke Persönlichkeit. Gab es reale Personen, die Sie bei der Gestaltung von Mabel inspiriert haben?
Mabel basiert definitiv auf meiner Partnerin. Renee ist sehr leidenschaftlich und temperamentvoll, sehr engagiert und kämpft immer für Gerechtigkeit und setzt sich für die Schwächeren ein. Sie hat viel Mitgefühl für Tiere und andere Menschen, und ich denke, solche Eigenschaften haben Mabel als Charakter mitgeprägt.
In Hoppers versucht Mabel, ihren Lieblingsort zu beschützen? Was ist Ihr Lieblingsort auf der ganzen Welt?
Wo ist mein Lieblingsort auf der ganzen Welt? Also, ich weiß nicht, ob das die richtige Antwort ist, aber ich war vor zwei Monaten in Japan im Urlaub. Jedes Mal, wenn ich dort bin, bin ich total inspiriert, fühle mich geerdet und kreativ beflügelt. Ich fahre dorthin um Urlaub zu machen, deshalb fühle ich mich danach immer sehr erholt. Also, im Moment würde ich sagen, Japan ist vielleicht mein Lieblingsort auf der Welt.
Welche Figur aus „Hoppers“ mögen Sie am liebsten?
Ich mag sie alle. Wir haben sehr hart an allen gearbeitet, aber wenn Sie mich fragen würden, mit wem ich mich am meisten identifiziere, dann wäre es wohl König George. Er ähnelt mir in seiner Persönlichkeit sehr. Ich kann mich gut in die Rolle eines Anführers hineinversetzen, der versucht, das ganze Chaos um sich herum zu bändigen. Ich glaube, König George macht das Gleiche, deshalb kann ich mich sehr gut mit ihm identifizieren.
Was fasziniert Sie am meisten an Bibern?
Ich liebe es, dass Biber diese kleinen Nagetiere sind und doch sind sie irgendwie auch „Baumeister“, die eine Landschaft komplett verändern und in ein Feuchtgebiet verwandeln können. Und es ist nicht nur ein Feuchtgebiet für sie, wo sie Schutz und ein Zuhause finden, sondern auch ein Ort, zu dem all diese anderen Tiere wiederkommen und in ihrer Nähe leben können, weil sie ihnen ein Zuhause bieten. Und ich finde die Vorstellung, dass es solche Schlüsselarten gibt, die so etwas ermöglichen, einfach fantastisch.
Haben Sie Haustiere? Was glauben Sie, würden sie Ihnen sagen, wenn sie sprechen könnten?
Ich habe zwei Hauskatzen und habe vor Kurzem drei Wildkatzen adoptiert. Also insgesamt fünf Katzen. Ich bin mir sicher, das Erste, was sie sagen würden, wenn ich mit ihnen sprechen könnte, wäre: „Fütter mich!“. Ich weiß aber schon jetzt, dass sie mir das sagen wollen. Das ist ein wenig traurig, aber es kam öfter vor, dass ich in meinem Haus an dem Film gearbeitet habe und es war sehr viel Arbeit und die Katzen haben mich dann von hinten angestupst und versuchten auf sich aufmerksam zu machen und es war klar, dass sie spielen wollten. Ich denke, sie wollten einfach nur Aufmerksamkeit.
Wenn Sie mit Tieren sprechen könnten, was wäre die erste Frage, die Sie ihnen stellen würden?
„Was ist dein Lieblingsessen?“ Alles, was mit essen zu tun hat. Wenn es um Tiere geht, fällt mir nichts anderes ein.
Was ist Ihre Lieblingsszene?
Sie ist im Trailer. Es ist die Szene, wo die Tiere hinten im Auto sitzen und texten. Sie versuchen, mit Jerry zu reden, weil er ein Mensch ist und sie sind Tiere. Die Szene hat total Spaß gemacht, und sie war eine der ersten, die wir hinbekommen haben. Das hat uns wirklich die Zuversicht gegeben, dass der Film funktionieren wird. Deshalb ist das eine meiner Lieblingssequenzen.
Was ist Ihr Lieblingstier?
Biber zu nennen, wäre vielleicht nicht ganz fair, aber nach diesem Film habe ich eine tiefe Zuneigung zu ihnen entwickelt. Der Film hätte fast von Pinguinen gehandelt, weil ich während der Pandemie so viele gezeichnet habe und ihn ursprünglich als Pinguin-Film geplant hatte. Ich weiß nicht, warum ich sie so liebe. Vielleicht, weil sie so rund, niedlich und albern sind. Also, vielleicht ist es ein Unentschieden zwischen Biber und Pinguin.
Anm. d. Redaktion:Daniel Chong wollte unbedingt einen Film über Pinguine machen. Aber Pete Docter (Regisseur von Alles steht Kopf) fand, die Welt brauche keinen weiteren Pinguinfilm. Und Chong pflichtete ihm bei. In einem Interview sagte er: „Hoppers verdanken wir Pete Docter“.
Was ist das Wichtigste, was die Zuschauer beim Ansehen des Films lernen sollten?
Ich glaube, das Wichtigste, was ich den Leuten beim Anschauen dieses Films vermitteln wollte, war, dass sie einfach Spaß haben, lachen und unterhalten werden. Das war der Kernpunkt, über den wir immer wieder gesprochen haben: Wie kann die Komödie im Vordergrund stehen? Und ich wollte diesen Wunsch nicht aus den Augen verlieren, denn ich denke, das war das Ziel. Die ganze Zeit ging es einfach darum, etwas wirklich Unterhaltsames zu schaffen. Aber wenn der Film den Zuschauern auch etwas gibt, das sie ein bisschen mehr mit der Natur, Tieren oder anderen Menschen verbindet, wäre das natürlich auch großartig.
Vielen Dank! Es ist ein großartiger Film!
Vielen Dank. Und vielen Dank für Ihre Fragen.