Story
Wir schreiben das Jahr Genna 8 (1622). In der Burg Edo steht die Ernennung der Hauptfigur Tokugawa Takechiyo als nächster Shogun unmittelbar bevor. Takechiyos jüngerer Bruder, Tokugawa Kunimatsu, schaut voller Hass auf den Aufstieg seines Bruders und verfällt der Dunkelheit. Von einer düsteren Kraft geleitet, führt er eine Yokai-Horde in einen erbitterten Kampf gegen Takechiyo. Eine Ära des Friedens wird urplötzlich zur Hölle. In größter Not durchschreitet Takechiyo dank der mysteriösen Kraft seines Wächtergeistes Kusanagi die Zeiten.
Kritik
Dass es im Soulslike-Genre nicht immer nur From Software sein muss, hat vor allem Team Ninja mit seinen beiden ersten Nioh-Games eindrucksvoll bewiesen. Ihre Antwort auf Dark Souls und Co. beeindruckte vor allem durch ein komplexes und überaus ausgeklügeltes Kampfsystem, das im Action-RPG-Bereich zu den wohl besten überhaupt zählt. Nach knapp sechs Jahren ist nun Nioh 3 für Playstation 5 und den PC erschienen, setzt dabei auf alte Stärken und krempelt einige Bereiche sogar signifikant und sinnvoll um.
Einmal mehr geraten wir als Spieler zwischen die Fronten rivalisierender Clans im alten Japan und bekommen es mit Überfällen durch Yokai (japanische Folklore-Wesen) zu tun. Wer hier den Überblick behalten und tiefer in die Handlung eintauchen möchte, wird sich schon näher mit der der japanischen Mythologie auseinandersetzen müssen. Wer darauf aber keine Lust hat, braucht sich keinen Kopf machen: Die Story war und ist auch immer noch gut gemeintes Beiwerk, für den Spielspaß aber weniger relevant. Die gut inszenierten Cutscenes machen auf jeden Fall auch so Spaß.
Wichtiger ist das Gameplay, und hier hat sich bei Nioh 3 so einiges getan. Waren die linearen, teils schlauchigen Levels aus den beiden ersten Teilen für viele noch ein Kritikpunkt, bewegen wir uns nun durch vier große, abwechslungsreiche Open-World-Abschnitte. Hier folgen wir entweder der Haupthandlung oder erkunden nach Belieben einfach die Umgebung. Dabei säubern wir unter anderem feindliche Lager, suchen nach versteckten Kodamas, spüren Schatztruhen auf, duellieren uns mit Meistern, gehen Nebenmissionen nach, reinigen Fegefeuer-Bereiche (Überleben von Monsterwellen) oder treffen auf mächtige optionale Bosse. Die klassischen missionsbasierten Abschnitte gibt es hier und da auch in Nioh 3, der größte Teil spielt sich nun aber sehr offen und frei. Und das tut dem Spielprinzip in jedem Fall sehr gut. Begleitet von sehr übersichtlichen Maps fällt das Erkunden sehr motivierend aus.
Eine weitere wichtige Neuerung betrifft unseren Charakter selbst: Waren wir zuvor als Samurai unterwegs, der in drei unterschiedlichen Kampfhaltungen (hoch, mittel, niedrig) verschiedene Kampfstile ausübte und dabei den KI-Puls perfektionieren musste (Rückgewinnung von Ausdauer), können wir nun auch als Ninja in die Schlacht ziehen, der sich völlig anders spielt. Ausdauer spielt hier eine eher untergeordnete Rolle, stattdessen bewegen wir uns flink und schnell um unsere Gegner oder attackieren diese oftmals sogar aus der Luft heraus. Das bringt ein völlig neues Kampfgefühl mit ganz anderen Herangehensweisen und sorgt für jede Menge Spaß. Festlegen muss man sich übrigens weder auf Samurai noch auf Ninja, per Knopfdruck können wir jederzeit – auch mitten im Kampf – frei zwischen beiden wechseln. Je nachdem, ob man die klassische Erfahrung oder die neue bevorzugt oder was sich für den Gegner gerade besser eignet.
Kämpfe sind weiterhin sehr anspruchsvoll und erfordern gerade bei den teils knüppelharten Bossen das Einstudieren der Angriffsmuster. Nioh 3 hat, wie so viele andere Soulslikes, nur einen Schwierigkeitsgrad und bietet daher allen seinen Spielern dieselbe Herausforderung, die sich an ein geübtes Publikum richtet. Allerdings gibt es einen riesigen Spielraum in der Gestaltung unseres Charakters, um mit Problemen fertig zu werden: Zum einen können wir ganz klassisch Charakterattribute verteilen, um unsere Gesundheit, Ausdauer, Waffenschaden uvm. zu erhöhen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Skill-Punkten, die wir in unsere Waffen(-Skills) investieren, um neue Moves zu erlernen. Mit dem Segen von Kodamas oder Jizo Statuen sowie dem Erlangen bestimmter Titel für das Absolvieren von Aufgaben erhöhen wir viele weitere Werte wie die Effektivität von Gesundheitstränken oder unseren Glückswert beim Finden neuer Ausrüstung.
Auch Onmyo-Magie (z. B. elementare Zaubersprüche, Verlangsamen) und Ninjutsu-Fähigkeiten (z. B. Shuriken, Bomben) gehören zum Repertoire und können wunderbar in die Kämpfe eingebunden werden. Schutzgeister bringen besonders starke Attacken oder Verwandlungen mit sich und das Beitreten eines Online-Clans weitere Buffs. Und auch an der Ausrüstung kann wieder extrem viel gefeilt werden: Vom Zerlegen, Schmieden, Verzaubern oder Hochstufen sind die Möglichkeiten enorm. Die Aufzählung ließe sich hier noch weiter fortführen, da Nioh 3 noch viele weitere Möglichkeiten und Mechaniken besitzt, um an unseren Stats und Fähigkeiten zu schrauben – festhalten lässt sich aber: das System ist komplex, erfordert etwas Eingewöhnung um den Überblick zu behalten, ist danach aber eine wahre Spielwiese für Tüftler.
Was zuvor schon nervig war und auch weiterhin ist: Man wird mit Loot regelrecht überhäuft. Wer sich eine halbe Stunde durch eine Mission oder die offene Spielwelt bewegt und mehrere Gegner eliminiert hat, wird in seinem Inventar locker um die 100 neue Ausrüstungsgegenstände finden. Bedeutet dann leider auch, dass man im Gepäck regelmäßig für Ordnung sorgen und unnötigen Balast verwerten muss. Weniger, und dafür besonderer, wäre hier womöglich mehr gewesen.
Nioh 3 lässt sich komplett alleine spielen, verfügt aber auch über Online-Funktionen, die genutzt werden können. So lassen sich menschliche Spieler als Unterstützung in die eigene Welt holen oder man hilft selbst woanders aus. Alternativ lassen sich KI-gesteuerte Geister beschwören, die gefallenen Spielern nachempfunden sind und uns für einige Zeit zur Seite stehen. Kann manchen Kampf auf jeden Fall erleichtern, ist allerdings nur nutzbar, wenn man entsprechende Gegenstände besitzt.
Grafisch waren die Nioh-Spiele nie auf der Höhe der Zeit, sondern eher mittelmäßig und zweckgemäß. Das ist auch bei Nioh 3 nicht unbedingt anders, gerade wenn man Grafikkracher wie Ghost of Yotei oder Assassins Creed Shadows hinter sich hat. An der Engine hat sich diesmal aber durchaus etwas getan, die Effekte, die Beleuchtung und auch die Gestaltung der Welt sind nun merklich stimmungsvoller – alles macht einen überaus ordentlichen Eindruck und kann sich dank des gelungenen Art Designs durchaus sehen lassen. Und weitestgehend sauber und flüssig läuft das Spiel auf der getesteten PS5 Pro auch. Insofern: Vielleicht kein visuelles Feuerwerk, das hier gezündet wird, aber ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis.
Fazit
Die "Nioh"-Spiele waren schon immer eine der gelungensten Alternativen zur Soulslike-Referenz aus dem Hause From Software, mit "Nioh 3" liefert Team Ninja nun sein wohl bestes Spiel ab, das die Stärken seiner Vorgänger erbt und spürbar verfeinert (vor allem durch das Hinzufügen des Ninjas) sowie mit der offenen Spielwelt eine frühere Schwäche beim Level-Design gekonnt ausbügelt. Gerade beim meisterhaften Kampfsystem kann kaum jemand da draußen den Entwicklern etwas vormachen.