Bildnachweis: © Capcom

"Onimusha: Way of the Sword" - Videospiel - Test / Review

von Sebastian Stumbek

Story

Onimusha: Way of the Sword ist der neueste Teil der klassischen Onimusha-Reihe. Als erster Teil seit 20 Jahren kehrt dieses brandneue Action-Spiel in ein düsteres Fantasy-Japan zurück, in dem Samurai gegen übernatürliche Gegner kämpfen. Die Geschichte verbindet Geschichte und Mythos und folgt der Reise von Miyamoto Musashi, einem Samurai, der mit einem mystischen Oni-Handschuh bewaffnet ist, während er gegen Dämonen kämpft, die in das Kyoto der Edo-Zeit eindringen.

Kritik

Seit über 20 Jahren ist es ruhig bestellt um die Onimusha-Reihe. Die vierteilige Serie feierte damals auf der PS2 Erfolge und verschwand daraufhin von der Bühne. Nun lässt Capcom das Franchise mit Onimusha: Way of the Sword auf PC, PS5, Xbox Series X|S und Nintendo Switch 2 wieder auferstehen und spricht mit einer gänzlich neuen Geschichte auch Neulinge ohne Vorkenntnisse an. Wir haben uns in unserer Textversion auf der PS5 Pro ins actiongeladene Abenteuer gestürzt und dabei für rund 30 Stunden viele intensive Kämpfe bestritten. 

In Onimusha: Way of the Sword schlüpfen wir in die Rolle des Schwertkämpfers Miyamoto Musashi, der gleich nach seiner Einführung ins Gras beißt. Doch die Hölle hat noch andere Pläne mit ihm und schickt ihn mitsamt eines magischen Oni-Handschuhs zurück in die Welt der Lebenden. Dieser verleiht ihm besondere Kräfte, die er nach dem Einsaugen von fallengelassenen Seelen seiner niedergestreckten Gegner erlangt. 

Gleich von Beginn an weiß Onimusha: Way of the Sword zu gefallen, was vor allem dem sympathisch gezeichneten Hauptcharakter zu verdanken ist. Ein wenig überheblich, etwas ungestüm und stets ein paar lockerere Sprüche auf den Lippen. Inspirieren ließen sich die Entwickler bei der Gestaltung vom japanischen Schauspieler Toshirō Mifune (Die Sieben Samurai), den man hier an diversen Zügen immer wieder erkennt. Darüber hinaus hat Onimusha: Way of the Sword auch eine nette Story zu erzählen, die in schick animierten Zwischensequenzen immer wieder vorangetrieben wird. 

Unser Abenteuer startet in Kyoto, das von fiesen Genma überrannt wurde, die Jagd auf die Bewohner machen. Hier gehen wir Haupt- und Nebenaufgaben nach, die wir auf unserer übersichtlich gestalteten Map verfolgen können. Während unsere Hauptmissionen linear aufgebaut sind und durch schlauchige Areale führen, ist Kyoto etwas offener gestaltet. Der Handlungsspielraum ist hier allerdings begrenzt und nicht unbedingt mit der Vielfalt anderer Open World-Games zu vergleichen. Kleine Aufträge, die sich meist auf das Eliminieren von Gegnern, das Schließen von Höllenrissen oder das Suchen nach Schatztruhen beschränken. Ein netter Zeitvertreib für zwischendurch, hauptsächlich um Materialien fürs Crafting zu sammeln. Auch in Sachen Detailverliebtheit und Lebendigkeit ist Kyoto nicht vergleichbar mit der Opulenz, die beispielsweise ein Assassin's Creed auf den Bildschirm zaubert. 

Spannender sind also die Missionen, die die Story vorantreiben und spielerisch mehr Abwechslung bereithalten. Hier schnetzeln wir uns mit unserem Katana elegant durch die Gegnergruppen. Das grandiose Kampfsystem ist zweifellos die größte Stärke von Onimusha: Way of the Sword und macht über das gesamte Abenteuer hinweg stets Laune. Dabei kommt es auf Timing, Geschick und taktisches Vorgehen an, ähnlich wie man es aus Soulslikes-Games kennt. Wer einfach stumpf drauf loskloppt, wird schnell scheitern. Daher gilt es, die Muster der Gegner zu erlernen und entsprechend darauf zu reagieren, indem man im richtigen Moment ausweicht, blockt, pariert oder eben selbst zuschlägt. Am ehesten erinnern die wuchtigen, schnellen Duelle an Sekiro: Shadows Die Twice, wo das Parieren ebenso von großer Bedeutung war. 

Onimusha: Way of the Sword führt Spieler an das komplexe Kampfsystem aber Schritt für Schritt heran, sodass man schon nach kurzer Zeit die Techniken beherrscht. Anders als in anderen Soulslikes ist das Spiel zudem wesentlich zugänglicher und einsteigerfreundlicher, da Tode nicht so hart bestraft werden. Weder verliert man seine eingesammelten Seelen, noch wird man an einem weit entfernten Checkpoint zurückgesetzt. Zudem lässt sich der Schwierigkeitsgrad jederzeit hoch- oder runterschrauben. Daher dürfte der Frustfaktor, trotz anspruchsvoller Fights, weitaus niedriger sein. 

Mit der Zeit stärken wir unseren Hauptcharakter immer mehr. Eingesammelte Materialien verstärken unser Katana, erhöhen unsere Gesundheit und verbessern unseren Oni-Handschuh, während wir in zwei Skill-Trees mithilfe von Seelen und den richtigen Items unsere Fähigkeiten im Kampf oder bei der Erkundung der Welt verbessern. 

Unsere Hauptwaffe bleibt das ganze Spiel über das Katana, daneben führen wir aber für Fernangriffe einen nützlichen Bogen mit uns und rüsten zusätzlich eine besonders coole Oni-Waffe als Special aus, die wir jederzeit wechseln können. Das können beispielsweise Feuervögel sein, die wir aus der Ferne auf unsere Gegner schleudern, um sie in Brand zu versetzen, oder mächtige Hämmer, die die Verteidigung unseres Gegenübers brechen. So kommt reichlich Varianz ins Spiel. 

Vor allem die Boss-Fights fallen in Onimusha: Way of the Sword richtig stark aus, sodass das ausgefeilte Kampfsystem so richtig zur Geltung kommt und ein wahres Ballett an den Tag legt. So gut das Kampfsystem auch ist, einen Kritikpunkt gibt es dennoch: Die Gegnervarianz fällt insgesamt sehr gering aus. Bedeutet, dass wir immer wieder auf die selben Gegnermobs treffen, was irgendwann ermüdend wird. Auch einige Bosse werden gerne mal recycelt, was bei zwei Kandidaten dermaßen oft passiert, dass es irgendwann regelrecht absurd wird.  

Technisch gibt es nichts zu beanstanden, auf der PS5 Pro lief das Spiel im Performance-Modus durchgehend flüssig und macht optisch zwar keine beeindruckende, aber durchaus eine ordentliche Figur. Auch die (deutsche) Vertonung ist qualitativ sehr gelungen, während Bugs im Test nicht vorgekommen sind. Capcom liefert also ein sauberes Produkt ab, das selbst in der Testversion, vor seinem gängigen Day 1 Patch, keinen Anlass für Ärger gibt. 


Fazit

Wer Lust auf ein fantastisches Kampfsystem hat, wird an "Onimusha: Way of the Sword" viel Freude haben. In den stark inszenierten Gefechten entwickelt sich ein toller Flow, der einen nicht mehr so schnell loslässt. Darüber hinaus fallen auch die Story und die Charaktere besser als erwartet aus und motivieren zum Weiterspielen. Wünschenswert wären lediglich eine größere Gegnervarianz sowie weniger Wiederholung einzelner Aufgaben und Aufeinandertreffen mit gleichen (Boss-)Gegnern gewesen.  

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