Bildnachweis: © Capcom

"Resident Evil Requiem" - Videospiel - Test / Review

von Sebastian Stumbek

Story

Im mittleren Westen der USA wurde in einem verlassenen Hotel eine Leiche entdeckt. Es ist der jüngste Vorfall in einer rätselhaften Reihe von Todesfällen. FBI-Kriminalanalytikerin Grace Ashcroft übernimmt den Fall – ausgerechnet an dem Ort, an dem ihre Mutter vor acht Jahren ermordet wurde. Doch als ein Polizist in der Nähe des Hotels vermisst gemeldet wird, macht sich auch der erfahrene Agent Leon S. Kennedy zum Tatort auf. Die Wege der zwei kreuzen sich und beide müssen sich ihrer Vergangenheit stellen, um das Geheimnis um den Vorfall von Raccoon City zu lüften, der die Welt einst für immer veränderte. Werden sie den Albtraum erneut erleben oder den Toten endlich Frieden bringen, während die Schrecken der Vergangenheit widerhallen? 

Kritik

Rund fünf Jahre nach Resident Evil Village steht mit Resident Evil Requiem nun der mittlerweile neunte Serienteil an. Einmal mehr bekommen wir es mit Zombies und allerlei grotesker Kreaturen zu tun, die die Welt bedrohen. Die Reihe hat sich im Laufe der Zeit schon an so einigen Stilrichtungen probiert – mal action-, mal horrorlastiger – und versucht es diesmal Fans beider Lager recht zu machen. Denn wir schlüpfen in die Rolle von gleich zwei Charakteren, deren Abenteuer sich spielerisch grundlegend voneinander unterscheiden. Also ein Resident Evil für alle? Kann man so sagen, wenn man mit den sich abwechselnden Herangehensweisen fein ist. 

Die Story dreht sich einmal mehr um die Umbrella Corporation, ihrer illegalen Experimente mit dem tödlichen Virus und einiger durchgeknallter Persönlichkeiten, die damit eine neue Weltordnung schaffen wollen. Gerade zu Beginn, wenn man es noch mit einigen unbekannten Komponenten zu tun hat, funktioniert diese recht gut und macht neugierig auf mehr, mit der Zeit geht es dann in mehr oder weniger vorhersehbare Richtungen. Nicht unbedingt logisch und mit einer gewaltigen Portion Trash – eben ganz so, wie man es von der Reihe kennt. Alles aber halb so wild, da der Unterhaltungsfaktor durch die vielen guten Cutscenes stets hochgehalten wird und das Geschehen durchweg abwechselnd gestaltet ist. 

Wir schlüpfen einerseits in die Rolle der FBI-Agentin Grace, andererseits in die des Serien-Veteranen Leon S. Kennedy – stets im vorgegebenen Wechsel. Beide Charaktere können wahlweise in der First- oder Third-Person-Perspektive gespielt werden, in der empfohlenen Standardeinstellung spielt sich Grace aus der Ich-Perspektive, während die Kamera Leon schräg von hinten verfolgt. Und das passt aus folgendem Grund hervorragend: Grace bekommt den horrorlastigen Survival-Part spendiert, in welchem man sich oftmals verstecken oder fliehen und mit seinen Ressourcen sehr sparsam umgehen muss. Hier kann Resident Evil Requiem seine packende Atmosphäre besonders stark ausspielen und seine Spieler das Fürchten lehren. Wenn Grace die schaurige Umgebung erforscht, dabei Puzzles löst und von beängstigenden Kreaturen gejagt wird, erinnert das an die guten Momente eines Resident Evil 7 Biohazard. Was Capcom hier an bizarren Schreckensmomenten inszeniert, ist in jedem Fall große Klasse. 

Wer Lust auf geballte Action hat, wird dagegen mit Leon seine Freude haben. Ressourcen- und Inventarmanagement spielen hier eine eher untergeordnete Rolle, stattdessen wird mit großem Waffenarsenal auf alles geballert, was uns entgegenläuft oder kriecht. Damit es nicht zu einfach wird, trifft Leon auf deutlich stärkere Gegner und zahlenmäßig auch auf wesentlich mehr von ihnen. Der Gruselfaktor wird in seinen Passagen runtergeschraubt, dafür ist der Funfaktor sehr hoch. Und auch die Gegner sorgen immerzu für herrlich absurde Momente, wenn sie beispielsweise mit ratternder Kettensäge auf uns losgehen und dabei auch schon mal selbst die Kontrolle über das Gerät verlieren, oder schwerbewaffnet durch die Gegend feuern.

Schauplätze sind diesmal sowohl Innen- als auch Außenbereiche. Von gespenstischen Anwesen bis hin zu apokalyptischen Städten oder geheimen, unterirdischen Laboren. Dabei setzt Capcom auch auf eine ordentliche Portion Nostalgie, indem es unter anderem an bekannte Orte früherer Spiele geht wie das legendäre Raccoon City Police Department aus Resident Evil 2. Serienkenner werden die Bezüge und Anspielungen sicherlich freuen. 

Auch wenn sich die Charaktere (vor allem Grace) etwas behäbig bewegen, spielt sich Resident Evil Requiem insgesamt äußerst spaßig. Sowohl das Kampfsystem als auch Puzzles und der Erkundungsfaktor sind gut implementiert und halten Spieler während der rund 12-stündigen Kampagne bestens bei Laune. Einen lohnenswerten New Game Plus-Modus mit neuen Inhalten, wie ihn beispielsweise Silent Hill f zuletzt angeboten hat, gibt es in Resident Evil Requiem leider nicht, vielleicht lässt sich Capcom aber zu einem späteren Zeitpunkt noch etwas einfallen. Den einen Durchgang aber sollten sich Horror- und Actionfans zumindest nicht entgehen lassen. 

Technisch ist Resident Evil Requiem eine saubere Sache. Die hauseigene RE Engine zaubert prächtige Grafiken auf die Bildschirme, auf der getesteten PS5 Pro läuft das Spiel zudem mit zugeschalteten Ray Tracing-Effekten wunderbar flüssig. Bugs sind während des Tests keine aufgefallen. Auch das Audiodesign ist spitzenmäßig und unterstützt die unbehagliche Atmosphäre bestens. 

Fazit

Sowohl Action- als auch Horrorfans kommen in "Resident Evil Requiem" auf ihre Kosten. Auch der mittlerweile neunte Teil der Hauptreihe zeigt sich qualitativ von seiner besten Seite und sorgt für atmosphärischen, herrlich abgedrehten Spaß. 

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