Bildnachweis: © Sony Interactive Entertainment / Insomniac Games / Marvel

Videospiel "Spider-Man" im Test

von Sebastian Stumbek

Story

Gerade erst verhalf Spider-Man dem NYPD bei der Verhaftung des Oberschurken The Kingpin (Wilson Grant Fisk), doch der Ärger fängt damit erst an. Mary Jane Watson, mittlerweile Peter Parkers Ex-Freundin, stößt in einem Auktionshaus unter Fisks Kunstobjekten auf detaillierte Pläne, die auf ein geheimes Projekt namens "Devil's Breath" hindeuten, hinter denen  plötzlich auch bewaffnete Männer her sind. Spider-Man kann MJ zwar im letzten Moment vor ihnen retten, jedoch können sie mit den Plänen fliehen. Zusammen mit seiner früheren Liebe geht er der Sache nach. 

Kritik

Während Spider-Man im Marvel Cinematic Universe aktuell noch vom jungen Teenager zum gestandenen Superhelden heranreift, der von Tom Holland porträtiert in The First Avenger: Civil War seinen ersten Auftritt hatte und mit Homecoming seinen ersten eigenen Film ablieferte, sieht es für ihn im namensgleichen PS4-exklusiven Spiel ein wenig anders aus: Peter Parker ist darin 23 Jahre alt und bereits seit 8 Jahren als Spinnenmann aktiv, also ein längst erfahrener Superheld. Mit den vielen Videospielen, in denen er in der Vergangenheit zuvor schon auftrat, hat das neue von Insomniac Games (Ratchet & Clank) entwickelte Game nichts zu tun. Erzählt wird eine gänzlich neue Geschichte, die für ihre Erzählung auch die Filme nicht zur Grundlage nimmt. 

Nach kurzem Intro, das uns lediglich Peter Parkers unaufgeräumtes Zimmer zeigt, streift sich unser Held auch schon sein müffelndes Kostüm über und springt aus dem Fenster. Sofort übernehmen wir die Kontrolle und tun genau das, was Spider-Man so faszinierend macht: Wir schwingen uns elegant durch die Häuserschluchten Manhattans, vollführen kleine akrobatische Einlagen, rennen an Häuserwänden entlang und geraten so in einen wunderbaren Geschwindigkeitsrausch. Nutzt man in anderen Spielen noch allzu gern eine Schnellreisefunktion, verliert man in Spider-Man vor lauter Spaß an der Fortbewegung gar keinen Gedanken an sie. 

Aber auch das Kampfsystem weiß zu begeistern. Dieses orientiert sich klar an den Batman: Arkham-Games und bietet eine Vielzahl an Moves und Kombos an, wodurch die Gefechte, auch dank geschickt eingesetzter Zeitlupeneffekte, äußerst stylisch in Szene gesetzt werden. Da der Schwierigkeitsgrad hoch ist und diverse Gegner auch Schilde, Handfeuer- oder Nahkampfwaffen einsetzen, müssen wir dabei auch stets ein wenig taktisch vorgehen, einfach draufhauen wird im Laufe der Zeit nicht mehr zum Erfolg führen. Dazu setzen wir zahlreiche Gadgets ein oder beziehen auch unsere Umgebung mit ein und lassen mit Spinnenfäden Gerüste stürzen oder schleudern umherstehende Objekte herum. Landen wir viele Treffer hintereinander, ohne selbst Schaden zu nehmen, füllt sich unsere Fokusleiste auf, die uns zusätzlich mächtige Spezialangriffe erlaubt. 

Spidy startet schon zu Beginn mit einem großen Angebot an Fähigkeiten, kann im Laufe des Spiels durch das Sammeln von Erfahrungspunkten aber noch weitaus mehr davon freischalten, unterteilt in Kampf-, Schleich- und Schwung-Skills. Zudem warten eine Vielzahl an Anzügen mit unterschiedlichen Funktionen darauf von uns erspielt zu werden, auch Mods können darin platziert werden, ebenso in unseren Gadgets. All das steigert die Motivation, in der offenen Spielwelt Aufgaben zu erledigen, denn dafür sammeln wir Marken, die wir eben für den oben genannten Ausbau benötigen. Lösen wir besonders viele Verbrechen in der Stadt, bekommen wir entsprechend Verbrechermarken, lösen wir Sammel-Quests, gibt es dafür wiederum andere. Letztere sind sicherlich nicht jedermanns Sache, kommen aber mit einigen netten Hintergrund-Facts daher, die immerhin für Marvel-Fans interessant sein dürften.  Zudem schalten viele der Aufgaben auch optionale Subplots frei, wo auch schon mal ein weiterer Schurke aus dem Spider-Man-Universum auf uns warten kann!

Richtig spannend geht es vor allem in den Hauptmissionen zu, wovon einige ein cineastisches Feuerwerk entzünden. Mithilfe von gescripteten Ereignissen und gelegentlichen Quicktime-Momenten erzeugt das Spiel an diesen Stellen ordentlich Dramaturgie und setzt das actiongeladene Treiben, ganz nach Vorbild der Filme, in bester Popcorn-Unterhaltung um. Das mündet auch in einer Reihe von Bosskämpfen gegen bekannte Oberschurken wie Vulture, Electro oder Mr. Negative, deren Auftritt in der Regel cool inszeniert wird und die spielerisch für ordentlich Schwung sorgen. 

Die Geschichte ergibt insgesamt einen schönen Mix aus Blockbusterunterhaltung und persönlicher Nähe zu den Charakteren. Wenn wir nämlich mal nicht als Superheld unterwegs sind, gehen wir als Peter Parker auch schon mal unserer wissenschaftlichen Arbeit im Labor nach, was in Form kleinerer Minigames geschieht und ebenfalls Belohnungen mit sich bringt. Oder wir schlüpfen in die Rolle von Mary Jane und werden so als Reporterin aktiv. Die Interaktion der Charaktere erfolgt stets sympathisch, es nimmt der ansonsten temporeichen Inszenierung an einigen Stellen aber auch etwas Drive, sodass eine andere Platzierung dieser Inhalte manchmal wünschenswert wäre. Missen möchte man sie aber trotzdem nicht. 


Fazit

Mit "Spider-Man" bekommen Playstation-Spieler äußerst spaßige Blockbuster-Unterhaltung serviert, die vor allem mit einer packenden Inszenierung, sympathischer Story, einem ausgetüftelten Kampfsystem und einer der coolsten Fortbewegungsmechanismen seit langem punkten kann. 

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