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Kritik
Dr. Uwe und die Nazi-Vampire
Uwe Boll ist schon eine Klasse für sich. Trotz permanenter Verisse seiner Filme, trotz katastrophaler einspieltechnischer Bauchlandungen und trotz einer offensichtlichen Unfähigkeit Filme außerhalb des Trash-Milieus zu fabrizieren, schafft er es scheinbar mühelos genügend Geldgeber zu bezirzen, um einen Streifen nach dem anderen auf das Publikum loslassen zu können. Nach „Siegburg“, „Rampage“ und „Darfur“ im Jahr 2009, legte er 2010 mit „BloodRayne: The Third Reich“, „Final Storm“ und „Max Schmelling“ gleich drei weitere moderne Klassiker nach und wagte sich anno 2011 sogar an einen gleichnamigen Film über „Ausschwitz“, eine „BloodRayne“-Parodie namens „Bluberella“ und an die „Schwerter des Königs“-Fortsetzung „In the Name of the King: Two Worlds“. Wobei das nur seinen Output der letzten zweieinhalb Jahre umfasst. Besonders beeindruckend ist dabei, dass bereits unzählig viele A- und B-Movie Stars aus allen Ecken und Enden der Welt ihren guten (oder gerade noch vorhandenen) Ruf liebend gerne für Dr. Boll aufs Spiel gesetzt haben. Ob Michael Parè, Udo Kier, Edward Furlong oder Jason Statham, ob Lance Henriksen, Bill Moseley, Ray Liotta oder Danny Trejo, ob Matthew Lillard, Burt Reynolds, Ron Perlman oder Kristanna Loken. Wenn Boll ruft werden Anstand, Stolz und Schamgefühl abgelegt, wie schmutzige Unterwäsche nach einem langen Drehtag und es wird ohne mit der Wimper zu zucken ein Pakt mit einem der verhasstesten Regisseure aller Zeiten geschlossen.
Mit Teil drei der BloodRayne-Reihe nähert sich Boll - nach dem Mittelalter („BloodRayne“) und dem wilden Westen („BloodRayne 2: Deliverance“) - endlich der Videospielvorlage, die ebenfalls im Hitler-Zeitalter situiert war. Das ist einerseits für Fans des Games erfreulich und bietet andererseits auch eine weit innovativere und, im Hinblick auf Bolls Neigung zu unfreiwilligem Trash, weit unterhaltsamere Atmosphäre für die Umtriebe der hübschen Unsterblichen. Das Nazi-Setting trägt auch dazu bei, dass gewisse Genre-Klischees beinahe erwartet werden und sich Dr. Uwe nicht allzu lange mit so etwas Nebensächlichem wie Charakterzeichnung aufhalten muss, sondern ohne Umschweife zur Sache kommen kann. Bitterböse Nazis, gute Freiheitskämpfer und eine scharfe Heldin mit bisexuellen Neigungen, in knapp 75 Minuten als leckerer Imbiss für Zwischendurch serviert. Dabei fließt Blut, klirren Schwerter, fliegen Kugeln und explodieren Bomben, als ob Nazi-Exploitation das mainstreamtauglichste Subgenre überhaupt wäre. Außerdem findet sich auch die Zeit dafür, die obligatorische Sex-Szene der Hauptheldin um ein lesbisches Liebesspiel zu erweitern. Was will der Exploitation-Trash-Fan mehr?
Die Darstellerleistungen sind durch die Bank überzeugend und entschuldigen für so manches Loch im Plot, wobei vor allem Clint Howard als perverser Nazi-Arzt, Michael Parè als Vampir wider Willen und Natassia Malthe als Rayne hervorstechen. Abgesehen von den drei Hauptfiguren spielen aber auch alle anderen Darsteller ziemlich ordentlich, was vor allem bei einem Boll-Streifen keinesfalls selbstverständlich ist.