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MB-Kritik

Sad Girlz 2026

Drama – Spain, France, Mexico

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Rocío Guzmán
Darana Álvarez
Tatsumi Milori
Tomás García Agraz
Mónica del Carmen
Raúl Villegas
Lucio Lemus
Luisa Almaguer
Andrea Jiménez Camacho
Áyax
Óscar Lever
Mario Flores
Héctor Kuri Hernández
Daniel Aranzubia

Inhalt

Zwei jugendliche Schwimmer in Mexiko bereiten sich auf einen wichtigen Wettkampf in Brasilien vor, während sie ein Trauma bewältigen müssen, das ihre Freundschaft verändert.

Kritik

Selbstbestimmung entpuppt sich als fatale Illusion in Fernanda Tovars ambivalentem Debüt-Drama, das auf seinem erfolgreichen Festival-Run nun in Busan halt macht. Die Welt und Wahrnehmung der Erwachsenen konfrontiert die jugendlichen Hauptfiguren mit den sexistischen Strukturen einer zutiefst patriarchalischen Gesellschaft, die Kindern mehr Glaubwürdigkeit, Schutz und Autonomie zugesteht als Frauen. Coming-of-Age markiert den Prozess der schmerzlichen Erkenntnis der eigenen Auslieferung und Minderwertigkeit in den Augen eines zuvor ebenbürtigen gemeinschaftlichen Umfelds. In jenem erweist sich Freundschaft als ebenso brüchig wie romantische Zuneigung. 

Beide Gefühle stehen in diffiziler Konkurrenz miteinander, nachdem die jugendliche Leistungssportlerin Paula (Darana Álvarez) Opfer eines sexuellen Übergriffs wird. Der Täter ist ein Junge aus ihrem schulischen Umfeld, dem sie auf einer Party gleichaltriger Freunde begegnet. Dass die Gegenwart von Freund*innen und Bekannten und ein vertrautes Umfeld keine Sicherheit bedeuten, ist keine neue Erkenntnis. Die Regisseurin und Drehbuchautorin scheitert dennoch daran, die komplexen Hierarchien dieses jugendlichen Umfelds zu durchleuchten. Entsprechend bizarr und klischeebelastet ist ihr Bild der heranwachsenden Generation.

Deren filmische Darstellung reproduziert die misogynen Vorurteile und die sexistische Persektive, die sie oberflächlich zu kritisieren vorgibt. Weibliche Solidarität beschränkt sich auf manierierte Gesten, echter Zusammenhalt existiert nur unter Männern. Sie bieten die traumatisierte Paula Wissen und Stabilität bieten, die sie weder bei ihrer vermeintlich besten Freundin Maestra (Rocio Guzmán) findet, noch in digitalen Ressourcen. Als solche dient den Titelfiguren ChatGPT - als habe Tovar mal gehört, dass Jugendliche das benutzen, aber keine Ahnung, was hinter dem Kürzel steckt. Jede Glaubwürdigkeit hat der derivative Plot spätestens da verspielt. 

Fazit

Mit seiner stilisierten Schreibweise transportiert der Titel Fernanda Tovar zwiespältigen Jugenddramas ironischerweise treffend ihr verstaubtes Bild der jungen Generation. Jene muss sich von AI Vergewaltigung angeblich erklären lassen, obwohl sie mit der #MeToo Bewegung aufgewachsen ist. Die paternalistische Perspektive auf junge Mädchen als uninformiert, unzuverlässig und unselbstständig  ist untrennbar verwebt mit klassistischen Konzepten der unteren Gesellschaftsklassen als unmündig und intellektuell beschränkt. Der Look der Protagonistinnen karikiert ästhetische Codes der Unterklasse, ohne diese wirklich zu verstehen. Die anspruchsvolle Thematik ist bloßes Instrument, um Anspruch und Relevanz vorzugaukeln. 

Autor: Lida Bach