Inhalt
Im belagerten Nord-Gaza dokumentiert der ehemalige Fotograf Osama den Krieg, während er gleichzeitig seine Frau und sein neugeborenes Kind beschützt. Trotz Hunger, Verlusten und Traumata setzt er seine Arbeit fort – angetrieben von Pflichtgefühl und Hoffnung; ein unverblümtes Porträt der Widerstandskraft in Kriegszeiten.
Kritik
Nachdem Splitter eines israelischen Bomben-Angriffs ihn in seinem eigenen Haus verwunden, versuchte sein Vater nicht mehr, ihn von der Arbeit abzuhalten, berichtet der engagierte Protagonist Ahmed Hassounas verstörenden Filmblicks auf journalistischen Alltag in Gaza. Im ständigen Belagerungszustand erfasst die Kamera die Arbeit des Titelcharakters im Angesicht von Terror und Tod, deren Opfer und Beobachter Osama Al-Ashi zugleich ist. Über ein Jahr erstellt der palästinensische Filmemacher ein Zeugnis des Genozids und der jüngsten Generation in dessen Schatten.
Teil dieser Generation ist Osamas Sohn, dessen Geburt und erster Geburtstag als eingrenzenden Marksteine fungieren. Eine professionelle Distanz zwischen der Presse-Arbeit und dem eigenen Leben ist im permanenten Ausnahmezustand nicht mehr möglich bereits die Logistik des Alltags, das Beschaffen von Trinkwasser, Lebensmitteln und Medikamenten, wird zur lebensgefährlichen Herausforderung. Systematische Zerstörung der Strukturen und sozialen Bedingungen, die eine sichere Kindheit ermöglichen, zeigt sich als essenzielles strategisches Instrument. Visuelle Unmittelbarkeit webt Frontbericht und Familien-Tagebuch zu einer traumatischen Chronik.
Von Al-Ashi selbst produziertes Bildmaterial, dass die Gräuel der israelischen Armee, das gezielte Bombardieren von Krankenhäusern und Schutzzonen und unermessliche Leid in aus greifbarerer Nähe einfängt. Desorientierung, die seismischen Erschütterungen der Bomben-Einschläge, Rauch und Lärm, ziehen das Publikum in ein Inferno, in dessen Mitte flüchtige Momente familiären Zusammenseins umso kostbarere wirken. Zentrum des Geschehens bleibt stets die Menschlichkeit des Protagonisten und seiner Familie. Das Heranwachsen seines Kindes wird zum humanistischen Widerstand gegen die versuchte Auslöschung.
Fazit
Verzweiflung und zaghafte Hoffnung sind die emotionalen Gegenpole Ahmed Hassounas aufwühlender Chronik des beruflichen und privaten Überlebens eines Journalisten und Familienvaters inmitten des Genozids in Gaza. Als einer der letzten Presse-Vertretenden, die nach der Evakuierung im Norden Gazas verblieben, gibt der Titelcharakter der Realität der Zerstörung Worte und Bilder, die der stetigen Abstumpfung der Außenwelt gegenüber der Katastrophe als Dauerzustand entgegenwirken. Verdichtet auf nur knapp unter 70 Minuten entsteht ein historisches Dokument von alarmierender Dringlichkeit.