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Kritik
Chuck Norris counted to infinity…twice
Der Name Chuck Norris ist mit trashigen 80erJahre Actionfilmen beinahe ebenso eng verbunden, wie mit der Rolle des Cordel Walker in „Walker, Texas Ranger“. Neben „Lone Wolf McQuade“, „Missing in Action“ und„Code of Silence“ zählt auch der Geiselbefreiungsstreifen„Delta Force“des israelischen Regisseurs und Produzenten Menahem Golan zum Repertoire des erfolgreichen Karatekas und erklärten Minimalmimen. Die Hurra-Patriotismus Produktion aus dem Jahre 1986 diente retrospektiv betrachtet nicht nur 90erJahre Actionfilmen wie„Passenger 57“als Inspirationsquelle, sondern besiegelte auch Chuck Norris Ruf als ebenso wortkarger wie schlagkräftiger Einzelgänger. Im Zuge einer groß angelegten Blu-ray-Release Aktion von MGM wurde neben einigen anderen Norris Reißern auch „Delta Force“ ungekürzt und mit verbesserter Ton- und Bildqualität auf den deutschsprachigen Markt geworfen.
Regie- und Produktionstausendsassa Menahem Golan, welcher sich als Produzent für über 200 Spielfilme verantwortlich zeichnet und bei Trash-Klassikern wie„Enter the Ninja“ und„Over the Top“Regie geführt hat, verwurstet in „Delta Force“ die Fakten der im Jahr 1985 tatsächlich erfolgten Entführung des TWA Fluges 847 und einiger weltbekannter Militäroperationen (Operation Entebbe und Operation Eagle Claw) zu einem pro-israelischen, pro-amerikanischen, aber auch ganz klar anti-arabischen B-Actionmachwerk. Die eigentliche Handlung, wenn man das rudimentär zusammengesetzte Konstrukt als solche bezeichnen möchte, ist erwartungsgemäß, trotz seiner in der Realität fußenden Ausgangssituation, lediglich eine vorgeschobene Entschuldigung für kernige, todesmutige Kerle, die lockere Sprüche klopfen und zu aufpeitschenden Klängen (Stichwort: „Delta Force“-Theme) böse Terroristen über den Jordan schicken.
Bis diese vorhersehbare, bei einer Produktion dieses Couleurs eigentlich herbeigesehnte Entwicklung, jedoch eintritt, vergehen beinahe 80 Minuten. 80 Minuten in denen Chuck Norris nur ab und an für wenige Sekunden auf der Mattscheibe auftaucht und stattdessen die Motivation der Entführer und das Leiden der Opfer in den Mittelpunkt gerückt werden. Das wiederum mag in einem Drama Marke „Flight 93“ passend sein. In einem Film der zwischenzeitlich mit Aussagen wie Sleep tight, sucker (als ein Terrorist von Scott McCoy erschossen wird) glänzt, wirken sie eher ermüdend und in gewissem Sinne fehl am Platz. Folglich hat das - epische 125 Minuten lange - Werk mit einigen Spannungsdurchhängern zu kämpfen, die den geneigten Betrachter immer wieder zur FastForward-Taste schielen lassen. Wenig hilfreich sind dabei natürlich stereotypische Klischeefiguren, nicht überzeugende Schauspielleistungen, schlecht nachvollziehbare Handlungssprünge, gigantische Plotlöcher und beinahe lächerlich ernsthaft zur Schau gestellter Machismo.
Nicht außer Acht lassen darf man trotz all dieser Kritikpunkte natürlich, dass die Actionszenen, die die letzten knapp 45 Minuten von „Delta Force“ vollständig ausfüllen für viele vorangegangene Qualen zu entschädigen wissen. Diese sind nämlich gut inszeniert, abwechslungsreich umgesetzt, durchwegs blutig und versprühen einen unleugbaren 80erJahre Charme (ein weiteres Mal sei an dieser Stelle auf Alan Silvestris „Delta Force“-Theme verwiesen).
Personell hat am Papier beziehungsweise auch am Cover Chuck Norris die alleinige Hauptrolle bei „Delta Force“ inne. Da sich die erste Filmhälfte jedoch Großteils im entführten Flugzeug abspielt und Mr. Norris erst in den letzten 40-50 Minuten auf die bösartigen Entführer trifft, hat Menahem Golan auch den restlichen Cast durchwegs prominent besetzt. Neben den bereits erwähnten Mitgliedern seiner Einheit Lee Marvin und Steve James, veredeln unter anderem Robert Forster („Jackie Brown“), Lainie Kazan („My Big Fat Greek Wedding“), George Kennedy („Cool Hand Luke“), Robert Vaughn („Bullitt“), Martin Balsam („All the President’s Men“) und Bo Svenson („Ein Haufen verwegener Hunde“) die 9-Millionen-Dollar Produktion. Diese erledigen ihre Aufgaben routiniert, aber wenig mitreißend. Im Grunde genommen sieht man allen Beteiligten nur allzu deutlich an, dass sie schon bessere Zeiten erlebt haben und „Delta Force“ für jeden Einzelnen lediglich eine unliebsame Notlösung darstellt.