Inhalt
Detective John Kimble ist ein Veteran der brutalen Straßen von L.A., und für seinen Schwur, das Gesetz zu schützen, ist er bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Doch sein neuer Auftrag wird ihn an sein Limit bringen: Die Jagd nach einem Drogendealer verschlägt Kimble als Undercover-Agent in einen Kindergarten. Um dem Gangster das Handwerk zu legen, muss der hartgesottene Cop nun erstmals mit kleinen Monstern fertig werden, die ihm den Alltag zur Hölle machen…
Kritik
Mit Kindergarten Cop unternahm Arnold Schwarzenegger 1990 seinen zweiten Ausflug ins Komödienfach. Die Action-Ikone der 80er und frühen 90er Jahre wagte bereits zwei Jahre zuvor mit Twins – Zwillinge diesen mutigen Schritt, und das sogar äußerst erfolgreich. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hatte ihm wohl kaum jemand zugetraut, den Genrewechsel zu meistern. Twins wurde jedoch für Schwarzenegger der lukrativste Film seiner ganzen Karriere. Da sein großes komödiantisches Talent bis dahin unentdeckt blieb, war man bei der Produktion zunächst skeptisch. Schwarzenegger einigte sich deshalb gemeinsam mit Co-Star Danny DeVito (When in Rome) und Regisseur Ivan Reitman (Ghostbusters) darauf, auf eine klassische Gage zu verzichten und stattdessen am Erfolg des Films beteiligt zu werden. Eine Entscheidung, die sich auszahlen sollte, denn Twins spielte weltweit mehr als 200 Millionen Dollar ein und bescherte Schwarzenegger ein stattliches Sümmchen.
Mit seiner zweiten Komödie Kindergarten Cop gingen die Produzenten damit schon ein deutlich geringeres Risiko ein. Obwohl Schwarzenegger zunächst nicht die erste Wahl für diese Rolle war, erwies sich seine Besetzung letztendlich als Gold wert. Um an seinen früheren Erfolg mit Twins anknüpfen zu können, setzte Schwarzenegger auch durch, dass er erneut unter der Regie von Ivan Reitman agieren durfte. Kindergarten Cop avancierte zu einem großen Kinohit, der wahrscheinlich sogar noch mehr eingespielt hätte, wenn nicht ausgerechnet ein kleiner Junge in seinem Kampf gegen zwei tollpatschige Einbrecher in Kevin – Allein zu Haus zeitgleich die Kinosäle erobert hätte. Schwarzenegger etablierte sich dadurch auch im Komödienfach und bewies, dass seine Bandbreite an schauspielerischem Talent größer war als vermutet. Ein Konzept, dem später auch andere Actionstars mal mehr, mal weniger erfolgreich folgten, wie etwa Sylvester Stallone in Stop! Oder meine Mami schießt oder später Vin Diesel in Der Babynator.
Kindergarten Cop ist aber keineswegs eine klassische Komödie und das merkt man bereits zu Beginn des Films. Der Film startet als klassischer Action- bzw. Cop-Film im typischen 80er-Jahre-Stil. Schwarzenegger ist der knallharte Ermittler John Kimble, der sich auf der Jagd nach dem Drogendealer Cullen Crisp (Richard Tyson, Verrückt nach Mary) schon mal selbst über Recht und Gesetz hinwegsetzt und dafür nicht davor zurückschreckt, eine Zeugin an eine Leiche festzuketten. Dabei verkörpert er genau diesen Typus, den man von ihm als Actionstar kennt. Erst als ihn die Ermittlungen in den Kindergarten führen und er sich mit seiner neuen Partnerin Phoebe O’Hara (Pamela Reed, Lebenszeichen - Proof of Life) auf Undercover-Mission begibt, ändert sich der Grundton des Films. Die Dynamik der beiden erinnert an eine Buddy-Komödie und mit dem sich zum Running Gag entwickelnden großen Appetit seiner im Vergleich zu Kimble zierlichen Partnerin setzt der Film eine erste witzige Duftmarke.
Der Gegensatz wird allerdings noch größer, als John Kimble auf die Kindergartengruppe trifft. Genau dieser krasse Kontrast prägt den Humor des Films, weil es zu allerhand skurrilen Situationen kommt, mit denen der Muskelprotz augenscheinlich nicht klarkommt. Die Komik funktioniert gerade deshalb so gut, weil Schwarzenegger auch in diesen Situationen seine Ernsthaftigkeit beibehält und das Ganze nie ins Absurde oder Lächerliche abdriftet. Er meistert den Kampf mit seinem wahrscheinlich härtesten Gegner mit Bravour und formt aus dem wilden Haufen der Kindergartenkinder eine verschworene Truppe. Zugegebenermaßen wirken seine Methoden mittlerweile eher fragwürdig, aber dem Zeitgeist entsprechend passt auch der von Kimble gewählte militärische Drill in den Film. Schließlich ist es doch auch ein Ausdruck seiner Unbeholfenheit, die Kinder auf diesem Wege zu mehr Disziplin zu bringen.
Aus heutiger Sicht muss man sich aber eingestehen, dass der Film an dieser Stelle nicht so gut gealtert ist und dass genau diese Szenen nicht mehr durchgängig den komödiantischen Charme versprühen wie noch in den frühen 90er Jahren. Aufgrund der Ernsthaftigkeit seiner Figur wirkt Schwarzeneggers Rolle hier sogar manchmal wie eine kleine Parodie auf seine bisherigen Rollen, etwas, das er einige Jahre später mit Last Action Hero noch wesentlich deutlicher auf die Spitze treiben sollte. Obwohl sich die Szenerie grundlegend wandelt, entwickelt sich Kindergarten Cop keineswegs zu einer reinen Familienkomödie, denn der Film bewahrt auch weiterhin einen ernsthaften Ton. Es gibt Tote, Gewalt, Drogensucht und eine immer bedrohlicher werdende Situation. Diese Szenen stehen im deutlichen Kontrast zur harmlosen Kindergartenunterhaltung, aber gerade dieser Wechsel zwischen den unterschiedlichen Tonlagen macht den Film interessant. Immer dann, wenn Kindergarten Cop zu sehr in eine Richtung zu kippen droht, wandelt sich der Grundton von komödiantisch zu dramatisch und zurück. Gerade wenn man sich zu sehr an die komödiantische Seite des Films gewöhnt hat und er Gefahr läuft, ins Lächerliche abzudriften, holt Reitman den Zuschauer zurück auf den Boden der Tatsachen. Genau diese Mischung war Reitman bei der Umsetzung des Films auch wichtig. Während unter anderem auch Schwarzenegger darauf drängte, für den Film eine PG-Freigabe zu erhalten, bestand Reitman darauf, dass die Geschichte ihre ernsthaften und düsteren Momente brauche, um wirklich zu funktionieren.
Dieser Mix ist letztendlich die Stärke des Films, der durch die sich entwickelnde Romanze zwischen John Kimble und der Lehrerin Joyce (Penelope Ann Miller, Carlito's Way) zusätzlich romantische Elemente enthält. Der Film hat seine Feel-Good-Momente, aber, wie von Reitman beabsichtigt, auch seine düsteren Phasen, die die äußerst humorvollen Momente deutlich erden. Neben den Situationen im Kindergarten ist es vor allem die von Pamela Reed verkörperte Figur der Phoebe O’Hara, die für einige Lacher sorgt. Erwähnenswert ist insbesondere die Restaurantszene, in der sie sich durch die gesamte Speisekarte futtert. Auch wenn aus heutiger Sicht nicht mehr alles an diesem Film funktioniert, schwingt hier doch ein gewisser Nostalgiefaktor mit und einen erheblichen Unterhaltungswert kann man dem Film auch heute nicht absprechen.
Fazit
Actionstar und knallharter Cop trifft auf Kindergartengruppe. Mit "Kindergarten Cop" hat Schwarzenegger endgültig bewiesen, dass in ihm mehr steckt als nur der Muskelprotz mit Waffe. Er beweist erhebliches komödiantisches Talent und durch den Kontrast zur Gruppe der kleinen Kinder entsteht ein liebenswerter, humorvoller, aber auch ernsthafter, mit schwierigen Themen vollgepackter Film. "Kindergarten Cop" trifft zwar aus heutiger Sicht nicht mehr immer den richtigen Grundton und es sitzt nicht mehr jede Pointe, aber aufgrund seiner ungewöhnlichen Mischung aus Actionfilm, Komödie und Romanze ist es immer noch ein sehr unterhaltsamer Film.