Inhalt
Kritik
Mit "Kirschblüten und rote Bohnen" (jap. あん – An), läuft dieses Jahr bereits der zweite Film der japanischen Regisseurin Naomi Kawase in den deutschen Lichtspielhäusern. Mit dem sehr spirituell und philosophisch angehauchten ersten Beitrag dieses Jahres "Still The Water", begeisterte sie bereits im letzten Jahr das Publikum der Filmfestspiele in Cannes. "Kirschblüten und rote Bohnen", der ebenfalls bei den Filmfestspielen in der französischen Stadt gezeigt wurde, kann allerdings nicht an diesen Erfolg anknüpfen. Mit wunderschönen Bildern der (zumindest in Deutschland) titelgebenden Kirschblüten ist der Film zwar optisch ein Genuss, doch leider bleibt der Inhalt dafür oft auf der Strecke.
Sentaro (Masatoshi Nagase) ist ein Mann weniger Worte und führt ein sehr einfaches Leben. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit dem Verkauf von Doryaki-Pfannkuchen mit roter Bohnenpaste in seiner kleinen Imbissbude. Diese schmecken aber nicht halb so gut, wie sie schmecken könnten. Anstatt die Paste selbst herzustellen, kauft Sentaro sie beim Großhandel ein. Die bereits in die Jahre gekommene Tokue (Kirin Kiki) kann das nicht fassen, ist für sie das Herstellen der Paste doch eine fast schon heilige und existentiell wichtige Tradition. Nach langem hin und her probiert Sentaro endlich ihre Paste und stellt sie daraufhin kurzerhand ein. Zwischen ihr, Sentaro und der jungen Wakana (Kyara Uchida), die immer wieder im Laden aushilft, entsteht eine immer enger werdende Beziehung. Doch trägt die alte Dame ein Geheimnis mit sich herum, dessen Enthüllung nicht nur die Freundschaft sondern auch das Geschäft von Sentaro gefährden könnte.
"Kirschblüten und rote Bohnen" ist unheimlich toll gefilmt. In diesem Jahr haben wir die berühmten japanischen Kirschblüten noch in keinem Film schöner gesehen - wobei fairerweise gesagt werden muss, dass die Konkurrenz mit Koreedas "Unsere kleine Schwester" auch nicht sonderlich groß ist, denn dieser hat sich eher auf den Inhalt als auf die Optik verlassen. Kameramann Shigeki Akiyama leistet großartige Arbeit und lässt selbst den langwierigen Prozess des Herstellens von Bohnenpaste in nie dagewesenem Glanz erstrahlen. Leider ist die Kameraarbeit eines der wenigen Highlights des Films.
Inhaltlich tut sich nämlich nicht viel. Die Geschichte wirkt zwar auf den ersten Blick nicht uninteressant, zieht sich aber elendig lange hin. Das sorgt für einen anstrengenden Leerlauf, der den emotionalen Momenten ihre Stärke nimmt. Zwar räumt die Regisseurin Kawase damit den Darstellern genügend Screentime ein, filmt sie aber lieber bei der Herstellung und dem Verzehr von roter Bohnenpaste, als ihnen Raum und Zeilen zur Entwicklung zu geben. So bleiben die Charaktere den ganzen Film hindurch eindimensional und machen es dem Zuschauer schwer, einen Zugang zu ihnen zu finden.
Dem stehen aber drei großartige Darsteller entgegen, mit denen die Hauptrollen besetzt wurden. Allen voran die mittlerweile 72 jährige Kirin Kiki, die vor Allem durch ihre vielen Auftritte in Koreeda Filmen bekannt ist und zuletzt ab dem 17.12. in "Unsere kleine Schwester" in den deutschen Kinos vertreten war. Die Frau strahlt trotz ihres hohen Alters eine ungeheure Vitalität aus und weiß auch mit wenigen Zeilen, alleine durch Mimik und Gestik den Zuschauer zu berühren. Masatoshi Nagase, der den Imbissbudenbesitzer Sentaro spielt, bringt eine angenehme Ruhe in den Film . Auch die junge Kyara Uchida, die hier erst ihre zweite Filmrolle spielt, muss sich hinter den beiden gestandenen Darstellern nicht verstecken und weiß insbesondere gegen Ende mit einigen emotionalen Nuancen zu begeistern. Das alles genügt aber nicht, um den Film über den Durchschnitt zu erheben.
Fazit
Eine tolle Optik und motivierte Darsteller machen leider noch keinen guten Film. Das viel zu sentimentale Drehbuch vermag es kaum, dem Zuschauer irgendwelche Emotionen zu entlocken und verwehrt ihm mit eindimensionalen Charakteren zudem eine Identifikationsmöglichkeit.