Inhalt
Oliver Stone ist seit vielen Jahren höchst umstritten. Nicht nur in Hollywood, sondern auch unter seinen Fans und Cineasten. Seine Filme sind oft ein wenig übersteuert und dadurch ein wenig unfokussiert. Auch sein Einsatz von Gewalt wird immer wieder kontrovers diskutiert. Oliver Stone bringt gerne politischen Kommentar in seine Filme, der meistens links einzuordnen ist. In seinem Film „Salvador“ von 1986, der ihm zum Durchbruch verhalf, allerdings bis heute im Schatten von „Platoon“ steht und hier in Deutschland sich keiner großen Bekanntheit erfreut, benutzt er zum ersten Mal diesen sehr links orientierten politischen Kommentar, um Aufmerksamkeit zu erreichen. Dem Film hat das aber in der Tat nicht geschadet und herausgekommen ist ein spannender, zuweilen etwas schleppender, und auch sehr typisch überladener Kriegsfilm.
Kritik
Der Journalist Richard Boyle (James Woods) steht in den USA vor einem Scherbenhaufen, den er sein Leben schimpft. Dass seine Frau ihn verlässt, ist nur das Zünglein an der Waage und zusammen mit seinem Kumpel und ebenfalls Alt-Hippie Doctor Rock (James Belushi) macht er sich auf das Land gen El Salvador zu verlassen. Dort möchte er über die Militärdiktatur von 1980 berichten. Er wird von beiden Seiten, Guerilla auf der einen, amerikanische Rechte auf der anderen, für verschiedene Zwecke benutzt. In seiner Orientierungslosigkeit muss er zudem auch noch seine salvadorianische Freundin beschützen, die sich zu viele Feinde gemacht hat.
Der Film schildert die Ereignisse in Salvador in all seiner Brutalität und in seinem vollen Ausmaß, nichts anderes sind wir von Stone gewohnt. Man kann zumindest über das Ereignis an sich einiges lernen, sollte aber den mitschwingenden Kommentar des Regisseurs (wie immer) mit Vorsicht genießen. Dieser ist es leider auch, der den Film letztendlich schadet oder zumindest an einigen Stellen fragwürdig erscheinen lässt. Die Hauptfigur Richard Boyle spielt da eine große Rolle. Er vereint gleichzeitig den Alt-Hippie, den Revolutionär, den linken Anti-Politiker und noch einige mehr Rollen (der weiße Mann, der die schwarze Frau beschützt etc.) in sich. Das wirkt zuweilen sehr unausgegoren, sehr unentschlossen, genau wie die Situation des Protagonisten auch, der als Journalist nie so richtig in die Situation zu passen scheint in der er sich befindet.
Trotzdem ist es ein durchaus spannender Film, der verschiedene Aspekte dieser Phase in der salvadorianischen Geschichte beleuchtet. Auch hier zeigt sich, dass diese Beleuchtung von vielen Punkten durchaus ein zweischneidiges Schwert ist. Auf der einen Seite überladen und unentschlossen, auf der anderen vielfältig und interessant. Ganz wie in vielen anderen Filmen aus seinem Oeuvre sind auch hier die Charaktere stark überzeichnet. Die beiden Alt-Hippies Woods und Belushi sind alkohol-trinkende, sich durchs Leben vögelnde, Nichtsnutze, die am Ende irgendwie doch wieder alles auf die Reihe bekommen. Auch alle anderen Charaktere lassen sich so einstufen: Die rechtsorientierten Politiker der amerikanischen Botschaft sind sehr, fast schon zu sehr rechts, der Kriegsfotograf John Cassady (wunderbar gespielt von John Savage) opfert sich für seinen Job und stirbt somit als Märtyrer (Stone hat sehr oft solche religiösen Motive in seinen Filmen). Trotz seines durchaus vorhandenen Unterhaltungswert hat der Film dann doch Probleme zusammenzufinden. Die vielen kleinen Nebenhandlungen und die sehr überzeichneten Charaktere und Storyelemente zeichnen ein zu abstruses Bild, das für Stones Zwecke Sinn macht, nicht aber für eine konsistenten Film.