Béla Tarr, einer der prägendsten Regisseure des europäischen Autorenkinos, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Sein Tod wurde von der Familie bestätigt. Der ungarische Filmemacher soll bereits seit langem schwer krank gewesen sein.
Tarr entwickelte während seiner Karriere eine radikal reduzierte Filmsprache, die ihn international bekannt machte: lange, ruhige Einstellungen, Schwarzweißbilder, kaum Musik, dafür ein intensiver Blick auf Raum und menschliches Verhalten.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Tarr mit Satanstango (1994), einem mehr als siebenstündigen Film über den Zerfall einer Dorfgemeinschaft nach dem Ende des Sozialismus. Das Werk gilt bis heute als Meilenstein der Filmgeschichte. Es folgten Filme wie Die Werckmeisterschen Harmonien (2000) und Das Turiner Pferd (2011), die Tarrs Ruf als kompromisslosen Auteur festigten. Letzterer markierte zugleich seinen Abschied vom Spielfilm; danach arbeitete er vor allem als Lehrer und Mentor.
Tarrs Filme richten sich nicht an ein Massenpublikum. Sie verlangen Geduld, Aufmerksamkeit und Offenheit. Gerade dadurch haben sie Generationen von Filmschaffenden beeinflusst und Filmkritik wie Filmtheorie nachhaltig geprägt.
Mehr über Tarr erfahrt ihr bei der European Film Academy.
Ruhe in Frieden.