Bildnachweis: © Netflix | Motiv von "East of Eden"

Netflix wagt sich an einen Klassiker: Warum "East of Eden" viel mehr als ein neuer James-Dean-Film sein will

von Thomas Repenning

​Jenseits von Eden und James Dean – für viele Filmfans gehören diese beiden Namen untrennbar zusammen. Elia Kazans Verfilmung von 1955 machte Dean endgültig zur Ikone und gehört bis heute zu den bekanntesten Hollywood-Dramen ihrer Epoche. Mehr als 70 Jahre später nimmt sich Netflix John Steinbecks gewaltigen Roman erneut vor. Doch wer bei East of Eden lediglich eine modernisierte Version des Klassikers erwartet, dürfte überrascht werden. Die am 1. Oktober startende Miniserie mit Florence Pugh verfolgt einen deutlich anderen Ansatz.
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Denn so berühmt Kazans Film auch ist: Er erzählt nur einen Ausschnitt aus Steinbecks 1952 veröffentlichtem Roman. Netflix hat deshalb einen entscheidenden Vorteil. Sieben Episoden bieten wesentlich mehr Platz für die Familiengeschichte, ihre Figuren und einen Konflikt, der sich über mehrere Generationen erstreckt.
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James Dean war nur ein Teil dieser Geschichte

Im Zentrum von Elia Kazans Film stand Cal Trask. James Dean spielte den jungen Mann, der verzweifelt um die Anerkennung seines Vaters Adam kämpft und gleichzeitig mit seinem Bruder Aron konkurriert. Die Parallelen zur biblischen Geschichte von Kain und Abel sind kein Zufall. Steinbeck machte den ewigen Konflikt zwischen Gut und Böse, Schuld und freiem Willen zum Fundament seines Romans.

Der Film konzentrierte sich allerdings weitgehend auf den späteren Teil der Vorlage. Große Passagen des Romans und insbesondere die Vorgeschichte der Familie Trask blieben außen vor.

Genau hier setzt die Netflix-Adaption an. Statt erneut hauptsächlich Cals Geschichte zu erzählen, rückt die Serie Cathy Ames wesentlich stärker in den Mittelpunkt. Gespielt wird sie von Florence Pugh, die zugleich als Produzentin beteiligt ist.

Cathy gehört zu den faszinierendsten und zugleich dunkelsten Figuren des Romans. Ihre Geschichte beginnt lange bevor Cal und Aron zu den zentralen Figuren werden und führt schließlich zur Familie Trask. Für eine mehrstündige Serie steckt darin erheblich mehr Material als für einen zweistündigen Kinofilm.

Auch deshalb sollte man Netflix' East of Eden weniger als Remake des James-Dean-Films und vielmehr als neue Adaption von Steinbecks Roman verstehen.
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Ausgerechnet Elia Kazans Enkelin kehrt nach Eden zurück

Eine besonders interessante Verbindung zum Filmklassiker findet sich hinter der Kamera. Entwickelt wurde die Netflix-Serie von Zoe Kazan. Ihr Großvater Elia Kazan inszenierte 1955 die berühmte Verfilmung mit James Dean. Damit kehrt mehr als sieben Jahrzehnte später dieselbe Familie zu Steinbecks Geschichte zurück – allerdings unter völlig anderen Voraussetzungen.
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Neben Florence Pugh ist die Serie entsprechend prominent besetzt. Christopher Abbott spielt Adam Trask, während Mike Faist dessen Bruder Charles verkörpert. Tracy Letts übernimmt die Rolle von Cyrus Trask. Außerdem gehören unter anderem Ciarán Hinds, Joe Anders und Martha Plimpton zum Ensemble.
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Regie führten Garth Davis (Lion, Maria Magdalena) und Laure de Clermont-Tonnerre (The Mustang).
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Netflix setzt damit nicht auf eine schnelle Neuauflage eines bekannten Klassikers, sondern auf ein Prestigeprojekt mit entsprechendem Personal vor und hinter der Kamera.
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Kann eine Serie Steinbeck sogar gerechter werden?

Damit stellt sich eine ungewöhnliche Frage: Muss die neue Version überhaupt gegen den Klassiker von 1955 antreten?
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James Deans Darstellung des Cal lässt sich kaum von der Filmgeschichte trennen. Jenseits von Eden war der einzige seiner drei großen Kinofilme, dessen Premiere Dean noch selbst erlebte. Wenige Monate später starb der Schauspieler im Alter von nur 24 Jahren bei einem Autounfall.
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Diese historische Bedeutung kann und muss Netflix nicht reproduzieren. Die Serie besitzt dafür etwas, das Elia Kazan nicht hatte: Zeit.
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Steinbecks East of Eden ist eine ausufernde Familiengeschichte über Generationen hinweg. Die Trasks und Hamiltons, das Salinas Valley, Cathy Ames und die wiederkehrenden Variationen von Kain und Abel lassen sich in sieben Episoden zwangsläufig ausführlicher erzählen als in einem Kinofilm.
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Genau darin liegt die eigentliche Chance der Neuverfilmung. Netflix muss nicht den besseren Jenseits von Eden mit James Dean drehen. Die Serie kann stattdessen Teile einer berühmten Geschichte zeigen, die viele Zuschauer durch den Kinoklassiker überhaupt noch nicht kennen.
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Ob dieses ambitionierte Vorhaben gelingt, lässt sich ab dem 1. Oktober herausfinden. Dann startet East of Eden exklusiv bei Netflix.

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