Bildnachweis: © Warner | Szene aus "Der Herr der Ringe: Die Zwei Türme"

Nur Zufall? "Herr der Ringe"-Film von Trump-Kritiker liegt nach Warner-Übernahme auf Eis

von Sebastian Groß

Ein neuer Film aus Mittelerde könnte bereits vor seinem Dreh auf Eis liegen. The Lord of the Rings: Shadow of the Past sollte bislang eine ungewöhnliche Ergänzung zur bekannten Tolkien-Saga werden. Erst im weiteren Verlauf der Entwicklung wurde bekannt, dass ausgerechnet US-Talkshow-Moderator Stephen Colbert gemeinsam mit seinem Sohn und Der Herr der Ringe-Drehbuchautorin Philippa Boyens am Drehbuch arbeitet. Nun könnte das Projekt durch die Neuordnung bei Paramount und Warner Bros. ins Stocken geraten.



Ein Tolkien-Film mit politischem Beigeschmack​

Der mögliche Produktionsstopp ist deshalb besonders pikant, weil Colbert nicht nur als Komiker und Moderator bekannt ist, sondern auch als einer der prominentesten Kritiker Donald Trumps. In seiner langjährigen The Late Show machte er den US-Präsidenten und dessen Politik regelmäßig zum Ziel seiner Satire. Die Sendung wurde inzwischen eingestellt – eine Entscheidung, bei der David Ellison eine zentrale Rolle spielte.



Ellison steht nach der Fusion von Paramount und Warner Bros. nun an der Spitze des neu aufgestellten Medienkonzerns. Gleichzeitig wird sein familiäres Umfeld dem politischen Lager Trumps zugerechnet: Sein Vater Larry Ellison unterstützte Trumps Wiederwahl 2024 mit einer Millionenspende in Höhe von 45 Millionen Dollar. Daraus lässt sich nicht seriös ableiten, dass Shadow of the Past aus politischen Gründen gestoppt wurde. Angesichts der Vorgeschichte liegt eine solche Vermutung allerdings deutlich näher, als sie bei einem gewöhnlichen Studiowechsel wäre.


Was Colberts "Herr der Ringe" erzählen sollte

Unabhängig von den politischen Spekulationen wäre der Film eine besondere Rückkehr nach Mittelerde geworden. Die Geschichte sollte nicht nach Die Rückkehr des Königs spielen, sondern Material aus Die Gefährten aufgreifen, das in der ersten Kino-Trilogie keinen Platz fand. Damit wären unter anderem der Alte Wald, die Hügelgräberhöhen und Tom Bombadil erstmals in einer großen Realfilmproduktion zu sehen gewesen.



Ob aus dem Vorhaben noch etwas wird, hängt offenbar auch vom Erfolg des nächsten großen Tolkien-Projekts ab. Der Herr der Ringe: The Hunt for Gollum mit Andy Serkis befindet sich bereits in Produktion und soll im Dezember 2027 erscheinen. Nach dem enttäuschenden Abschneiden von Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim will das neue Studio laut der aktuellen Meldung offenbar zunächst abwarten, ob das Interesse an Mittelerde im Kino tatsächlich noch groß genug ist. Für Shadow of the Past bedeutet das: Der Film ist offenbar nicht endgültig gestrichen, seine Zukunft ist aber deutlich unsicherer geworden.