Tom Cruise gilt als einer der verlässlichsten Kinostars Hollywoods. Doch auch sein Name ist keine Garantie für volle Säle: Digger ist in den USA deutlich schwächer gestartet als erwartet. Für Warner könnte das Drama einen Verlust von bis zu 150 Millionen US-Dollar bedeuten. Für Cruise ist es zudem der schwächste US-Kinostart seit 19 Jahren.
Bis zu 150 Millionen US-Dollar Verlust
Digger spielte am ersten Wochenende in Nordamerika gerade einmal rund 8 Millionen US-Dollar ein. Weltweit kamen etwa 20 Millionen US-Dollar zusammen. In Deutschland schaffte es der Neustart nicht einmal in die Top 5 der Kinocharts. Auch beim Publikum kam der Film nicht besonders gut an und erhielt lediglich ein C+ beim CinemaScore. Branchenexperten rechnen deshalb damit, dass weltweit nicht einmal 50 Millionen US-Dollar zusammenkommen könnten.
Besonders problematisch sind die hohen Kosten. Das ursprünglich deutlich kleiner geplante Projekt soll sich auf rund 160 Millionen US-Dollar Produktionskosten verteuert haben. Hinzu kommen Marketingausgaben von fast 100 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich könnte Warner laut Brancheninsidern somit auf einem Verlust von ungefähr 150 Millionen US-Dollar sitzen bleiben.
Für Cruise ist das ein ungewohntes Ergebnis. Während seine jüngeren Filme wie Top Gun: Maverick und Mission: Impossible vor allem mit großen Schauwerten und hohen Einnahmen verbunden waren, fällt Digger komplett aus diesem Muster. Sein schwächster US-Start seit 19 Jahren macht den Absturz entsprechend auffällig.
Vom kleineren Projekt zum 160-Millionen-Film
Dabei war Digger ursprünglich gar nicht als derart großes Projekt gedacht. Alejandro G. Iñárritu entwickelte den Film zunächst bei Netflix, später landete er bei Legendary. Mit Cruise als Hauptdarsteller wuchs das Vorhaben schließlich weiter. Warner stieg ein und gab zunächst ein Budget von 125 Millionen US-Dollar frei. Ein verlängerter Dreh ließ die Kosten anschließend weiter steigen.
Das Ergebnis ist trotzdem kein typischer Cruise-Film. Statt eines unbesiegbaren Actionhelden spielt der Star einen älteren, heruntergekommenen Texaner. Iñárritu erzählt eine dialoglastige Satire über die MAGA-Ära und verbindet sie mit einer Umweltkatastrophe. Für ein Massenpublikum ist das deutlich sperriger als ein weiterer Mission: Impossible-Einsatz.
Schon vor dem Kinostart gab es deshalb erste Warnzeichen. Das Tracking sah zunächst noch 17 bis 23 Millionen US-Dollar für das US-Eröffnungswochenende voraus. Am Ende wurde selbst die untere Grenze klar verfehlt. Auch die Kritiken fielen gemischt aus: Zum Kinostart lag Digger bei Rotten Tomatoes lediglich bei rund 51 Prozent positiven Bewertungen.
Ein Flop zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt
Für Warner kommt der Misserfolg zudem zu einem heiklen Zeitpunkt. Das Studio steht wegen der Fusion mit Paramount ohnehin vor einer umfassenden Neuordnung. Ein teurer Prestige-Film, der weit hinter den Erwartungen zurückbleibt, dürfte die Diskussion darüber, welche Produktionen künftig noch dreistellige Millionenbudgets bekommen, eher anheizen als beruhigen. Eine erste Resonanz gab es schon: Zwei etablierte Filmchefs haben bei Warner ihre Posten verloren.
Ganz abgeschrieben ist Digger allerdings noch nicht. Premium-VOD, Streaming und spätere TV-Auswertungen können einen Teil des Schadens auffangen. Trotzdem bleibt der Kinostart ernüchternd: Wenn ein Film mit Tom Cruise weltweit gerade einmal rund 20 Millionen US-Dollar einspielt, zeigt das ziemlich deutlich, dass selbst zwei große Namen kein Garant dafür sind, dass ein 160-Millionen-Projekt an der Kinokasse funktioniert. Da wundert es nicht, dass Cruise aktuell an einem weiteren Sequel eines seiner bekanntesten Filme aus den 1980er arbeitet: Tage des Donners. Auch an einem Top Gun 3 wird fleißig entwickelt.