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CatBitesYou

Kritik von CatBitesYou

Gesehen: Dezember, 2020

"Goodness is only some kind of reflection upon evil. That's all it is."

Auch die Zweitsichtigung dieses Ausnahmewerkes hat mich immer noch sprachlos zurückgelassen und wo jetzt einen größeren Kommentar verdient, auch wenn es schwer ist so spoilerfrei wie möglich zu bleiben.

Regisseur Andrzej Zulawski hat hier was erschaffen, was weder wirklich in Worte zu fassen noch fest in einem Genre festzuordnen ist. Horror? mh ja, aber nicht das was man erwarten würde. Kunst? - Kann man so sagen. Drama? - Aber sowas von. Und noch ein paar Subgenres, die ich aber wegen Spoilergefahr nicht nennen möchte. Auch herrscht über den ganzen Film durchweg etwas surreales, was schwer zu Greifen ist. Auch ein bärenstarker Verdiest von Kameramann Bruno Nuytten, der nicht nur ein dermaßen verlassenes Berlin in kühlen trostlosen Bildern zeigt, dass neben den realen Aufnahmen der Mauer (und deren Grenzposten) eine extreme Unbehaglichkeit ausstrahlt, sondern auch mit seinen dynamischen und unruhigen Aufnahmen oft sehr nah an den Figuren dran ist, was zusätzlich für spürbare Beklemmung sorgt.

Über die Story selber soll am besten größtenteils Stillschweigen vereinbart werden, aber auch so ist man kaum darauf vorbereitet, was Zulawski hier auf den Zuschauer loslässt. Schon zu Beginn an lässt "Possession" kaum erholsame Pausen zu. Hier wird auf sehr extreme sowie schmerzhafte Weise der Zerfall einer Beziehung gezeigt. Das geteilte Berlin spiegelt hier genauso das sterbende Liebesverhältnis: Angst und Unsicherheit bestimmen das Szenario. Trotz Bemühens und der innere Kampf der beiden Figuren ist schnell sichtlich dass es da nichts mehr zu retten gibt. Der letzte Funken Hoffnung erlischt in lautstarken Vorwürfen und Hass. Die Selbstzerfleischung hat im geqüalten Bewusstsein längst begonnen. Schmerz und Fragen nach dem Warum machen sich breit und der Abgrund wird immer größer. Zu der Zeit ist nichtmal die Hälfte von "Possession" vorbei und das ganze Ausmaß noch lange nicht ersichtlich.

Auffällig vor allem ist das extreme Overacting der beiden Darsteller. Der ein oder andere wird dabei früh die weiße Flagge setzen, weil es vergeht fast keine Konversation zwischen Mark und Anna die ruhig oder bedächtigt verläuft. Eher Hemmungslos und übersteigert bis zum Exzess, aber tatsächlich passt es zum eh schon sehr sonderbaren Film, denn es sorgt für eine Intensität des blanken Wahnsinns, die schwer zu toppen ist. Das liegt auch an den großartigen schauspielerischen Leistungen: Sam Neill war selten besser und Isabelle Adjanis außergewöhnliche und unglaublich beängstigende Performance geht über das Schauspiel hinaus! Allein diese Szenen sorgen schon für ein Schwindelgefühl, dies wird mit dem unberechenbaren, symbolisch verstärkten Handlungsverlauf unaufhaltsam gesteigert. Speziell die fassungslose U-Bahn Tunnelsequenz ist erinnerungswürdig! Die Konflikte (und Seelenzustände der Figuren) eskalieren zunehmend und schonungslos bis zu einem wahrlich erbarmungslosen und entfesselten Finale inklusive eines denkwürdigen Schlussbildes, in der sich die alles umschliegende Düsternis vollends breitmacht.

Gibt es überhaupt was zu bemängeln? - Eigentlich nicht, einzig die letzten 10-15 Minuten wirken etwas überhastet/unkoordiniert und was die Sache mit den explodierenden Autos soll, wird Zulawski wohl nur selber wissen. Aber das ist lediglich Meckern auf hohen Niveau.

Natürlich ist es immer Ansichtssache, aber meiner Meinung nach ist "Possession" der vielleicht beste Horrorfilm aller Zeiten! Einfach deshalb, weil der Horror hier vom Menschen ausgeht und nach wie vor ist der größte Feind des Menschen der Mensch selber. Zudem gibt es kaum was schlimmeres als eine Beziehung, die schmerzhaft in die Brüche geht und lange einen begleiten wird. DAS ist Horror! Auch der (enorm spaltende) Film frisst sich in den Kopf gnadenlos fest, was auch auf die wenigen, aber bemerkenswerten Creature-Effekte zutrifft. Zulawskis "Possession" ist ein rasender und zutiefst abstoßender Albtraum in Perfektion. Vor allem aber eine einmalige Filmperle!

Die 10 Punkte Marke kommt dann eventuell bei der dritten Sichtigung....

"When I was a boy my dog crawled out onto the porch to die. Before the end it yelped, as if it had seen something real. "

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