Eine bedrückende Universalität trägt Judith Godrèches bedrückend zeitloses Zweitwerk als Regisseurin bereits im Titel, übernommen von Annie Ernaux‘ autobiographischen Romans „Mémoire de fille“. Die 2016 veröffentlichten Erinnerungen der prägenden Autorin an ihre Zeit als damals 17-jährige Betreuerin in einem Kinderkurheim im Sommer 1958 sind die Geschichte eines Mädchens und eine Mädchen-Geschichte im Sinn einer grundlegenden gender-eigenen Erfahrung. Ein Jahr nach der Publikation zementierte deren alarmierende Allgemeingültigkeit 2017 die #MeToo Bewegung, für die Godrèche in Frankreich zu einer essenziellen Symbolfigur wurde.