Bildnachweis: © Berlinale 2018

Moviebreak auf der Berlinale 2018

von Thomas Repenning
Den Besitzer des Cafés in einem traditionellen Viertel von Seoul wird man nicht zu Gesicht bekommen. Man erfährt jedoch, dass er gerne klassische Musik hört. Zu Franz Schubert, Richard Wagner, Jacques Offenbach variiert Hong Sangsoo das wiederkehrende Motiv all seiner Filme, die Begegnung von Frau und Mann. Ein junges Mädchen wirft einem jungen Mann den Suizid seiner Freundin vor. Wenig später macht sie ihm ein Kompliment. Verlegen schaut er nach unten. Mitten im Gespräch nimmt uns ein Reißschwenk mit an den nächsten Tisch. Hier sitzt eine Frau am Computer, sie greift die Fäden der Dialoge auf und spinnt sie weiter. Ist sie die Autorin der folgenden Beziehungsminaturen, deren Geschichten und Themen sich spiegeln? Manchmal greift die Schreiberin aktiv ins Geschehen ein. Manchmal suchen die Figuren ihren Rat. Auch in diesem Hong-Sangsoo-Film wird Soju, der koreanische Schnaps, auf den Tisch gestellt. In diesem Moment zieht sich die Kamera zurück, fängt ein junges Paar ein, das sich in traditionellen Kostümen mit Handys fotografiert. Resignation oder Neuanfang? Vielleicht muss man im Geschlechterspiel gelegentlich zurückblicken, um voranzukommen.
Thomas Repenning

Chefredakteur

Filme, unendliche Weiten ... dies sind die Abenteuer von Oneal, der sich vorgenommen hat, so viele Filme in seinem Leben zu schauen wie es irgendwie geht. Die Expertise liegt irgendwo zwischen Asia-Kino, Sci-Fi und Action. Doch auch schwere Kost und gerne philosophisch darf es sein. Zudem Chef von Moviebreak.

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