Von den prinzessinnenhaften Pastelltönen, die ein bizarres Verbrechen zuckersüß färben, über den romantischen Soundtrack für eine Geschichte von Zwang und Pflichterfüllung bis zu dem zärtlichen Blick auf eine Frau, die von der Klatschpresse als eiskalte Psychopathin dargestellt wurde, ist Maite Alberdis (An ihrer Stelle) ausgefeiltes Doku-Drama definiert von scheinbar unvereinbaren Gegensätzen. So scheint es nur konsequent, dass die chilenische Regisseurin in ihrer faszinierenden Fallstudie weniger an einer objektiven Wahrheit interessiert ist als an soziologischer Subjektivität. Ein raffiniertes Geflecht aus Reportage, Psychodrama und Telenovela demaskiert die sozialstrukturelle Komplizenschaft einer wahren Geschichte gleich einer sensationalistischen Soap Opera.