Inhalt
Nach ihrem Psychologiestudium in Valparaíso kehrt Sofía nach Valdivia zurück. Dort wird die Leiche eines Mädchens gefunden, was Erinnerungen an den sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit in ihr weckt. Sie muss sich entscheiden, ob sie diese Erinnerungen verdrängt oder sich ihren tiefsitzenden Ängsten stellt.
Kritik
Unbeständige und unterdrückte Erinnerung ist ein konstantes Thema Valeria Sarmientos (Secretos) filmischen Schaffens. Eines, das die Beschreibungen und Berichte ihres auf mehreren Ebenen undurchsichtigen Beitrags zu Karlovy Varys Crystal Globe Competition nicht müde werden in ihren vergangenen Werken hervorzuheben. Womöglich ist auch diese Emphase selbst eine der schemenhaften Visionen einer mysteriösen Vergangenheit im Zentrum der unentschlossenen Story. Diese liegt optisch und narrativ fest im Griff eines Gesterns, das die Gegenwart vollends zu verschlingen droht; genau wie die neurotische Protagonistin.
Deren innere Belastung durch schmerzliche Kindheitserlebnisse spiegelt sich in einer Außenwelt, deren durch grobkörnige Schwarz-Weiß-Aufnahmen künstlich gealterte Szenerie zugleich psychologisierte Perspektive und kunsthandwerkliche Stilisierung ist. Regentropfen und Schlieren auf der Linse illustrieren das titelgebende Naturmotiv und betonen zugleich den traumatischen Kontext der Kindheitsszenen, zu denen sich Sofia Belmar (Paula Parado) beständig zurückversetzt fühlt. Kein Wunder in einem Umfeld voll potenzieller Trigger. Ein Unfall ihrer Großmutter bringt die junge Frau nach Abschluss ihres Psychologie-Studiums zurück in ihre Herkunftsstadt Valdivia.
Dort hört sie in den Nachrichten vom Mord und sexuellen Missbrauch eines kleinen Mädchens, dessen Profil auffällig einer Jahre zurückliegenden ungeklärten Mordreihe ähnelt. Ein geistig verwirrter Obdachloser wurde von der Polizei zu einem Geständnis genötigt, doch sein engagierter Rechtsanwalt Julio (Cristián Arriagada) stellt überzeugt von seiner Unschuld eigene Ermittlungen an. Ein akademischer Artikel Sofias bringt die beiden zueinander, während die Indizien immer mysteriösere Züge annehmen. Der wirre Abfall in psychoanalytischen Symbolismus lässt auch den Handlungsfaden in surreale Andeutungen zerfasern.
Fazit
Acácio de Almeidas stilisierte Schwarz-Weiß-Bilder und Jorge Arriagada und Nicolás Ahumadas melodramatisches Score verstärken den prätentiösen Symbolismus Valeria Sarmientos verstiegenen Charakterdramas. Dessen diffizile Kernthemen verdrängter Traumata, Missbrauchs in der Kindheit und der perversen Abgründe einer trügerisch einträchtigen Gemeinschaft überlasten das brüchige Handlungsgerüst. Trotz patenter Darstellungen bleiben die Figuren bleiben hohle Konturen oder psychopathologische Projektionen. Stereotype aus Romanze und Genre-Kino ziehen sich durch den unterentwickelten Plot, der seine Logiklücken und dramaturgischen Leerstellen mit prätentiöser Ästhetik zu verschleiern versucht.
Autor: Lida Bach