Inhalt
Kritik
Ein halbes Dutzend Erzählungen, einige davon angelehnt an Erzählungen des israelischen Autors Eshkol Nevo, das Dreifache an Charakteren und eine Handvoll verschiedener Genres können Nanni Morettis (Das Beste liegt noch vor uns) konservative Klamotte nicht in Schwung bringen. Da kann der italienische Regisseur, der das Drehbuch mit Federica Pontremoli und Valia Santella verfasst, noch so oft mitreißende Songs auflegen. Der Dramaturgie fehlt jeder Sinn für Rhythmus und Tonalität, und am ganz besonders für Humor. Fehlgeschlagene Witze werden zum unfreiwilligen Running Gag der seichten Schnulze.
Die springt ziellos zwischen mehreren Zeitebenen und Handlungsfäden, als suche der Regisseur so vergebens wie das Kinopublikum nach narrativem Material und halbwegs interessanten Figuren. Letzte finden sich in dem Arsenal sexistischer Stereotypen nicht, daher müssen Matteo (Louis Garrel, L'innocent) und Greta (Jasmine Trinca, L'estranea). Die Personifikationen privilegierter weißer Bildungsbürgerlichkeit stecken zu Beginn in romantischen Pseudo-Krisen, die in ein gemeinsames Dilemma münden. Beide drücken sich über ein Jahrzehnt vor einer romantischen Liaison, die Moretti als schicksalhafte Notwendigkeit darstellt.
Gretas Versuche, sich aus Vernunft und Verpflichtung zu trennen, sind zum Scheitern bestimmt. Der patriarchalische Plot sieht Frauen als psychologisch und biologisch prädestiniert zum Dasein als Hausfrau, Gattin und Mutter. Dass Greta ihre Schauspiel-Karriere verfolgt, obwohl sie eine Tochter hat, definiert ein melodramatisches Intermezzo als egoistische Bedrohung des Kindeswohls mit dauerhaften Konsequenzen. Dagegen wird Matteo dafür idealisiert, dass er Sohn und Gattin sitzen lässt, um seiner Libido zu folgen. Süßlicher Soundtrack und krampfige Kamera machen das tumbe Trivial-Kino noch unerträglicher.
Fazit
Auf der Biennale hat Nanni Moretti offenbar einen festen Platz, egal wie schlecht die Qualität seines filmischen Beitrags. Jener markiert in einem schwachen Wettbewerb einen weiteren Tiefpunkt mit seiner Garde unterentwickelter Reißbrett-Figuren, reaktionärer Dogmen und misogyner Klischees. Die amouröse Unentschlossenheit der Protagonisten spiegelt die narrative Ziellosigkeit der zerfaserten Story voll schauspielerischen Chargieren und abgerissener Handlungsfäden. Relevante Konflikte existieren in dem begüterten Mittelstands-Milieu so wenig wie psychologische Entwicklungen. Das Soap Szenario ist so austauschbar wie die triviale TV-Ästhetik.