7.0

MB-Kritik

Don't Look Back in Anger 2026

Music, Documentary

7.0

Liam Gallagher
Noel Gallagher
Paul Arthurs
Gem Archer
Andy Bell
Joey Waronker
Christian Madden
Anaïs Gallagher
Molly Elson

Inhalt

Erleben Sie den kometenhaften Aufstieg von Oasis anhand von seltenem Filmmaterial und unerzählten Geschichten, während sich die Band zu Oasis Live '25 wiedertrifft und ihre Reise von den Straßen Manchesters zum globalen Rockstar aufzeichnet.

Kritik

Von der ersten Szene an definiert sich  (Shut Up and Play the Hits) und Will Lovelaces monumentale Musik-Doku als Superlativ jener konzeptionellen Konventionen, denen sie die titelgebende Band angeblich stets widersetzte. Oasis: Don’t Look Back in Anger rekapituliert den kometenhaften Aufstieg der Band und ihrer gleichermaßen streitbaren und streitsüchtigen Lead-Artists Noel und Liam Gallagher. Am Zenit des Alternative-Himmels, oder besser: der Charts, angekommen, geriet das Duo aus Manchester regelmäßig in die Schlagzeilen mit heftigen, teils physischen Auseinandersetzungen. Vor Haris Zambarloukos‚ Kamera bleiben die Brit-Pop-Brüder allerdings „businesslike“.

So nennt es Band-Kollege in einer bezeichnenden Szene, die den klar kommerziellen Zweck des Projekts unbeabsichtigt unterstreicht. Es fliegen weder Fäuste noch Funken der Inspiration zwischen Noel und Liam. Erster verließ 2009 während der Europa-Tour unmittelbar dem Pariser Konzert die Band, weil er laut seines knappen Statements nicht mehr mit Liam zusammenarbeiten Oder auch nur reden konnte. Ein Kapitel moderner Musikgeschichte wurde abrupt geschlossen. Warum die Band es ausgerechnet jetzt wieder aufschlägt, wird bleibt eine zahlloser offener Fragen. Backstage-Bilder und Proben-Szenen wirken wie einstudierte Musik-Video-Ausschnitte.

Der Titel Southerns und Lovelaces Konzert-Chronik der von den Fans lange erwarteten Reunion-Tour paraphrasiert zahlreiche News-Headlines, die damals teils spöttisch über das Band-Aus berichteten. Selbstironie und Witz sind der harmoniebedürftigen Hommage indes so fern wie zeitgeschichtliche Reflexion: Don‘t Look Back. Ob eine so eng mit dem Zeitgeist einer Ära verbundene Band heute überhaupt noch etwas zu sagen oder singen hat, wird nie hinterfragt. We und warum Oasis symptomatisch für ihre Epoche wurden, wird, die mediale Konstruktion kultureller Ikonographie, Retro-Revivals als neo-konservative Nostalgien … nichts davon wird thematisiert. 

Fazit

Glattpolierte Konzert-Aufnahmen, im Vergleich zum Altwerk mittelmäßige Song-Splitter und Lobeshymnen treuer Fans: Von der schwelenden Aggression und arroganten Aura Liam und Noel Gallaghers bleiben in Dylan Southern und Will Lovelaces didaktischer Doku nur archivarische Spuren. Die zur Band-Auflösung führenden Konflikte, das 16 Jahre währende Schweigen und die Versöhnung werden nie transparent. Band-Kollegen sind unterrepräsentiert, die Fans überrepräsentiert, Produktion und Promotion, die augenscheinlich das Filmprojekt ankurbelte, unsichtbar. Sound und Style der 90er werden zu kommerziellen Oberfläche einer zwischen Romantik und Revisionismus changierenden Idolatrie, ohne Chaos und Charisma. 

Autor: Lida Bach
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.