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MB-Kritik

Glaxo 2026

Drama, Crime, Thriller – Argentina, Brazil

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Lali Espósito
Marcelo Subiotto
Esteban Lamothe
Joaquín Bonadeo
Manu Fanego
Alan Sabbagh
Esteban Bigliardi
Josela Barbeito
Martín Armendáriz
Franco Repetti

Inhalt

In einer Provinzstadt, in der sich ein Glaxo-Werk befindet, gerät das Leben von vier Freunden aus den Fugen, nachdem ein Polizist im Ruhestand und seine verführerische Ehefrau dorthin ziehen. Ihre Ankunft löst Leidenschaft und Rachegelüste aus – vor dem Hintergrund der Jahrzehnte des Wandels in Argentinien, von den 1950er bis zu den 1980er Jahren.

Kritik

Der eskalierende Neo-Faschismus der Gegenwart lässt Benjamín Naishtats (Puan) hohle Gesten ideologiekritischer Idiomatik noch fadenscheiniger wirken als die schmierige Stilisierung revisionistischer Requisiten. Als solche sind sie in der von einer schematischen Rahmenhandlung eingefassten Coming-of-Age-Story ein omnipräsenter Marker einer fiktionalisierten Vergangenheit, deren kapitalistische Zwänge und klassistische Hierarchien lediglich als kunsthandwerklicher Kontrastpunkt von Macho-Mythen und revisionistischer Romantik. Beider patriarchalische Projektion ist Lali Espósitos (Sky Rojo) La Negra Miranda, die einzige relevante Frauenfigur in einer altbackenen Altherren-Phantasie von Männerfreundschaft und materialistischen Machtspielchen. 


Beide dienen als dramaturgische Gegenpole des schablonenhaften Szenarios, angelegt im provinziellen Chivilcoy von 1957. Im Haupt-Handlungsjahr, an das sich Miguelito Barrios (ausdruckslos: Joaquín Bonadeo) Jahrzehnte später erinnert, ist der Protagonist ein Teenager und bester Freund der gleichaltrigen Flaco (Esteban BigliardiLucio (Esteban Lamothe, Envious) und Bicho Souza (Alan Sabbagh). Das ändert der einflussreiche Großunternehmer Ramón Folcada (Marcelo Subiotto, Eternauta), der wesentlich ältere Ehemann der als verführerische Femme fatale objektifizierten Miranda. Ihre sexuelle Frustration betäubt ihr Gatte mit kostspieligen Geschenken. 


Deren sexistische Symbolwirkung ist ebenso plump und abstoßend wie die sexistische Doppelmoral der protzigen Inszenierung. Miguelito soll Folcada ein für Miranda gekauftes Wildpferd zureiten, verfällt jedoch vorhersehbar ihrer im Ort bereits berüchtigten Begierde. Niemand würde ihm glauben, bemerkt Miranda zu Beginn ihrer Affäre und betont mit der koketten Drohung deren missbräuchlichen Charakter. Regisseur und Co-Drehbuchautor Naishtat bagatellisiert das zum aufregenden Initiation. Ähnlich heruntergespielt werden die wirtschaftlichen Repressalien der lokalen Gemeinde, deren Mitglieder die finanzielle Stabilität eines Glaxo-Jobs als ultimatives Ziel betrachten. 


Fazit

Sympathie für Argentiniens Arbeiterklasse ist in Benjamín Naishtats schematischem Historientheater manipulatives Momentum des derivativen Plots. Der scheint geradewegs der Ära entnommen, in der spielt, so übervoll ist die dröge Handlung mit reaktionären Klischees und chauvinistischer Wehmut. Statt der Vertreter einer korrupten Elite, deren politische Einflussnahme ihren strukturellen Status stärkt, gilt die einzige Angehörige der Unterschicht als Verantwortliche des allegorischen Niedergangs kollektiver Ideale. Politisches Namedropping und prätentiöse Rhetorik kaschieren kaum die regressive Ideologie hinter der inszenatorischen Fassade toxischen Nostalgie und glattgebügelten Postkarten-Ästhetik. 

Autor: Lida Bach