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MB-Kritik

The Burning Giants 2026

Drama – France, Netherlands, Singapore, Thailand

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Awat Ratanapintha
Pakapol Srirongmuang
Waywiree Ittianunkul
Tanatwut Rodpai

Inhalt

Erzählt wird die Geschichte eines Umwelt- und Indigenenrechtsaktivisten aus der Volksgruppe der Karen, der getötet wird, nachdem er gegen die gewaltsame Vertreibung seines Dorfes aus einem geschützten Waldgebiet protestiert hat.

Kritik

Nebel und Rauch vermischen sich Phuttiphong Aroonphengs mystischer Parabel zu gespenstischem Zwielicht, in dem Menschen und Monster nur die äußere Gestalt unterscheidet. Und bald auch diese nicht mehr. Gut und Böse, Invasion und Infektion, Beute und Bestie sind die motivischen Gegenpole der filmischen Fabel, deren dichte Atmosphäre das Publikum in ihren Bann zieht, selbst wenn die eigentliche Handlung darin verschwimmt. Die Zerstörung des biologischen Lebensraums verformt mit der Existenz der Menschen der westthailändischen Bergregion auch deren Physis.


Jene körperliche Wandlung wiederum scheint zugleich Ausdruck erstickter Wut und letztes Aufbäumen einer uralten Kultur im Angesicht systematischer Auslöschung. Jene schleicht sich unsichtbar in die Gemeinde der indigenen Karen in Form eines rätselhaften Virus. Dieser Wiedergänger der Covid-19 Pandemie hinterlässt auf der Haut erkrankter Einheimischer Brandwunden ähnelnde Male. Es ist, als würden sich die Brandrodungen, mit denen die Menschen gewaltsam aus ihrer Heimat verdrängt werden, auf ihrer Haut einfressen. Forstbeamte zwingen die Bevölkerung aus mit Waffengewalt aus ihren Häusern. 


Alles geschieht unter dem Vorwand der öffentlichen Sicherheit und Eindämmung der Pandemie, deren Instrumentalisierung wohl nie zuvor mit solcher Klarheit dargestellt wurde. Das Vertiefen gesellschaftlichen Gefälles zu unüberwindbaren Gräben sowie die Verdrängung derer, die ohnehin marginalisiert sind, bereiten den Boden für Landraub durch internationale Konzerne. Deren Bosse bereichern sich in Einvernehmen mit einer repressiven Regierung, deren wuchernde Korruption giftiger Rauch symbolisiert. Verkauf und Zerstörung des Lands erscheinen als kapitalistische Krankheit mit verheerenderen Auswirkungen als jedes biologische Leiden. 


Inmitten dieses halb archaischen, halb apokalyptischen Szenarios, das Emo Weemhoffs Kamera in die fiebrigen Visionen einer symbolistischen Sage taucht, wird der junge Yak (Awat Ratanapintha, Doi Boy) der S’gaw („Weiße Karen“, deren Farbattribut die traditionellen Gewänder liefern) von der Polizei festgesetzt. Den idealistischen Polizisten Lak (Pakapol Srirongmuang) bringt Yaks Bewachen in einen Gewissenskonflikt, den die Zeugnisse der systemischen Gewalt um ihn herum vertiefen. Zugleich glaubt die ihrer Herkunft entfremdete Aeva (Waywiree Ittianunkul) in dem Gefangenen ihren verschwundenen Gatten zu erkennen. 

Fazit

Staatliche Legitimation enthüllt Phuttiphong Aroonphengs cineastische Chimäre aus Mythos, Machtkritik und Märchen als Vorstufe der Normalisierung von Entrechtung und Eliminierung derer, die ihre kulturelle Identität nicht schon selbst aufgegeben oder verloren haben. Doch eine Wiedervereinigung, auf ethnischer und emotionaler bleibt eine unerfüllte  Sehnsucht in einer phantasmagorischen Topographie, die das Niemandsland zwischen Parabel und grausamer Realität markiert. Ein Kulturkreis scheint in der immersiven Saga nichtig gegenüber institutionellen Interessen, deren von kolonialistisches Konzept von Gemeinwohl die prototypischen Charaktere nicht einschließt. 

Autor: Lida Bach