Erfolg ist der beste Stinkefinger: Sam Raimis Send Help entwickelt sich zum unerwarteten Box-Office-Signal – und hält Sony Pictures dabei schmerzhaft den Spiegel vor. Während das Studio zuletzt eine Serie kommerzieller Enttäuschungen verkraften musste, feiert ein Film Erfolg, den man selbst ziehen ließ.
Ein Erfolg, der Sony weh tut
Sony steckt seit Monaten in einer schwierigen Phase. Titel wie Ich weiß was du letzten Sommer getan hast, Anaconda oder A Big Bold Beautiful Journey blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Selbst 28 Years Later konnte die Hoffnung nicht erfüllen, als dringend benötigter Befreiungsschlag zu funktionieren. Parallel dazu sorgte die Entscheidung, KPop Demon Hunters direkt an Netflix zu verkaufen, für weiteres Kopfschütteln in der Branche.
Vor diesem Hintergrund wirkt der Triumph von Send Help besonders bitter. Der Thriller von Raimi war ursprünglich bei Sony angesiedelt, doch nach internen Überlegungen zu einer Streaming-Veröffentlichung zog der Regisseur die Reißleine. Raimi machte früh klar, dass er den Film konsequent für das Kino konzipiert habe und eine reine Streaming-Auswertung für ihn nicht infrage komme.
Stattdessen wechselte Send Help zu 20th Century Studios, heute Teil des Disney-Konzerns. Dort erhielt das Projekt grünes Licht für einen klassischen Kinostart. Mit einem Budget von rund 35 bis 40 Millionen US-Dollar spielte der Film allein am Startwochenende etwa 20 Millionen Dollar in den USA ein, toppte die Charts und wurde zudem positiv aufgenommen.
Aktuell steht der Film global bei rund 37 Millionen US-Dollar. Wegen der Marketingskosten braucht Send Help ein Einspielergebnis von rund 70 Millionen US-Dollar um Gewinn zu machen. Das dürfte machbar sein und selbst wenn nicht, dürfte der Titel bei der späteren Streaming-Auswertung durchaus für neue Kunden sorgen. Von daher lässt sich hier schon von einem Erfolg sprechen.
Das Kino schlägt den Algorithmus
Der Fall reiht sich in eine wachsende Liste von Filmen ein, die von einer klaren Kino-Strategie profitierten. Produktionen wie Smile - Siehst Du es auch? oder Evil Dead Rise haben gezeigt, dass ein gezielter Kinostart nicht nur kulturelle Relevanz erzeugt, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sein kann.
Besonders bitter: Raimi und Sony hatten mit der Spider-Man-Trilogie Mega-Hits, die auch filmhistorisch von Bedeutung waren. Aber mit Sonys Entscheidung Send Help einem Kinostart zu verwehren, dürfte die Stimmung wohl eher frostig zwischen den beiden Parteien sein. Aber gut, einen Spider-Man 4 wird es laut Raimi eh nicht mehr geben. Mehr dazu hier.