Netflix baut seine Präsenz im Kino weiter aus. Mit der kommenden Animationskomödie Charlie vs the Chocolate Factory hat der Streamingdienst nun einen weiteren Film angekündigt, der zunächst ausschließlich auf der großen Leinwand laufen soll. Der internationale Kinostart ist für den 5. November 2027 geplant, das exklusive Fenster soll mindestens 45 Tage umfassen. Am 22. Dezember 2027 wird der Titel dann beim großen, roten N exklusiv verfügbar sein.
Inhaltlich geht es um Willy Wonka, der nach mehreren Jahren Haft in seine Schokoladenfabrik zurückkehrt. Taika Waititi leiht ihm seine Stimme, zum Ensemble gehören außerdem Kit Connor, Nicola Coughlan, Kate Winslet und Helena Bonham Carter. Regie führen Jared Stern (DC League of Super-Pets) und Elaine Bogan (Spirit - Frei und ungezähmt).
Mehr Kino für die großen Netflix-Produktionen
Damit setzt Netflix einen Kurs fort, der sich bereits bei anderen kommenden Filmen beobachten lässt. David Finchers Tarantino-Spin-off Cliff Booth soll Ende November für vier Wochen weltweit ausschließlich in den Kinos gezeigt werden. Noch länger fällt das geplante Kinofenster für Greta Gerwigs Narnia-Epos aus: 49 Tage sind vorgesehen, bevor der Film auf Netflix ausgewertet wird. Der Streamingdienst räumt damit zunehmend Produktionen mit großer Starbesetzung oder namhaften Regisseur*innen eine Auswertung ein, die näher an den Gepflogenheiten klassischer Hollywoodstudios liegt.
Besonders auffällig ist, dass diese Entwicklung nicht auf englischsprachige Prestigeprojekte beschränkt bleibt. Das spanische Drama La Bola Negra von Javier Calvo und Javier Ambrossi soll im Oktober sogar 47 Tage lang exklusiv im Kino gezeigt werden (mehr dazu hier). Für einen Netflix-Film aus dem nicht-englischsprachigen Raum ist das ein vergleichsweise ungewöhnlich umfangreiches Kinofenster. Gleichzeitig unterstreicht die Entscheidung, welche Bedeutung der Streamingdienst inzwischen einer Kinoauswertung beimisst.
Netflix und das Kino: Strategiewechsel oder Ausnahme?
Noch vor wenigen Jahren wäre eine solche Reihe von Ankündigungen bei Netflix deutlich überraschender gewesen. Schließlich stand das Unternehmen lange für ein Modell, bei dem Filme möglichst schnell beim Streamingpublikum landen sollten. Netflix' Chief Content Officer Ted Sarandos hatte Kinostarts sogar einmal als überholte Idee bezeichnet. Die aktuellen Pläne sprechen nicht zwingend für eine vollständige Kehrtwende, zeigen aber, dass Netflix bereit ist, seine größten Filme länger vom eigenen Streamingdienst fernzuhalten, wenn eine Kinoauswertung strategisch sinnvoll erscheint.
Im direkten Vergleich mit Apple fällt der Kurs besonders auf. Apple Studios hat seine Kinoambitionen nach einigen teuren Misserfolgen zuletzt zurückhaltender verfolgt und setzt bei vielen Produktionen stärker auf das eigene Streamingangebot. Netflix geht derzeit den entgegengesetzten Weg und testet offenbar, wie viel sich mit exklusiven Kinostarts erreichen lässt. Ob daraus tatsächlich eine dauerhafte Annäherung an das klassische Studiomodell entsteht oder die langen Kinofenster vor allem der Vermarktung einzelner Prestigeprojekte dienen, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen.