Manchmal schreibt das Kino Geschichten, die selbst als Drehbuch ziemlich unglaubwürdig wirken würden. Der chinesische Animationsfilm Niu Lai wurde praktisch im Alleingang von dem Mutter-Sohn-Duo Sun Lifang und Xin Yumeng produziert – mit einem Budget von angeblich nicht einmal 200 US-Dollar.
Technisch erinnert das Ergebnis eher an ein vergessenes Videospiel aus den 1990ern als an moderne Animationsproduktionen. Genau das machte den Film über ein Kalb, das auf der Suche nach einer grüneren Wiese ist, zunächst zur Lachnummer und anschließend zu einem gewaltigen Internetphänomen.
Vom Kino-Flop zum vielleicht profitabelsten Film aller Zeiten
Nach einem schwachen Start entdeckte das chinesische Internet Niu Lai für sich. Memes verbreiteten sich, junge Zuschauer strömten bewusst in die Kinos und verwandelten die Vorstellungen teilweise in gemeinschaftliche Events. Das Ergebnis ist spektakulär: Bei Produktionskosten von höchstens rund 200 Dollar soll der Film inzwischen mehr als vier Millionen Dollar eingespielt haben. Rechnerisch entspricht das etwa dem 20.000-Fachen seines Budgets – eine Rendite, bei der selbst einige der größten Low-Budget-Erfolge der Filmgeschichte alt aussehen. Inzwischen gibt es sogar Merchandise rund um die bewusst gefeierten, ziemlich eigenwillig animierten Figuren.
Die Trash-Kuh wird zum Symbol gegen KI und Blockbuster
Hinter dem Hype steckt allerdings mehr als nur der Spaß an einem kuriosen Film. Niu Lai wird von Teilen des chinesischen Publikums offenbar auch als Gegenentwurf zu glattpolierten Großproduktionen und insbesondere zu KI-generierten Inhalten gefeiert.
Gerade die sichtbar handgemachte und unperfekte Animation gehört damit zum Reiz des Films. Das Phänomen zieht inzwischen sogar außerhalb der Kinos Kreise: Meme-Investoren sollen Aktien chinesischer Unternehmen mit Kühen im Logo kaufen. Aus einem winzigen DIY-Animationsfilm ist damit innerhalb kürzester Zeit nicht nur ein Millionenhit, sondern eines der bizarrsten Popkultur-Phänomene des Kinojahres 2026 geworden.