Es gibt Spiele, die man irgendwann durchgespielt hat. Und es gibt Spiele, die über Jahre hinweg immer wieder aus dem Regal geholt werden, sobald Freunde vorbeikommen, die Familie gemeinsam vor dem Fernseher sitzt oder einfach Lust auf eine spontane Runde Bowling besteht. Wii Sports und insbesondere Wii Sports Resort gehörten für mich eindeutig zur zweiten Kategorie. Unzählige Stunden habe ich damals vor der Wii verbracht, geschwitzt, gelacht und mich gelegentlich darüber geärgert, dass ein vermeintlich perfekter Schlag doch wieder irgendwo im Aus landete. Dass man dabei tatsächlich Sport machte, war natürlich eine äußerst großzügige Auslegung des Begriffs. Aber Spaß? Davon gab es reichlich.
Umso erstaunlicher eigentlich, dass Nintendo seine einst so erfolgreiche Sportspielreihe über viele Jahre nur vergleichsweise zaghaft weiterentwickelte. Zwar brachte Nintendo Switch Sports 2022 die Bewegungssteuerung zurück ins Wohnzimmer, doch das besondere Urlaubsgefühl des Wii-Klassikers blieb dabei weitgehend auf der Strecke. Mit Nintendo Switch Sports Resort für die Nintendo Switch 2 kehrt nun endlich auch die beliebte Ferieninsel Wuhu Island zurück. Und damit ein Stück Nintendo-Geschichte, das gerade für langjährige Fans einen ganz besonderen Stellenwert besitzt.
Es wurde wirklich Zeit für einen solchen Nachfolger. Allerdings stellt sich nach 17 Jahren natürlich auch die Frage, ob das damalige Erfolgsrezept noch immer funktioniert. Die Antwort fällt erfreulich eindeutig aus: Ja, und wie! Allerdings hat Nintendo bei der Rückkehr einige Gelegenheiten verpasst, aus einem sehr guten Partyspiel ein wirklich herausragendes zu machen.
Willkommen zurück im digitalen Urlaubsparadies
Schon die ersten Minuten auf Wuhu Island vermitteln dieses wunderbar vertraute Gefühl. Sonnige Strände, grüne Hügel, ein imposanter Vulkan und zahlreiche Sportanlagen lassen die Insel wie einen jener Ferienorte erscheinen, an denen man eigentlich nur ein paar Tage verbringen wollte und schließlich zwei Wochen geblieben ist.
Im Gegensatz zum eher funktionalen Spocco Square aus Nintendo Switch Sports besitzt das neue Resort wieder eine zusammenhängende Spielwelt. Die unterschiedlichen Sportarten sind nicht einfach nur lose miteinander verbundene Aktivitäten, sondern Teil einer größeren Ferienanlage. Das klingt zunächst nach einer rein optischen Veränderung, macht für die Atmosphäre allerdings einen erstaunlich großen Unterschied.
Besonders schön ist, dass wir Wuhu Island auch abseits der klassischen Wettkämpfe erkunden dürfen. Mit dem Propellerflugzeug geht es auf Rundflüge über die Insel, während wir mit dem Wasser-Scooter die Küsten unsicher machen oder auf dem Skateboard die Umgebung entdecken. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten laden dazu ein, auch einmal abseits der vorgegebenen Strecken nach versteckten Orten zu suchen.
Gerade diese ruhigeren Momente waren bereits beim Wii-Original eine große Stärke. Nicht immer musste es um Bestzeiten oder möglichst hohe Punktzahlen gehen. Manchmal reichte es völlig, mit dem Flugzeug über die Insel zu fliegen und zu schauen, was sich hinter dem nächsten Berg verbirgt. Dieses Gefühl funktioniert auch heute noch erstaunlich gut.
Allerdings hat sich Wuhu Island über die Jahre verändert. Einige bekannte Sehenswürdigkeiten fehlen, darunter die frühere Wuhu-Stadt und das Schloss am Vulkan. Dafür wurden andere Bereiche umgestaltet oder erweitert. Das sorgt zwar für neue Entdeckungen, dürfte bei besonders nostalgischen Spielern aber auch gelegentlich für ein wenig Wehmut sorgen.
Zwölf Sportarten zwischen Nostalgie und neuen Ideen
Das eigentliche Herzstück bilden natürlich die zwölf verfügbaren Sportarten. Mit Tennis, Bowling, Golf, Volleyball und Basketball kehren gleich fünf Disziplinen aus Nintendo Switch Sports zurück. Hinzu kommen Boxen, Bogenschießen, Tischtennis, Daumenringen, Skateboarden, Wasser-Scooter und der beliebte Rundflug mit dem Propellerflugzeug.
Auf dem Papier ist das eine ordentliche Auswahl. Zumal viele Sportarten unterschiedliche Spielvarianten besitzen und damit über den klassischen Wettkampf hinausgehen. So dürfen wir beim Bowling beispielsweise wieder hundert Pins gleichzeitig abräumen oder uns an Hindernisparcours versuchen. Tischtennis bietet zusätzliche Herausforderungen, während beim Bogenschießen unterschiedliche Zielscheiben, Entfernungen und Windverhältnisse für Abwechslung sorgen.
Besonders das Bogenschießen gehört zu den gelungensten Disziplinen. Das Spannen des Bogens und anschließende Zielen funktionieren hervorragend und vermitteln tatsächlich das Gefühl, mit ruhiger Hand den entscheidenden Treffer setzen zu müssen. Sobald sich die Zielscheiben bewegen oder Wind ins Spiel kommt, wird aus der zunächst simplen Aufgabe eine erstaunlich anspruchsvolle Herausforderung.
Auch Tischtennis überzeugt mit schnellen Ballwechseln und einer angenehmen Lernkurve. Gerade im direkten Duell entsteht schnell jener sportliche Ehrgeiz, der die Reihe schon immer ausgezeichnet hat. Bowling wiederum bleibt der unverwüstliche Klassiker, der selbst nach all den Jahren kaum etwas von seiner Faszination verloren hat.
Überraschend unterhaltsam präsentiert sich das neue Daumenringen. Die ungewöhnliche Disziplin funktioniert tatsächlich besser, als es zunächst klingt. Mit geschicktem Timing versuchen wir, den gegnerischen Daumen festzuhalten, können kurzfristig unsere eigene Trefferfläche vergrößern und müssen dabei aufpassen, nicht selbst in die Falle zu geraten. Eine nette Idee, die allerdings vergleichsweise schnell ihren Reiz verliert, weil zusätzliche Varianten fehlen.
Die Erkundungsdisziplinen sorgen dagegen für einen angenehmen Kontrast. Besonders die Wasser-Scooter-Rennen und Sightseeing-Touren verbinden das sportliche Geschehen mit dem Charme der Insel. Beim Skateboarden wiederum dürfen wir uns frei durch die Umgebung bewegen und kleinere Herausforderungen absolvieren.
Trotzdem bleibt bei der Auswahl ein gewisser Beigeschmack. Denn Nintendo hat längst nicht alle beliebten Disziplinen des Wii-Originals zurückgebracht. Radfahren, Kanufahren, Wakeboarden, Fallschirmspringen und der Schwertkampf fehlen beispielsweise vollständig.
Und dann wäre da noch mein persönlicher Schmerzpunkt: Frisbee-Golf.
Diese Disziplin war für mich damals einer der absoluten Höhepunkte von Wii Sports Resort. Mit einer Frisbee über die abwechslungsreichen Golfbahnen zu werfen, dabei die Flugkurve möglichst geschickt zu beeinflussen und gemeinsam um den perfekten Wurf zu kämpfen, hatte einen ganz eigenen Reiz. Dass ausgerechnet dieser Klassiker fehlt, ist wirklich schade. Gerade weil Nintendo so viele bekannte Sportarten wiederverwendet, hätte Frisbee-Golf hervorragend in die Sammlung gepasst.
Hier wäre definitiv mehr möglich gewesen. Zwölf Disziplinen sind ordentlich, doch bei einem Nachfolger nach so vielen Jahren hätte man sich durchaus eine noch umfangreichere Auswahl gewünscht.
Bewegungssteuerung, wie sie sein sollte
Spielerisch zeigt sich Nintendo dafür von seiner besten Seite. Die Joy-Con-Controller übertragen unsere Bewegungen erstaunlich präzise auf den Bildschirm und machen die unterschiedlichen Sportarten unmittelbar zugänglich. Ob wir beim Tennis den Schläger schwingen, beim Bowling die Kugel rollen lassen oder beim Boxen unsere Fäuste einsetzen: Die Steuerung funktioniert größtenteils intuitiv und zuverlässig.
Gerade diese unkomplizierte Bedienung war schon immer das Erfolgsgeheimnis der Reihe. Man muss keine komplizierten Tastenkombinationen lernen oder sich minutenlang durch Menüs arbeiten. Stattdessen bekommt man einen Controller in die Hand gedrückt, absolviert eine kurze Einführung und kann praktisch sofort loslegen.
Das funktioniert auch deshalb so gut, weil die einzelnen Disziplinen unterschiedliche Bewegungsabläufe verlangen. Beim Bogenschießen ist Präzision gefragt, beim Tischtennis das richtige Timing und beim Boxen eine Mischung aus Reaktion und Bewegung. Besonders interessant ist das Skateboarden, das die Mausfunktion der Joy-Con 2 mit Neigungsbewegungen kombiniert. Was zunächst etwas ungewöhnlich klingt, erweist sich als erstaunlich komfortable Steuerungsmethode.
Hilfreich sind außerdem die zahlreichen Tutorials und eingeblendeten Tipps. Gerade für Einsteiger erklären sie verständlich, worauf es bei den einzelnen Sportarten ankommt. Wer seine Fähigkeiten verbessern möchte, kann die entsprechenden Hinweise jederzeit erneut aufrufen.
Indes zeigt sich hier auch, wie zeitlos Nintendos ursprüngliche Idee eigentlich ist. Die Technik hat sich seit den Wii-Tagen erheblich weiterentwickelt, doch das Grundprinzip funktioniert noch immer: Eine einfache Bewegung wird unmittelbar in eine spielerische Aktion übersetzt. Und plötzlich stehen Menschen vor dem Fernseher, die normalerweise mit Videospielen überhaupt nichts anfangen können.
Gemeinsam vor dem Fernseher entfaltet sich der wahre Zauber
So unterhaltsam die einzelnen Disziplinen auch sind, ihre größte Stärke entfaltet Nintendo Switch Sports Resort erst im gemeinsamen Spiel. Denn genau hier entsteht jene besondere Mischung aus sportlichem Ehrgeiz, Schadenfreude und spontanen Lachanfällen, die bereits das Wii-Original ausgezeichnet hat.
Ein knapp verlorenes Tischtennismatch verlangt selbstverständlich nach einer Revanche. Beim Bowling wird plötzlich jeder Strike lautstark gefeiert, während beim Bogenschießen selbst ein kleiner Vorsprung für erstaunlich viel Nervosität sorgen kann. Und spätestens wenn jemand beim Boxen etwas zu enthusiastisch vor dem Fernseher herumfuchtelt, ist die Stimmung ohnehin gerettet.
Für mich gehört genau das zu den schönsten Eigenschaften der Reihe. Es braucht keine große Vorbereitung und keine aufwendige Erklärung. Man startet das Spiel, verteilt die Controller und schon entwickelt sich ein gemeinsamer Abend fast von selbst. Gerade in einer Zeit, in der viele Spiele auf immer komplexere Systeme und langfristige Verpflichtungen setzen, wirkt diese unkomplizierte Form der Unterhaltung beinahe erfrischend altmodisch.
Allerdings benötigt man für einige Disziplinen zusätzliche Controller. Während viele Sportarten mit einem einzelnen Joy-Con-Paar auskommen, werden beim Boxen zwei Paare benötigt. Das sollte man insbesondere dann berücksichtigen, wenn man regelmäßig mit mehreren Personen spielen möchte.
Technisch gibt es im lokalen Mehrspielermodus außerdem gelegentliche Probleme. Normalerweise läuft das Spiel angenehm flüssig mit 60 Bildern pro Sekunde. Sobald jedoch drei oder mehr Personen gleichzeitig teilnehmen, kann die Bildrate teilweise spürbar einbrechen. Besonders bei den Wasser-Scooter-Rennen fällt das negativ auf. Für ein exklusives Switch-2-Spiel, dessen größte Stärke ausgerechnet der gemeinsame Spielspaß ist, wirkt das etwas enttäuschend.
Am grundsätzlichen Vergnügen ändert das allerdings wenig. Gerade gemeinsam vor dem Fernseher macht Nintendo Switch Sports Resort wieder unglaublich viel Spaß. Und manchmal ist genau das wichtiger als jede technische Perfektion.
Auch alleine gibt es einiges zu tun
Wer gerade keine Mitspieler zur Verfügung hat, muss Wuhu Island trotzdem nicht verlassen. Mit dem sogenannten Inselkronen-Modus bietet Nintendo eine kleine Einzelspieler-Herausforderung, bei der wir uns in neun Disziplinen gegen zunehmend stärkere computergesteuerte Gegner behaupten müssen.
Ausgehend von einem niedrigen Rang arbeiten wir uns langsam nach oben, bis schließlich die jeweiligen Insel-Champions warten. Die ersten Begegnungen fallen noch ausgesprochen leicht aus, doch mit zunehmendem Fortschritt steigt der Schwierigkeitsgrad merklich an. Dadurch entsteht ein angenehmer Anreiz, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern und sich intensiver mit den unterschiedlichen Sportarten auseinanderzusetzen.
Hinzu kommen zahlreiche Herausforderungen, Erfolge und versteckte Sehenswürdigkeiten, die für zusätzliche Beschäftigung sorgen. Einen vollwertigen Karrieremodus oder gar eine umfangreiche Geschichte sollte man allerdings nicht erwarten.
Ein weiteres Motivationssystem bilden die kosmetischen Belohnungen. Für absolvierte Wettkämpfe erhalten wir Spocco-Punkte, die sich im Item-Center gegen neue Kleidungsstücke, Frisuren, Accessoires oder Ausrüstungsgegenstände eintauschen lassen. Die verfügbaren Gegenstände wechseln regelmäßig, wobei Nintendo auf zufällige Freischaltungen setzt.
Immerhin wird dafür kein Echtgeld benötigt. Trotzdem wirkt die künstliche Verknappung der Belohnungen etwas unnötig. Wer bestimmte Gegenstände haben möchte, muss regelmäßig spielen oder darauf warten, dass entsprechende Sets erneut verfügbar werden.
Schön ist dagegen die Möglichkeit, neben den neuen Sportsmates auch die klassischen Miis zu verwenden. Gerade für langjährige Nintendo-Fans ist das ein willkommenes Stück Nostalgie. Allerdings lassen sich nicht sämtliche kosmetischen Gegenstände auf Miis anwenden, wodurch die Individualisierung etwas eingeschränkt bleibt.
Insgesamt bietet der Einzelspielermodus genügend Beschäftigung für zwischendurch. Seine größte Stärke bleibt indes nicht das langfristige Freischalten neuer Gegenstände, sondern der unkomplizierte Spielspaß selbst.
Hübsche Ferieninsel mit einigen Schönheitsfehlern
Optisch präsentiert sich Nintendo Switch Sports Resort angenehm farbenfroh. Die Sportanlagen sind liebevoll gestaltet, die Charaktere besitzen den typischen Nintendo-Charme und die gesamte Insel vermittelt eine freundliche Urlaubsatmosphäre.
Besonders die sonnigen Küstenabschnitte und die lebendigen Sportstätten gefallen. Auch die Animationen der Figuren passen hervorragend zum leicht überzeichneten Stil. Dazu gesellen sich fröhliche Musikstücke und passende Soundeffekte, die das entspannte Feriengefühl unterstützen.
Allerdings sollte man von einem exklusiven Switch-2-Titel technisch etwas mehr erwarten dürfen. Gerade bei der Erkundung der Insel fallen teilweise einfache Texturen und wenig detaillierte Landschaftsabschnitte auf. Der Vulkan wirkt stellenweise erstaunlich künstlich, während gelegentlich plötzlich verschwindende Figuren die Illusion einer lebendigen Ferienwelt beeinträchtigen.
Das ist kein großes Drama, schließlich war die Reihe noch nie für technische Höchstleistungen bekannt. Dennoch hätte die leistungsfähigere Hardware durchaus mehr Möglichkeiten geboten, Wuhu Island noch eindrucksvoller in Szene zu setzen.
Wirklich störend sind diese Schwächen vor allem deshalb, weil die Insel diesmal wieder eine größere Rolle spielt. Wer mit dem Flugzeug die Landschaft erkundet oder auf dem Skateboard durch die Umgebung fährt, nimmt solche Details zwangsläufig stärker wahr als während eines hektischen Tennismatches.
Fazit
Nintendo Switch Sports Resort ist eine ausgesprochen unterhaltsame Rückkehr auf eine der schönsten Ferieninseln der Nintendo-Geschichte. Die präzise Bewegungssteuerung, zwölf abwechslungsreiche Sportarten und das herrliche Gemeinschaftsgefühl sorgen dafür, dass ich mich sofort wieder an meine unzähligen Stunden vor der Wii erinnert fühle. Besonders gemeinsam vor dem Fernseher entfaltet das Spiel erneut seine ganze Stärke.
Ganz ohne Enttäuschungen bleibt der Urlaub allerdings nicht. Einige beliebte Disziplinen fehlen, allen voran mein schmerzlich vermisstes Frisbee-Golf. Auch die teilweise schwache Technik und die vielen wiederverwendeten Sportarten verhindern, dass Nintendo das volle Potenzial ausschöpft. Trotzdem überwiegt am Ende ganz klar die Freude darüber, endlich wieder gemeinsam auf Wuhu Island Sport treiben zu dürfen. Ein überfälliger Nachfolger, der nicht alles richtig macht, aber genau dort begeistert, wo Nintendo schon vor 17 Jahren seine größte Stärke hatte: Beim gemeinsamen Spielen. Daher eine klare Kaufempfehlung!
Chefredakteur
Filme, unendliche Weiten ... dies sind die Abenteuer von Oneal, der sich vorgenommen hat, so viele Filme in seinem Leben zu schauen wie es irgendwie geht. Die Expertise liegt irgendwo zwischen Asia-Kino, Sci-Fi und Action. Doch auch schwere Kost und gerne philosophisch darf es sein. Zudem Chef von Moviebreak.