MB-Kritik

Atcha Atcha 2025

Dominic Obada "Scarz" Promise
Tchinatadi Ndjidda
Joyce Christine Nakiwala
Germaine Acogny
Kezia Jonah Zafinoah

Inhalt

Eine Dokumentation über die Abschlussklasse des École des Sables. 

Kritik

In Wolof ist der Titel Mamadou Dias (Nafi‘s Father) mitreißenden Porträts von Kreativität und Community ein Ausruf der Begeisterung und Bewunderung, der sich nicht konkret übersetzen lässt. Doch dies braucht es auch nicht, weckt doch das Tanze-Ensemble des École des Sables, dessen Abschlussklasse der senegalesische Regisseur während der letzten Wochen vor einer ungewissen Zukunft begleitet, unwillkürlich diese Emotionen. Als Tänzer kann man mit seiner Körpersprache auf universelle Art kommunizieren, sagt ein junger Student, der darum nur ungern Englisch sprechen möchte. 

Auf die intuitive Ausdruckskraft rhythmischer Bewegung und musischer Interpretation verlässt sich auch die Inszenierung, die den kreativen Prozess als expressiven Teil der Selbstfindung verfolgt. Gegründet von der prägenden Tänzerin und Choreografin Germaine Acogny, ist die in Toubab Dialaw südlich von Dakar gelegene Ausbildungsstätte seit Jahrzehnten das bedeutendste Zentrum zeitgenössischen afrikanischen Tanzes. Doch selbst dieser Institution droht die Entwurzelung von der Region, die sie maßgeblich prägte. Der massive Ausbau Ndayanes Handelshafens durch DP World beansprucht das Land, auf dem die Schule steht.

Befürchtete Verdrängung und Verlust dieses jüngeren kulturellen Erbes spiegeln die einer umfassenderen Kulturtradition, welche die jungen Tänzer*innen bei jedem Auftritt beleben. Die Körper der Tanzenden werden selbst zum dynamischen Kunstsubjekt, ihre Bewegung zum künstlerischen Momentum. Zwischen Proben und Unterricht offenbaren die Gespräche der tänzerischen Gemeinschaft deren Suche nach einer professionellen Perspektive. Er müsse weg von hier, nach Europa, verkündet ein Tänzer im Rahmen eines Parts, der die Zukunftssorgen des Kollektivs benennt. Flüchtig wie der Tanz scheint auch dessen (Frei)Raum.

Fazit

Seine filmische Auseinandersetzung mit Identitätsfindung im Kontext der kulturellen Geschichte und Gemeinschaft erweitert Mamadou Dia mit seiner energetischen Dokumentation choreographischer Schöpfung. Ohne Off-Kommentar und Erläuterungen erschließt sich das Szenario situativ aus der geduldig beobachteten körperlichen Arbeit. In seinem letzten Jahr sieht das Ensemble einer biographischen Zäsur entgegen, die den absehbaren Umbruch des Ècole reflektiert. Mit aufmerksamem Blick für die Feinheiten der Bewegung und emotionale Verfassungen zeigt Dias selbstgeführte Kamera die junge Generation als individuelle Verkörperung einer Tradition in stetigem Wandel. 

Autor: Lida Bach
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