Inhalt
1944: Das Flugzeug der britische Agentin Elaine wird über einer malaysischen Insel abgeschossen. Crewe, ein japanischer Kriegsgefangener, findet sich und versteckt sie in seinem Lager. Bald schon bekommen die Japaner Wind davon und drohen, alle zu Tode zu foltern, sollten sie die Frau nicht herausrücken.
Kritik
Obwohl der Fokus spätestens ab den 60er Jahren fast ausschließlich auf der Interpretation klassischer Horror-Motive lag, hatten die HAMMER-Studios auch immer mal wieder andere Genre-Filme in ihrem Output. Neben einigen Abenteuerfilmen oder Thrillern gehörte auch ab und an ein Kriegsfilm dazu, oder wie in diesem Fall ein Kriegs- bzw. Prisoner-Exploitator. Das Geheimnis der Blutinsel ist dabei ein falsches Sequel, denn bereits 1958 entstand Die gelbe Hölle, der im Original The Camp on Blood Island hieß. Auch dort ging es um ein japanisches Kriegsgefangenenlager im Pazifik während des Zweiten Weltkriegs und ein Teil des Casts ist auch hier zu sehen, wenn auch in völlig anderen Rollen. Inhaltlich haben die Filme nichts miteinander zu tun, im Grunde wird die Prämisse einfach noch mal für einen anderen Plot verwendet. So war das damals bei HAMMER: was einmal funktioniert hat (und Die gelbe Hölle war trotz der üblich spöttischen Kritiken ein finanzieller Erfolg), wird irgendwann zwangsläufig fortgesetzt oder wiederverwertet (heute heißt das Reboot und ist völlig legitim).
Anders als bei anderen HAMMER Zweit- und Drittverwertungen musste man sich hier sogar richtig ins Zeug legen. War es sonst üblich, die Back-to-Back gedrehten Horrorfilme einfach in denselben Kulissen zu drehen (wunderbar zu sehen z.B. bei Das schwarze Reptil und Nächte des Grauens), musste für Das Geheimnis der Blutinsel das Kriegsgefangenenlager relativ aufwendig errichtet werden, da der Vorgänger schlicht zu lange her war und die sonstigen Schauerkulissen einfach nicht gepasst hätten. Das sieht wirklich gut aus und generell ist diese seltener geworden Rotation im Genre-Portfolio mal eine erfrischende Abwechslung, kurz bevor Dracula und Frankenstein endgültig in Endlosschleife gehen mussten, um den kreativen Stillstand des Studios aufzufangen. Ob es jetzt so ein Film hätte sein müssen, dass sei rein inhaltlich mal in Frage gestellt. Mit einem höheren Anspruch brauchte man gar nicht erst kokettieren, dafür gab es damals schon mit Stalag 17 oder Gesprengte Ketten ganz andere Hausnummern. Also kann eigentlich nur die reine Exploitation-Schiene zünden, doch dafür waren die Handschellen der damals noch sehr scharfen, britischen Zensur zu unnachgiebig.
HAMMER hatte traditionell immer Probleme, ihre Inhalte in die Kinos zu bringen und somit konnte auch Das Geheimnis der Blutinsel gar nicht halten, was der reißerische Titel (im Deutschen wie im Original) eventuell versprechen mag. Da ging in vergleichbaren US-Filmen der 70er (dort dann auch gerne mit weiblichen Insassen) deutlich mehr die Post ab. Der Fokus liegt hier somit mehr auf einem Spannungs-getriebenen Plot, dafür ist es aber einfach nicht aufregend genug. Langeweile kommt in den knackigen 84 Minuten naturgemäß nicht auf, es bleibt aber auch kaum Zeit für eine komplexere Geschichte mit dramaturgischen Highlights. Das ist einmal von der Stange und gut ist, aber in seinem sparsamen Rahmen zumindest recht ordentlich gemacht. Barbara Shelley (Blut für Dracula) – eine der wenigen weiblichen HAMMER-Ikonen – ist eine sehr gute Wahl für eine ungewöhnlich taffe Frauenrolle der 60er und auch sonst sind die Darstellern überdurchschnittlich gut für so eine Produktion, ohne dass man gleich wieder Peter Cushing und Christopher Lee aus dem Hut zaubern muss. Das damals übliche Besetzen von asiatischen Rollen durch westliche Darsteller ist aus heutiger Sicht natürlich noch fragwürdiger als damals, aber wenn das selbst große Hollywood-Produktionen als problemlos ansahen, wer möchte da mit den ganz großen Moral-Steinen auf HAMMER werfen? Schade jedoch für Patrick Wymark (Der Hexenjäger) und Michael Ripper (Bestien lauern vor Caracas), die sich als japanische Antagonisten redlich bemühen und an sich eine gute Leistung abrufen, dafür in so anstößigen (und aufgrund des Make-ups auch leicht lächerlich anmutenden) Rollen.
Fazit
Ganz gut inszeniert und gespielt, aber insgesamt ein sehr mittelmäßiger und aufgrund seiner Zeit zu handzahmer Lager-Exploiter, der zehn Jahre später einfach ganz anders ausgesehen hätte. Da gingen bei HAMMER aber schon langsam die Lampen aus. Auch weil man sich nach Filmen wie diesen zu sehr darauf verließ, was man aus Dracula, Frankenstein und Co. noch so herauspressen konnte, anstatt anderweitigen Stoffen eine Chance zu geben. Mit einem Film wie „Das Geheimnis der Blutinsel“ hätte man 1975 – mit den dann gelockerten Möglichkeiten – bestimmt mehr reißen können als den angestaubten Franchise-Leichen. Falscher Film zur falschen Zeit.
Autor: Jacko Kunze