7.0

MB-Kritik

Onslaught 2026

7.0

Adria Arjona
Alex Pereira
Drew Starkey
Rebecca Hall
Reginald VelJohnson
Michael Biehn
Eric Wareheim
Dan Stevens
Sarah Minnich
Maurice Greene
Caleb Baker
Keil Oakley Zepernick
Jasper Keen
Jesse La Flair
Steven Shelby
Malik Watson

Inhalt

Nach einem fehlgeschlagenen Militärexperiment zieht eine Einheit genetisch modifizierter Supersoldaten eine Spur der Verwüstung durch das amerikanische Hinterland. Ausgerechnet Army-Veteranin Celeste (Adria Arjona) stellt sich ihnen mit maximaler Energie entgegen. Denn um eine Killermaschine aufzuhalten, musst du selbst zur Killermaschine werden!

Kritik

s neuer Action-Horrorfilm ist ein wilder Genre-Mix, der sich mit sichtbarer Begeisterung an B-Movie-Traditionen, Exploitation und überdrehtem Kino austobt. Drei Supersoldaten brechen aus einem geheimen Militärprogramm aus und landen ausgerechnet bei Celeste, einer ehemaligen Soldatin mit traumatischer Vergangenheit. Eigentlich könnte daraus der perfekte Stoff für einen kompromisslosen Actionfilm entstehen. Stattdessen liefert Wingard etwas deutlich Seltsameres: einen Film, der ständig nach großem Krawall aussieht, dabei aber erstaunlich oft auf die Bremse tritt.

Stylischer Action-Horror mit B-Movie-Charme

Von Beginn an macht der Film klar, worauf er aus ist. Schon der Auftakt mit Dan Stevens (Ich bin dein Mensch) als grotesk überzeichnetem Wissenschaftler aus Deutschland mit Billo-Outfit, absurden Figuren und einer bewusst affigen Inszenierung setzt den Ton. Hier soll nichts realistisch oder besonders vernünftig wirken. Wingard will Spaß haben – und dieser Spaß ist durchaus ansteckend.

Visuell hat der Regisseur ohnehin einiges zu bieten. Leuchtende Augen, markante Waffen, nächtliche Silhouetten und eine sorgfältig ausgewählte Flut an Songs verleihen dem Film eine eigene Energie. Zeitweise fühlt sich Onslaught eher wie ein überlanges Musikvideo als wie ein klassischer Actionfilm an. Das kann anstrengend werden, sorgt aber immer wieder für Momente, in denen die Inszenierung trotz aller Schwächen einfach Spaß macht.

Besonders  (A Killer Romance) trägt den Film. Ihre Celeste wird als toughe ehemalige Soldatin eingeführt, die mit Waffen umgehen kann und offensichtlich einiges erlebt hat. Arjonas Präsenz funktioniert sofort. Umso bedauerlicher ist, wie lange der Film braucht, bis er ihrer Figur wirklich Raum gibt. Auch andere Charaktere und Ideen werden mit großem Aufwand eingeführt, nur um anschließend kaum eine Rolle zu spielen.

Drei Supersoldaten, viel Gewalt – aber zu wenig Action

Genau hier liegt das größte Problem. Onslaught besitzt eigentlich sämtliche Zutaten für einen herrlich hemmungslosen Actionfilm, nutzt sie aber nicht konsequent genug. Dazu kommen übermenschliche Kräfte und eine ordentliche Portion Horror. Trotzdem wird erstaunlich viel geredet, gewartet und erklärt.

Gerade die Trailerpark-Sequenzen hätten deutlich mehr Eskalation vertragen. Wenn drei nahezu unaufhaltsame Killermaschinen auf eine Gruppe Menschen treffen (darunter Stirb Langsam-Veteran ), sollte eigentlich kaum Zeit zum Durchatmen bleiben. Stattdessen gönnt der Film seinen Figuren immer wieder ausgedehnte Verschnaufpausen, während manche Charaktere plötzlich erstaunlich viel Plot Armor besitzen. Auch der Nebenplot rund um Regierungsvertreter wirkt eher wie ein Überbleibsel aus einer längeren Fassung. Er führt kaum irgendwohin und nimmt dem eigentlichen Konflikt wertvolle Zeit.

Dazu kommt eine gewisse Wiederholung. Die ikonische Einstellung der drei Soldaten am Horizont funktioniert beim ersten Mal hervorragend. Wenn sie jedoch gefühlt alle zehn Minuten wiederkehrt, verliert selbst das schönste Bild an Wirkung. Ähnlich verhält es sich mit vielen coolen Einfällen, die groß angekündigt, anschließend aber nur halb eingelöst werden. Selbst Dan Stevens bekommt weniger Raum, als seine auffällige Figur zunächst vermuten lässt.

Ein ungewöhnlicher Genre-Film mit viel Persönlichkeit

Trotzdem wäre es zu einfach, Onslaught als misslungenen Actionfilm abzutun. Dafür besitzt er zu viel Persönlichkeit. Gerade die Mischung aus Idiotie, Style, Horror und hemmungslosem Regie-Ego ist sympathisch. Der Film wirkt wie ein Projekt, in dem Wingard all jene Ideen unterbringen wollte, die sich während seiner Blockbuster-Jahre angesammelt haben. Nicht jede davon funktioniert – aber fast jede verrät eine spürbare Lust am Kino.

Auch die Verbindung zu The Guest ist deutlich zu erkennen. Beide Filme beginnen vergleichsweise vertraut, bevor plötzlich ganz andere Genre-Elemente ins Spiel kommen. Onslaught wirkt dabei weniger wie eine sauber ausformulierte Geschichte als wie die Erweiterung einer Welt, die Wingard offensichtlich noch nicht verlassen möchte. Das erklärt vielleicht auch, warum so vieles gleichzeitig interessant und unfertig wirkt.

Am Ende überwiegen dennoch die Qualitäten. Der Film ist zu viel, zu unkonzentriert und stellenweise deutlich zu redselig. Er verschenkt Action, Figuren und Ideen, aus denen ein noch stärkerer Genrefilm hätte entstehen können. Gleichzeitig ist er derart eigenwillig, dass Gleichgültigkeit kaum möglich scheint. Wer mit B-Movies, Horror und bewusst überdrehtem Genre-Kino etwas anfangen kann, dürfte hier zumindest ein ungewöhnliches Kinoerlebnis bekommen. Nicht rund, nicht konsequent und manchmal erstaunlich ausgebremst – aber mit genügend Stil und Leidenschaft, um die Schwächen zumindest teilweise vergessen zu lassen.

Fazit

Ein herrlich eigenwilliger Genre-Mix, der seine besten Momente dort findet, wo er alle Zügel loslässt. Nicht jede Idee zündet, nicht jede Action sitzt – aber für stilbewussten B-Movie-Wahnsinn reicht es locker.

Autor: Sebastian Groß
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