7.0

MB-Kritik

Runner 2026

Action, Comedy, Thriller

7.0

Alan Ritchson
Owen Wilson
Rodrigo Santoro
Leila George
Adriana Barraza
Peta Sergeant
Scarlett Crabtree
Geraldine Hakewill
Goran D. Kleut
Adam Fraser
Sabelle Morrow-Woods

Inhalt

Der ehemalige Elitesoldat Hank Malone (Alan Ritchson) verdient sein Geld als Kurier für besonders heikle Frachten und macht dabei um Ärger stets lieber einen großen Bogen – bis ihn eines Tages ein besonders lukrativer Auftrag mitten in eine mörderische Verfolgungsjagd katapultiert. Gemeinsam mit dem medizinischen Kurier Ben (Owen Wilson) soll Hank ein überlebenswichtiges Organ für ein todkrankes, siebenjähriges Mädchen transportieren. Doch ein skrupelloser Verbrecherboss hat es ebenfalls auf die wertvolle Fracht abgesehen. Die Mission eskaliert, als die brutale Killertruppe vor nichts zurückschreckt, das Organ für den Schwarzmarkt in ihre Gewalt zu bringen. Hank und Ben geraten plötzlich in einen gnadenlosen Wettlauf gegen die Zeit. Während die Straßen entlang der australischen Gold Coast immer mehr zum Schlachtfeld werden, muss sich Hank auch noch den Dämonen seiner eigenen Vergangenheit stellen.

Kritik

Jason Statham hatte 2026 bislang nicht unbedingt das beste Jahr. Shelter war ordentlich, Mutiny dagegen eher ernüchternd. Das muss freilich kein Problem sein, denn das Actiongenre funktioniert auch ohne seinen britischen Dauergast. Und während The Furious in seinem Genre ohnehin eine eigene Liga bildet, ist es in diesem Jahr ein anderer Muskelprotz, der sich die Krone des US-Actionstars aufsetzt: . Mit der inzwischen vier Staffeln umfassenden Prime-Video-Serie Reacher, die längst noch nicht am Ziel angekommen ist, und nun dem Kinofilm Runner hat er sich diesen Titel bereits im Spätsommer verdient. Sorry, Jason.

"Runner" lässt Jason Statham alt aussehen

Dabei besitzt Runner eine Eigenschaft, die im heutigen Kino fast schon nostalgisch wirkt: Der Film will vor allem ein unkomplizierter Actionfilm sein. Keine überladene Mythologie, kein Versuch, aus dem Hauptdarsteller gleich eine neue Franchise-Ikone zu zimmern, keine unnötige Selbstverliebtheit. Es wird geprügelt, geschossen, gerannt sowie gelegentlich ein lockerer Spruch eingestreut und ja, eine große Kelle pflichtschuldige Emotionalität wird auch geboten. Nach rund 90 Minuten ist die Sache vorbei. Man könnte das simpel nennen. Angesichts dessen, wie viele Genrefilme ihre überschaubare Handlung inzwischen auf zwei Stunden oder mehr aufblasen, ist es aber beinahe erfrischend.

Fast ein wenig magisch wirkt deshalb, dass ausgerechnet Ritchson die Hauptrolle übernommen hat und nicht Statham. Denn Runner ist ziemlich genau die Sorte Film, in der Statham seit Jahren zu Hause ist. Ritchson steht seiner Figur jedoch weniger im Weg. Wo bei Statham bisweilen die Person hinter der Rolle verschwindet und jeder Blick automatisch nach dem nächsten Statham-Moment verlangt, darf Ritchson hier einfach ein physisch beeindruckender Actionheld sein. Seine Präsenz ist enorm, ohne dass der Film permanent darauf aufmerksam machen müsste.

Das kommt besonders der Action zugute. Regisseur inszeniert die Auseinandersetzungen mit ordentlich Wucht und sichtbar großer Freude am Spiel mit Bewegungen und Perspektiven. Die Kamera bleibt nicht einfach dort stehen, wo sie gerade bequem steht, sondern sucht immer wieder interessante Blickwinkel und dynamische Bewegungen. Manche Aufnahmen wirken dabei etwas zu digital und erinnern daran, dass hier nicht mit einem riesigen Hollywood-Budget hantiert wurde. Wirklich störend wird das allerdings selten. Viel wichtiger ist, dass die Action räumlich nachvollziehbar bleibt und tatsächlich Energie besitzt.

Fast könnte man meinen, Waugh wolle sich mit Runner für The Expendables 4 und Hidden Strike entschuldigen. Für deren Schwächen konnte er freilich nur bedingt etwas, doch hier zeigt sich deutlich, was in ihm als Actionregisseur steckt, wenn die übrigen Zutaten besser zusammenpassen. Ritchsons Körperlichkeit und Waughs Inszenierung ergänzen sich dabei hervorragend. Der Hauptdarsteller muss keine komplizierte Figur spielen, um einen Kampf glaubwürdig wirken zu lassen. Es reicht, wenn er durch eine Tür kommt und man sofort versteht: Das wird für irgendjemanden gleich ziemlich unangenehm.

Ritchson ist toll, die anderen ... na ja

Weniger überzeugend funktioniert die komödiantische Seite. übernimmt als Nebenfigur klar den Part des humoristischen Zentrums, doch zwischen ihm und Ritchson entsteht nur selten jene Chemie, die der Film offensichtlich gerne hätte. Beide bemühen sich, den jeweiligen Ton zu treffen, aber die Dynamik bleibt häufig etwas mechanisch. Immerhin entscheidet sich das Drehbuch mit Wilsons Figur für einen Weg, der nicht vollkommen vorhersehbar ist und dem Schauspieler zumindest im letzten Drittel etwas mehr zu tun gibt als bloß den nächsten Spruch abzuliefern.

Auch der Gegenspieler () stammt eher aus dem Lehrbuch für Standard-Bösewichte. Kartellboss, auffälliges Äußeres, keinerlei Skrupel und eine ausgeprägte Bereitschaft, selbst bei kleinsten Problemen gleich zur Waffe zu greifen: Viel mehr muss man über ihn eigentlich nicht wissen. Seine überzeichnete Grausamkeit besitzt beinahe etwas Cartooneskes und erinnert stellenweise an Ritchie () aus Deadly Revenge - Das Brooklyn-Massaker. Das funktioniert innerhalb des bewusst geradlinigen Tons, lässt aber kaum echtes Interesse an der Figur entstehen.

"Runner" macht nicht alles richtig, aber vieles auch nicht verkehrt

Stärker ist dafür das Setting. Brisbane verleiht Runner eine angenehm authentische Kulisse und verhindert zumindest teilweise, dass sich die Geschichte wie eine weitere Variante jener austauschbaren Actionwelt anfühlt, die aus grauen Lagerhallen, anonymen Hochhäusern und irgendeinem Hafen besteht (was der Film auch alles anbietet). Die Stadt und vor allem das Gebiet drum herum wird nicht zum eigentlichen Star des Films, gibt dem Geschehen aber genügend Eigenfarbe, um positiv aufzufallen.

Natürlich lädt Runner trotzdem irgendwann zu den unvermeidlichen Fragen ein: Wie konnte das eigentlich funktionieren? Warum hat diese Figur das überlebt? Und weshalb ist das gerade so passiert? Wer solche Gedanken während eines Actionfilms besonders laut im Kopf klopfen hört, wird auch hier gelegentlich etwas zu tun bekommen. Nur lässt sich Runner davon nicht lange aufhalten. Bevor die Logik ernsthaft um Einlass bittet, ist der Film schon wieder vorbei.

Das ist vielleicht seine größte Stärke. Runner fühlt sich ein wenig wie ein mittel budgetierter Streamingfilm an, der versehentlich den Weg auf die große Leinwand gefunden hat – und das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint. Er macht aus seiner überschaubaren Geschichte kein künstliches Großereignis, sondern konzentriert sich auf das, was er tatsächlich gut kann: solide Figuren, flotte Unterhaltung und Action, die ihre Muskeln spielen lässt. Dass dafür nicht zwangsläufig Jason Statham nötig ist, dürfte die angenehmste Erkenntnis dieses Films sein.

Fazit

"Runner" ist angenehm kernige Action und frei von Größenwahn: Alan Ritchson darf zuschlagen und seine physische Präsenz ausspielen, während Regisseur Scott Waugh die Action von der Leine lässt – und schon funktioniert der Film erstaunlich gut.

Autor: Sebastian Groß
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