Inhalt
Christy Martin (Sydney Sweeney) hätte sich niemals ein Leben jenseits ihrer Kleinstadt-Wurzeln in West Virginia vorstellen können – bis sie ihr Talent fürs Boxen entdeckte. Getrieben von unerschütterlichem Ehrgeiz, eiserner Entschlossenheit und dem unbedingten Willen zu siegen, stürzt sie sich in die Welt des Profisports – unter der Anleitung ihres Trainers und späteren Ehemanns Jim (Ben Foster). Doch während Christy im Ring mit ihrer explosiven Ausstrahlung glänzt, muss sie ihre härtesten Kämpfe außerhalb davon austragen – im Ringen mit ihrer Familie, ihrer Identität und einer Beziehung, die sich als Frage von Leben und Tod erweisen könnte. Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt die Geschichte von Christy Martin von Widerstandskraft, Mut und dem Kampf um die Rückeroberung des eigenen Lebens.
Kritik
Eigentlich hätte man meinen können, dass es für Sydney Sweeney (Euphoria) karrieretechnisch gerade richtig gut läuft. An Angeboten mangelt es ihr nicht, sie ist der Traum vieler Männer und dann nimmt sie mit Christy auch noch eine Rolle an, in der sie ihr Talent und ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen kann. Das Ergebnis: bescheidene 1,3 Millionen Dollar am Startwochenende. Was war da los? Vielleicht die Kontroversen um ihr Privatleben (Support der Republikaner)? Ihre "Good Genes"-Werbekampagne für American Eagle, die für Aufruhr sorgte? Oder haben die Zuschauer einfach keine Lust, ihren Star entfremdet in einer für ihn/sie ungewöhnlichen Rolle zu sehen? Schließlich erging es Dwayne Johnson in The Smashing Machine kurz davor nicht anders. Was auch immer der Grund sein mag: Christy von David Michôd (The King, The Rover) zu ignorieren, wäre durchaus schade!
Erzählt wird die wahre Geschichte der Profiboxerin Christy Martin, die maßgeblich dazu beigetragen hat, den Frauenboxsport populär zu machen. In den 90ern und 2000ern legte die Amerikanerin einen beeindruckenden Lauf hin, bis es im Privatleben vermehrt zu Krisen bis hin zur Tragödie kam. Insofern verbindet Christy Elemente eines klassischen Sportfilms (Training, Durchsetzen eines Underdogs, Aufstieg in den Olymp) mit denen eines Dramas (dysfunktionale, gewaltsame Beziehung, belastetes Familienverhältnis, Geldsorgen). Und beides gelingt dem Film ziemlich gut, da sich das Drehbuch hier an vielen interessanten Themen bedienen kann. Denn als Frau musste sich Martin in einer Domäne durchsetzen, die von Männern dominiert wurde, die sie entweder nicht ernst nahmen oder gar sexualisierten.
Auch Martins homosexuelle Orientierung war für Karriere und Privatleben ein großes Hindernis. Alles führte dazu, dass die Frau in ihrem Umfeld auf Ablehnung, Ausnutzung, Aggression und Manipulation stieß. Unangenehme Themen, die hier extreme Formen annehmen und teilweise schwer zu ertragen sind, die aufgrund ihrer Wichtigkeit aber nicht verschwiegen werden dürfen. Auch wenn nicht jeder Bereich davon tiefgründig ausgeleuchtet wird, schlägt sich der Film doch ganz gut darin, die wichtigsten Stationen und Ereignisse zumindest spannend und zufriedenstellend unter einen Hut zu bringen.
Auch dank der guten schauspielerischen Leistungen ist Christy absolut sehenswert. An vorderster Front währen hierbei zum einen Sydney Sweeney selbst, die emotional sehr facettenreich auftritt und den Mut hat, auch physisch neue Grenzen zu erproben und sich (für ihre Verhältnisse) "unattraktiv" zu präsentieren, zum anderen aber auch Ben Foster, den man in einer widerwärtigeren Rolle als hier wohl noch nie gesehen hat und vielleicht auch nicht mehr sehen wird. Und darin gibt er sich ziemlich stark.
Fazit
Die Geschichte einer Sportlerin, die inspiriert und fasziniert, durch ihre tragischen Umstände gleichzeitig aber auch abstößt und traurig stimmt. Als Biopic hat "Christy" eine Menge zu sagen und auch wenn manchmal die Zeit nicht reicht, in allen Bereichen gründlich in die Tiefe zu gehen, bleibt der Film stets interessant für den Zuschauer. Sydney Sweeney zeigt sich hier in Bestform.
Autor: Sebastian Stumbek