7.0

MB-Kritik

Hunde, wollt ihr ewig leben 1959

Drama, War – West Germany

7.0

Joachim Hansen
Wilhelm Borchert
Wolfgang Preiss
Carl Lange
Horst Frank
Peter Carsten
Richard Münch
Günter Pfitzmann
Sonja Ziemann
Gunnar Möller
Ernst von Klipstein
Armin Dahlen
Paul Hoffmann
Karl John
Alexander Kerst
Jöns Andersson

Inhalt

Der junge, nationalsozialistisch geprägte Oberleutnant Wisse wird im Herbst 1942 als Verbindungsoffizier zu den Rumänen nach Stalingrad versetzt. Die deutschen Truppen haben zwar unter großen Verlusten die Stadt erobert, werden aber bereits von der Roten Armee eingekesselt. Viele der einfachen Soldaten haben erkannt, dass sie dem Gegner chancenlos ausgeliefert sind.Doch aufgrund der Befehle von ganz oben glauben die Offiziere unter General Paulus immer noch an einen Sieg. Dank Wisses Fanatismus kann eine Offensive des Gegners nochmal abgeschlagen werden. Doch allmählich erkennt auch er die Aussichtslosigkeit der Lage. Major Linkmann denkt nur noch an sein eigenes Überleben. Beim Versuch zu desertieren, wird er von den eigenen Soldaten, welche ihn beim Überlaufen beobachten, erschossen.

Kritik

Die Schlacht von Stalingrad zählt zu den verlustreichsten und bekanntesten Gefechten des zweiten Weltkrieges. Auf deutscher wie sowjetischer Seite wurden insgesamt weit über 800.000 Menschen in den Tod geschickt, bis sich die Deutschen im Februar des Jahres 1943 zur Kapitulation gezwungen sahen. Tod, Kälte und Hunger, der Kesselkrieg an der Wolga-Front forderte auf verschiedene Arten eine beträchtliches Ausmaß an Opfern, doch über ein halbes Jahr tat er nichts anderes, als Opfer zu fordern. Die filmische Aufbereitung dieses tiefschwarzen Kapitels der Menschheitsgeschichte zieht sich seit Dekaden durch die Kinolandschaft, mit der qualitativ strauchelnden 08/15-Trilogie von Paul May und dem überaus sehenswerten Hunde, wollt ihr ewig leben aus dem Jahre 1959 allerdings wurden erste klare Bemühungen dahingehend unternommen, die Gräuel der Vergangenheit zu bewältigen.

Blankgeputzte Stiefel und Blitze im Blick der Soldaten lassen eine Militärparade unter den Augen von Adolf Hitler voller Stolz ruhmreich erstrahlen, bis Hunde, wollt ihr ewig leben in einem Gegenschnitt das wahre Gesicht des Krieges offenbart: Tiefgefrorene Leichen auf weiter Flur des russischen Winters. Die Eroberung von Stalingrad war von Beginn an ein nahezu unmögliches Unterfangen, Hitler quittierte die massiven Warnsignale seiner vor Ort operierenden Offiziere mit verblendeten Durchhalteparolen, die prononcierte Aussichtslosigkeit deutete er als Schwarzseherei: Stalingrad glich einem Himmelfahrtskommando, der sowjetische Industriestandort, der als Ausgangspunkt für den Vorstoß in den Kaukasus dienen sollte, wurde zum Massengrab. Und Regisseur wie Drehbuchautor Frank Wisbar (Nasser Asphalt), der 1938 in die Staaten emigrierte, sträubt sich nicht, die Erbärmlichkeit des Krieges durch Bilder von verstörender Klarheit ungemein wirkungsvoll einzufangen.

Sicherlich kann sich Hunde, wollt ihr ewig leben nicht davon freisprechen, partiell auf eine gewisse äußere Spannung abzuzielen, was ein geläufiger Konflikt in der Wahrnehmung des Kriegsfilm aufzeigt: Die dramatische Inszenierung des Schlachtengetümmels zugunsten eines dramaturgischen Effekts. Frank Wisbar scheint sich von dieser Problemstellung nicht gänzlich lösen zu konnen, aber er versucht, die Thematik über einen dramaturgischen Ansatz anzugehen. Nicht nur schaltet sich zuweilen ein Sprecher aus dem Off ein, der das Geschehen kommentiert und es in einen Kontext setzt, Hunde, wollt ihr ewig leben setzt gleichwohl auf Archivaufnahmen und versetzt das pure Filmerlebnis in einen Zustand halb-fiktionaler Tatsachenbeschreibung. Wisbar ist es dabei vor allem daran gelegen, die moralische Diskrepanz zwischen militärischer Logik und menschlicher Ratio zu akzentuieren und so die Hilflosigkeit der Soldaten herauszukristallisieren, sich Befehlen zu widersetzen.

Hunde, wollt ihr ewig leben definiert sich selber als ein Mahnmal, welches es nicht zu vergolden gilt. Ein Gedenken an die unzähligen Gestorbenen, deren Grabsteine und Totengewölbe die Ruinenlandschaft von Stalingrad wurde. Unter Schnee, Frost und Wind wurde alsbald das bedeckt, was einst strahlend, siegesgewiss und dementsprechend illusorisch begann. Als besonders bitter stellen sich die Kontraste heraus, mit denen der Film arbeitet. Nicht nur die bereits erwähnte Eröffnungssequenz bringt die Überschätzung der Kräfte der Wehrmacht zum Ausdruck. Gegen Endes des Filmes hallt eine Rede von Reichsmarschall Hermann Göring durch die Reihen Verwundeter und Dahinsiechender, die kundtut, dass ein Soldatenleben nur einen Zweck erfüllen kann: Das Sterben. Oder übersetzt: Das sinnlose Verheizen. Dass das Radio auf dem Boden zerschellt wird, ist ein erster Akt auf dem langen Pfad der Emanzipation.

Fazit

Eindrucksvolles Nachkriegskino, welches sich zielstrebig mit dem Leben und Sterben der 6. Armee auseinandersetzt. Zwar kann sich "Hunde, wollt ihr ewig leben" gewissen Mechanismen der äußeren Spannungserzeugung nicht widersetzen, bleibt aber bis heute ein starkes Mahnmal der deutschen Filmgeschichte.

Autor: Pascal Reis
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.