6.0

MB-Kritik

Iron Maiden: Burning Ambition 2026

6.0

Steve Harris
Bruce Dickinson
Nicko McBrain
Adrian Smith
Dave Murray
Janick Gers
Blaze Bayley
Rod Smallwood
Chuck D
Simon Gallup
Scott Ian
Tom Morello
Javier Bardem
Gene Simmons
Lars Ulrich

Inhalt

Als eine der größten Metal-Bands haben Iron Maiden eine musikkulturelle Bewegung mitgeprägt. Die Dokumentation skizziert die Bandgeschichte und den weitreichenden Einfluss von Heavy Metal auf die Gesellschaft anhand von Interviews, Liveszenen und intimen Einblicken. Zu Wort kommen neben der Band auch bekannte Persönlichkeiten und Fans.

Kritik

Metal ist ein Phänomen. Die meisten Außenstehenden schlittern nur an dem Genre vorbei und verbinden es entweder mit Klischees (alles biertrinkende, nach Schweiß riechende Langhaarige, und eigentlich wird doch nur geschrien) oder romantisieren es (Metalheads sind die nettesten Menschen der Welt). Beides ist natürlich quatsch.

Wer den Schritt nach innen geht, stellt schnell fest, wie gigantisch die Metalszene ist. Sowohl hinsichtlich der Fanbase, die sich global in verschiedenste Subkulturen erstreckt, als auch musikalisch, denn der Musikstammbaum hat sehr viele Äste. Übrigens: Geschrien wird meist nur im Extreme Metal – aber auch in dem Breich gibt es Klargesang.

Iron Maiden sind da nicht einzuordnen. Sie agieren im traditionellen Metal und gelten als renommierteste und einflussreichste Band des New Wave of British Heavy Metal (NWoBHM). So viel zur grundlegenden Einordnung.

Und wie sieht es mit der filmischen Basis bei Iron Maiden aus? Wenn eine Musikgruppe seit mehr als 50 Jahren aktiv ist, gibt es zahlreiche Aufnahmen, die auch vielfach zu Dokumentationen zusammengeführt wurden. Ende 2004 kam The History Of Iron Maiden, Part 1: The Early Days raus. Der zweite Teil gehört zur „Live After Death“-Doku aus dem Jahr 2008. Ein Jahr später erschien mit Iron Maiden: Flight 666 ein Film von Sam Dunn, der auch die Metal-Dokus A Headbanger's Journey und Global Metal gedreht hat.

Unter der Regie von Malcolm Venville (Henry und Julie) und produziert von Dominic Freeman durchläuft Iron Maiden: Burning Ambition jetzt die gesamte Bandgeschichte – bei 105 Spielminuten schneller als so manches Gitarrensolo. Ziel war es, die kompromisslose Bandvision und die Verbundenheit von Iron Maiden mit ihrer Fangemeinde zu dokumentieren und auch dem legendären Eddie (dem Bandmaskottchen) genug Raum zu geben. Das kommt durchaus rüber, ein klarerer Fokus wäre aber wünschenswert gewesen.

Keine Frage, es ist erstaunlich zu sehen, wie Iron Maiden in den Pubs im Londoner East End begonnen und sich zu einer Band entwickelt haben, die riesige Stadien füllt. Aber das wissen Menschen, die mit ihrer Musik und dem Werdegang vertraut sind, nur zu gut – und haben es so oder anders auch bereits gesehen. Gitarrist Adrian Smith, heute 69 Jahre alt, hat im Gespräch mit dem Rolling Stone Brasil gesagt, dass „sogar Leute daran interessiert sein [könnten], die nicht wirklich etwas über Iron Maiden wissen.“ Vielleicht sind diese Personen sogar die primäre Zielgruppe.

Selten gezeigte Archivaufnahmen sind sicherlich ein guter Grund, sich Iron Maiden: Burning Ambition anzuschauen. Und es ist cool, dass sich beispielsweise Filmstar Javier Bardem (No Country for Old Men), bekennender Metalhead, mehrmals äußert. Metal-Prominenz wie Lars Ulrich (Some Kind of Monster, Metallica) und Gene Simmons (Why Him?, Kiss) sind hingegen Nice-to-haves, aber die Altherren hatten doch eigentlich schon genug Showtime in unzähligen Interviews und Dokus. Generell hätte es gern mehr weibliche Stimmen geben dürfen. Zudem wirkt es auf manche eventuell befremdlich, dass die Mitglieder von Iron Maiden selbst nur zu hören, in den Gesprächssituationen aber nicht zu sehen sind.

Fazit

Für die treuesten Bandliebhaber:innen ist jeder Schnippsel ein Leckerli. Da wird „Iron Maiden: Burning Ambition“ keine Ausnahme machen. Spannender zu beobachten wäre es, ob die Dokumentation auch neue Fans ziehen kann. Für jemanden, der tief in der Metalwelt verwurzelt ist, Iron Maiden sehr zu schätzen weiß, aber schon viel gehört und gesehen hat, wirkt der Film jedoch ein wenig wie eine Compilation ohne klar erkennbaren Mehrwert.

Autor: André Gabriel
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