MB-Kritik

Death Has no Master 2026

Asia Argento
Dogreika Tovar
Jorge Thielen Hedderich
Yermain Sequera
Arturo Rodríguez
Jericó Montilla
Jose Aponte

Inhalt

Als die Erbin einer kolonialen Kakaoplantage in Venezuela aus dem Ausland anreist, um ihr Erbe anzutreten, sieht sie sich gezwungen, sich sowohl den derzeitigen Bewohnern des Landes als auch dessen dunklem, gewaltsamem Erbe zu stellen.

Kritik

Familiäre Narben und die offenen Wunden Venezuelas brutaler Kolonialgeschichte überlagern einander in Jorge Thielen Armands (Fortitude) gespenstischem Thriller. Dessen grimmiger Plot führt die atmosphärischen und politischen Motive der vorangehenden Werke des venezolanischen Regisseurs zu einem gespenstischen Höhepunkt, an dem Realität und Alptraum austauschbar erscheinen. Der unheilvolle Titel verweist auf die kolonialistische Hybris und Herrschaftsüberzeugung, die der prototypischen Protagonistin zum Verhängnis werden. In Venezuela geboren, doch im europäischen Ausland sozialisiert, repräsentiert Caro (Asia Argento, Interstate) die neo-kolonialistische Nachfolge einer nur oberflächlich überwundenen Vergangenheit. 

Deren Schatten hängt bedrückend über dem ehemaligen Familienanwesen, zu dem sie nach Jahrzehnten in Europa zurückkehrt, um die verwilderten Kakao-Plantagen ihres verstorbenen Vaters zu verkaufen. Doch inzwischen leben die ehemalige Hausangestellte Sonia (Dogreika Tovar), ihr Sohn Maiko (Yermain Sequera) und der alte Grundaufseher Yoni (Arturo Rodríguez) in dem verfallenden Gut, das kaum noch etwas wert ist. Unterstützt von ihrem zwielichtigen Anwalt Roque (Armands Vater Jorge Thielen Hedderich, La Soledad) beansprucht Caro das Haus, das mit seinem schäbigen Kolonialstil-Mobiliar und heruntergekommenen Prunk zugleich Monument und Relikt imperialistischer Unterdrückung ist. 

Der schleichend eskalierende Eigentumskonflikt zwischen ihr und der von Existenzverlust bedrohten Sonia beschwört die Geister der kolonialistischen Vergangenheit, die sich ökonomisch, psychologisch und symbolistisch manifestieren. Die gespenstische Geräuschkulisse vermittelt die mentale Destabilisierung der arroganten Anti-Heldin, die im doppelten Sinn das Erbe ihres repressiven Vaters antritt. Mit somnambulem Blick bewegt sie sich selbst wie ein Gespenst durch die Ruinen eines längst verblichenen Prunks, erschaffen aus Ausbeutung und Gewalt. Kriechende Zooms und eine moderige Farbpalette schaffen eine Aura gespenstischen Verfalls, der Caros moralischen Niedergang versinnbildlicht.

Fazit

Psychothriller, Kolonial-Krimi und Schauermärchen verwebt Jorge Thielen Armand zu einer abgründigen Parabel von historischer Schuld, imperialistischer Verblendung und einer sich unerbittlich reproduzierenden Gewalt. Spukhafte Sound-Elemente und ominöse Kulissen verleihen den angespannten Kameraaufnahmen eine Aura unterschwelliger Bedrohung. Stilistische Anleihen beim Genre-Kino geben dem allegorischen Szenario die surreale Schleier einer Fieberphantasie. Gleichsam intensiv, doch technisch verschieden, katalysieren Argento und Laien-Darstellerin Tovar Darstellungen die gefährliche Dynamik zwischen den von ihnen verkörperten Antagonistinnen. Die modernde Plantage wird zum Sinnbild zur unverarbeiteten Geschichte eines Landes, dessen politische Gegenwart die Vergangenheit spiegelt. 

Autor: Lida Bach
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