Inhalt
Grundlage ist das Buch eines Mitglieds einer politischen Guerillaorganisation, das nach einem Banküberfall vom Mob gelyncht wird. Zugleich erzählt der Film vom Versuch, kompromisslos im Guerilla-Modus zu drehen, ohne Zugeständnisse an das System.
Kritik
Es braucht nicht sonderlich viel Scharfblick, um zu erkennen, dass Edgar Pêra (Telepathic Letters) einen Teil seines eigenen jüngeren Ichs in dem prototypischen Protagonisten seiner betont meta-textuellen Mockumentary sieht. Je mehr er sich in Manuel Ricardo de Sousas gleichnamige Buchvorlage vertiefte, berichtet der portugiesische Regisseur im Off-Kommentar, desto mehr Gemeinsamkeiten entdeckte er zwischen seinem eigenen Projekt und den anarchischen Aktionen dessen Anti-Helden: ein äußerlich unauffälliger Student, der sich im Portugal der frühen 70er einer radikalen Untergrundorganisation anschloss und nach einem Bankraub von einer Menschenmasse gelyncht wurde.
Die absurd komischen Aspekte dieses militanten Melodramas benennt Pêra sogar, aber ihm entgehen dennoch augenscheinlich die seiner persönlichen Projektion auf die Agit-Pop Apotheose. Deren erster Akt ist noch in groben Zügen erkennbar als experimentelle Amateur-Adaption de Sousas Novelle. Doch bereits diese balladeske Bankräuber-Saga durchbrechen Szenen der Dreharbeiten und Aufnahmen im Tonstudio, die das Szenario als filmische Inszenierung zu erkennen geben. Im ursprünglichen Krimi-Projekt ging es vielleicht mal um damals zeitaktuelle Themen wie den gewalttätigen Glamour radikaler Organisationen oder das gesellschaftliche Echo revolutionärer Episoden.
Geblieben ist davon wenig in dem autobiographischen Palimpsest, dessen formale Wildheit vorrangig Zufallsprodukt scheint. Ein Großteil des konventionelle aufbereiteten Filmmaterials wurde beschädigt und erhielt so die beschädigte, verkratzte Textur, die ihm einen paradoxen ästhetischen Reiz verleiht. Zwischentitel behaupten, das egozentrische Experiment sei weiterhin ein hochpolitisches Projekt im Widerstand gegen staatliche Unterdrückung und bürgerliche Zwänge. Die inhärenten Widersprüche dieses Gestus, etwa das mittelständische Milieu beider Hauptfiguren oder das Heroisieren weißer männlicher Wut, übergeht die chaotische Collage ebenso wie das wiederkehrende Motiv bürgerlicher Gewaltbereitschaft.
Fazit
Retro-Readikalisierungs-Romanze und egomanisches Essay vermischt Edgar Pêras zu einem dokumentarischen Hybrid-Werk, das seinen eigenen Undergournd-Status erst konstruiert und dann damit kokettiert. Politische Programme sind in dem Malstrom teils bewusst verfremdeter, teils durch Zufall verformter Bilder lediglich dekoratives Beiwerk optischer Spielereien und ideologischer Ikonographie. Deren konkrete Inhalte und Ziele bleiben vage. Rebellisches Auftreten und pseudo-tiefgründige Sprüche sind wichtiger, wie die Zwischen-Titel unterstreichen „A Polemic Issue“, „To Shoot Like a Punk Band“, „Anti-Zombies Manifesto“. Und Terence McKenna verkündet: „History is ending. Take back your mind.“
Autor: Lida Bach