6.2

MB-Kritik

Das Ende der Sterne 2026

Sci-Fi, Adventure, Thriller

6.2

Jacob Elordi
Margaret Qualley
Josh Brolin
Guy Pearce
Allison Janney
Benedict Wong
Ewen Bremner
James Craze
Sam Spruell
Sai Bennett
Sebastian Rokison-Woodall
Alara-Star Khan
Daisy Kakkar
Brendan O'Rourke
Jean Michael Sinisterra Munoz
Mario Alberto Estrada Sanchez

Inhalt

Eine tödliche Pandemie hat die Welt fast vollständig entvölkert. Big Hig (Jacob Elordi) lebt mit seinem Hund Jasper auf einem abgelegenen Flugplatz, den er gemeinsam mit dem misstrauischen Ex-Marine Bangley (Josh Brolin) verteidigt. Die beiden haben sich in der Isolation eingerichtet, bis Hig eines Tages einen Funkspruch empfängt, der Hoffnung auf weitere Überlebende und vielleicht sogar eine neue Gemeinschaft weckt. Entschlossen, Antworten zu finden, startet er mit seiner kleinen Cessna in das Ungewisse.

Kritik

wird oft mit großem Kino verbunden – mit Klassikern wie Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt und Blade Runner, aber ebenso mit Filmen, deren Ambitionen größer waren als ihre Wirkung. Dabei wird gern übersehen, dass Scott immer wieder kleinere Geschichten erzählt. Nicht unbedingt kleinere Produktionen, sondern Filme, die sich stärker auf Figuren, Beziehungen und überschaubare Konflikte konzentrieren. Was dabei fast immer bleibt, ist sein ausgeprägter Weltenschöpferdrang. Ob Zukunft, Vergangenheit oder Gegenwart: Scott versucht, jedem Film eine eigene Atmosphäre und gesellschaftliche Ordnung zu geben.

Das Ende der Welt ohne großes Endzeit-Spektakel

Das Ende der Sterne bildet da keine Ausnahme. Auf dem Papier klingt das nach klassischer Endzeit-Unterhaltung: Eine zerstörte Welt, knappe Ressourcen, bewaffnete Überlebende und die ständige Gefahr, dass der Mensch dem Menschen zum Wolf wird. Auf der Leinwand entsteht daraus allerdings eine erstaunlich entspannte Variante des Postapokalypsenfilms. Statt permanent auf Spektakel zu setzen, lässt Scott seine Geschichte atmen.

Dabei hilft die Kameraarbeit von Erik Messerschmidt, der seit Jahren mit David Fincher zusammenarbeitet. Seine Bilder wirken klar, greifbar und angenehm unaufdringlich. Digitale Effekte werden nicht zum Selbstzweck, die zerstörte Welt fühlt sich tatsächlich bewohnt an. Gerade diese Bodenständigkeit macht den Film interessant. Die Apokalypse wird nicht als gigantisches Ereignis inszeniert, sondern als Alltag, mit dem sich die Menschen irgendwie arrangieren müssen.

Auch erzählerisch bleibt Scott meist auf vertrautem Terrain. Viele Motive kennt man aus anderen Endzeitfilmen, doch sie werden erstaunlich zügig abgehandelt. Ein Angriff bei Nacht oder der Ausflug zu einem verlassenen Flughafen bedienen zwar klassische Genremechanismen, wirken im Vergleich zum restlichen Film jedoch fast wie Fremdkörper. Dort, wo die Romanverfilmung plötzlich großes Endzeitkino spielen möchte, verliert sie etwas von seiner eigentlichen Stärke.

Survival, Waffen und die Frage nach Gemeinschaft

Spannender wird der Film, wenn er sich für seine Figuren interessiert. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Hig und Bangley ( und ). Bangley ist Veteran, Waffenexperte und Überlebenskünstler – ein Mann, der Sicherheit vor allem durch Kontrolle, Misstrauen und Feuerkraft herstellen möchte. Er verkörpert damit durchaus ein politisches Weltbild, in dem Eigenverantwortung schnell bedeutet, dass jeder für sich selbst sorgen muss.

Interessant ist allerdings, dass der Film diese Haltung nicht einfach zur Karikatur macht. Bangley ist nicht bloß der bewaffnete Hinterwäldler, sondern jemand, dessen Härte aus Angst und Verlust entstanden ist. Gleichzeitig stößt Hig immer wieder an die Grenzen dieses Survival-Prinzips. Als er Cima () und ihren Vater (Spitzname: Pops) kennenlernt, öffnet sich die Geschichte für eine andere Vorstellung vom Überleben: nicht als permanente Verteidigung gegen die Außenwelt, sondern als Möglichkeit, wieder Beziehungen aufzubauen.

Gerade darin liegt die politische Ebene des Films. Das Ende der Sterne fragt weniger danach, wer in einer Katastrophe am besten schießen kann, sondern wer bereit ist, anderen zu vertrauen. Waffen geben Sicherheit, aber sie ersetzen weder Gemeinschaft noch Empathie. Pops, gespielt von , ist dabei eine interessante Ergänzung zu Bangley: ebenfalls erfahren und wehrhaft, aber deutlich offener für Risiko und Begegnung. Die beiden Männer stehen für zwei Varianten derselben Überlebenslogik – und für die Frage, welche davon langfristig überhaupt eine Zukunft ermöglicht.

Eine leise politische Botschaft mit Ecken und Kanten

Das ist durchaus bemerkenswert, weil der Film seine politischen Gedanken nicht mit dem Holzhammer vermittelt. Manche Figuren und Einstellungen dürften beim amerikanischen Publikum durchaus an jene politische Kultur anschließen, in der Waffenbesitz, Misstrauen gegenüber staatlichen Strukturen und individuelle Selbstbehauptung einen hohen Stellenwert besitzen. Gleichzeitig verweigert sich der Film einer einfachen ideologischen Vereinnahmung.

Denn am Ende ist Das Ende der Sterne zu empathisch, zu offen und zu sehr an menschlicher Verbindung interessiert, um als bloße Survival-Fantasie durchzugehen. Die eigentliche Gegenposition zur Angst ist hier nicht Pazifismus und schon gar nicht Naivität, sondern Gemeinschaft. Das wirkt gelegentlich etwas simpel, besitzt aber gerade deshalb eine angenehme Klarheit.

Scott liefert damit kein großes Endzeit-Epos – und will es offenbar auch gar nicht sein. Die stärksten Momente entstehen nicht bei den Angriffen oder an den spektakuläreren Schauplätzen, sondern dort, wo Menschen entscheiden müssen, ob sie sich abschotten oder einander vertrauen. Ein kleinerer Ridley-Scott-Film also – und gerade deshalb ein gelungener. Ganz nebenbei ist es vermutlich einer der entspanntesten Endzeitfilme überhaupt.

Fazit

„Das Ende der Sterne“ setzt weniger auf großes Spektakel als auf Figuren, Atmosphäre und leise politische Zwischentöne. Kein großes Epos, aber ein bodenständiger und empathischer Endzeit-Film – und ganz nebenbei der wohl entspannendste Vertreter seiner Art.

Autor: Sebastian Groß
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