7.7

MB-Kritik

Spider-Man: Brand New Day 2026

7.7

Tom Holland
Zendaya
Mark Ruffalo
Jon Bernthal
Jacob Batalon
Sadie Sink
Florence Pugh
Liza Colón-Zayas
Tramell Tillman
Marisa Tomei
Naomi Watts
Michael Mando
Keith David
Marvin Jones III
Olivia Booth-Ford
Taryn Marie Butler

Inhalt

Vier Jahre sind seit den Ereignissen von „No Way Home“ vergangen. Peter ist nun erwachsen und lebt für sich allein, nachdem er sich freiwillig aus dem Leben und den Erinnerungen derer, die er liebt, ausgelöscht hat. Er bekämpft Verbrechen in einem New York, das ihn und seinen Namen nicht mehr kennt, und widmet sich ganz dem Schutz seiner Stadt: Spider-Man in Vollzeit. Doch mit den steigenden Anforderungen löst der Druck eine überraschende körperliche Veränderung aus, die seine Existenz bedroht – gerade als eine seltsame neue Art von Verbrechen eine der mächtigsten Bedrohungen hervorbringt, denen er je gegenüberstand.

Kritik

Es gibt im Superheldenkino viele große Namen. Doch wenn es um echte Zugkraft geht, spielt Spider-Man nach wie vor in einer eigenen Liga. Kaum eine andere Comicfigur verbindet Generationen so mühelos und kaum ein anderer Held schafft es, selbst nach Jahrzehnten auf der Leinwand immer wieder neue Rekorde ins Visier zu nehmen. Das zeigt sich nicht nur an der anhaltenden Popularität der Figur, sondern auch an den Erwartungen rund um den vierten MCU-Auftritt von . Marktbeobachter rechnen damit, dass Spider-Man: Brand New Day bereits in den ersten beiden Wochen seines weltweiten Kinostarts die Marke von einer Milliarde US-Dollar überspringen könnte – eine Prognose, die selbst im Blockbuster-Zeitalter außergewöhnlich ist.

Große Erwartungen, kleiner Neuanfang

Für Marvel kommt dieser Erfolgsaussicht zudem eine besondere Bedeutung zu. Nach einer Reihe wechselhaft aufgenommener Filme und Serien lastet auf Peter Parker einmal mehr die Hoffnung, dem MCU neuen Schwung zu verleihen. Dass ausgerechnet Spider-Man diese Rolle zukommt, überrascht kaum: Schon mehrfach hat die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft bewiesen, dass sie das Publikum wie kaum eine andere Comicfigur mobilisieren kann. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Spider-Man: Brand New Day die Kassen klingeln lässt – sondern ob der Film seinem enormen Hype auch qualitativ gerecht wird.

Hinter der Kamera gibt es dabei die wohl größte Veränderung seit Hollands Einstand als Peter Parker: Nach der erfolgreichen Home-Trilogie hat den Regiestuhl geräumt, stattdessen übernimmt (gefeiert wegen Short Term 12, MCU erprobt mit Shang-Chi). Im Marketing setzte Sony vor allem auf die Rückkehr des Punisher, den erneut  verkörpert und der früh zur zentralen Werbefigur wurde. Deutlich geheimnisvoller ging das Studio dagegen mit um, deren Rolle bis zuletzt unter Verschluss blieb. Komplettiert wird das Ensemble von als Bruce Banner beziehungsweise Hulk sowie und als MJ und Ned. Nach den Ereignissen aus Spider-Man: No Way Home erinnern sich beide allerdings nicht mehr an Peter Parker – eine Ausgangslage, die enormes emotionales Potenzial verspricht.

Auf dem Papier schlägt Spider-Man: Brand New Day tatsächlich eine spannende Richtung ein. Veränderung bildet das zentrale Motiv der Geschichte – emotional ebenso wie körperlich. Während Peter mit seiner Einsamkeit ringt und lernen muss, ohne die wichtigsten Menschen seines Lebens weiterzumachen, spielen auch physische Entwicklungen eine Rolle. Gerade dieser Aspekt, seit jeher ein Kernelement vieler Spider-Man-Geschichten, bleibt jedoch überraschend oberflächlich. Statt die vielversprechenden Ideen auszubauen, überlädt der Film seine Handlung mit Nebenfiguren, Subplots und Franchise-Ballast.

Starke Figuren, schwache Prioritäten

Dabei zeigt sich, dass Cretton ein Gespür für zwischenmenschliche Momente besitzt. Die ruhigeren Szenen gehören zu den stärksten des Films. Besonders Peter Parkers schmerzhafte Distanz zu MJ und Ned entwickelt eine emotionale Wucht, die an frühere Spider-Man-Abenteuer erinnert. Immer dann, wenn sich die Geschichte auf ihre Figuren konzentriert, gewinnt sie an Tiefe. Doch kaum entsteht echtes Drama, übernimmt wieder die Marvel-Maschinerie und lenkt den Blick auf das große Ganze.

Genau hier liegt das größte Problem von Brand New Day. Der Film vertraut seinen stärksten Ideen zu selten und setzt stattdessen immer wieder auf Fanservice. Die Dynamik zwischen Spider-Man und Frank Castle funktioniert zwar überraschend gut und sorgt für einige unterhaltsame Schlagabtausche. Gleichzeitig wirkt es wie ein Affront gegenüber der Figur des Punisher, ihn derart zu entschärfen, dass von seiner kompromisslosen Härte kaum mehr etwas übrig bleibt. Was bleibt, ist Fanservice von der Stange. Ähnliches gilt für Bruce Banner und Hulk, deren Auftritte kaum erzählerisches Gewicht besitzen. Auch das große Geheimnis um Sadie Sinks Figur – das selbstverständlich nicht verraten wird – dürfte vor allem eingefleischte MCU-Fans begeistern. Innerhalb dieses Films bleibt die Enthüllung jedoch erstaunlich folgenlos.

Visuell liefert Spider-Man: Brand New Day ebenfalls ein gemischtes Bild ab. Zwar gelingen einige stimmungsvolle Einstellungen, doch gerade die zahlreichen Flugsequenzen durch New York leiden unter auffällig künstlich wirkenden Computereffekten, denen es an Dynamik und physischer Präsenz fehlt. Positiv fällt dagegen auf, dass das Finale nicht in einer endlosen Materialschlacht untergeht. Stattdessen setzt der Film auf einen vergleichsweise bodenständigen Abschluss, der Solidarität über reine Zerstörung stellt.

Tom Holland bleibt das Herz des MCU

Getragen wird das Abenteuer einmal mehr von Tom Holland. Er verleiht Peter Parker jene Verletzlichkeit und Ehrlichkeit, die den emotionalen Kern der Figur seit seinem ersten Auftritt ausmachen. Auch Zendaya nutzt ihre wenigen großen Szenen effektiv, während Jon Bernthal trotz der deutlich weichgespülteren Interpretation des Punisher enorme Präsenz ausstrahlt und jede Szene belebt, in der er auftaucht.

Es bleibt dennoch das Gefühl einer verpassten Gelegenheit. Spider-Man ist innerhalb des MCU nach wie vor eine seiner lebendigsten, sympathischsten und erzählerisch interessantesten Figuren. Umso bedauerlicher ist es, dass Spider-Man: Brand New Day diesen Neuanfang nie konsequent verfolgt. Statt mutig neue Wege einzuschlagen, ordnet sich der Film immer wieder den Bedürfnissen eines immer größer aber auch redundanter werdenden Universums unter.

Fazit

Der Titel verspricht den Beginn eines neuen Tages. Tatsächlich fühlt sich dieser jedoch weniger wie ein frischer Sonnenaufgang an als wie ein gewöhnlicher Dienstag im Marvel-Büro: routiniert, funktional und am Ende erstaunlich austauschbar.

Autor: Sebastian Groß
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