6.3

MB-Kritik

Spider-Man 3 2007

Action, Sci-Fi, Adventure

6.3

Tobey Maguire
Kirsten Dunst
James Franco
Thomas Haden Church
Topher Grace
Bryce Dallas Howard
Rosemary Harris
J.K. Simmons
James Cromwell
Theresa Russell
Dylan Baker
Bill Nunn
Bruce Campbell
Elizabeth Banks
Ted Raimi
Perla Haney-Jardine

Inhalt

Eigentlich könnte alles wunderbar laufen für Peter Parker (Tobey Maguire), seit er seiner Freundin Mary Jane Watson (Kirsten Dunst) seine Geheimidentität "Spiderman" offenbart hat. Doch am Horizont zeigen sich bald neue dunkle Wolken, als der Ausbrecher Flint Marko (Thomas Hayden Church) durch einen Unfall in den geheimnisvollen "Sandman" verwandelt wird, einen Mutanten, der seine Moleküle verändern kann. Peter ist bald persönlich betroffen, denn offenbar hat Marko etwas mit dem Mord an seinem Onkel zu tun. Doch es zeigt sich neues Unheil: eine außerirdische schwarze Substanz ergreift von Peter Besitz, die seine dunkle, machtstrebende Seite zum Vorschein bringt.

Kritik

Inzwischen hat Sam Raimi (The Gift – Die dunkle Gabe) auch öffentlich zugegeben, dass er es ist, der die Schuld an den Schmährufen trägt, die Spider-Man 3 zuhauf erfahren musste. Als Grund gab der Filmemacher an, dass es ihm an Glauben gemangelt hat, um der Materie gerecht zu werden, und das Studio sich letztlich dazu entschied, entgegen seiner künstlerischen Auffassung, den formidablen Vorgänger in jedweder Hinsicht zu toppen: Größer, lauter, schneller! Rasant muss es hergehen, Intimitäten rentieren sich nicht! Dass Sam Raimi sich viel ausgiebiger auf die Innenleben der Charaktere konzentrieren wollte, konfligiert natürlich mit dem kommerziellen Anspruch, auf die tricktechnische Gigantomanie zu bauen, die eine derart unverschämt teure Produktion wie Spider-Man 3 nun mal zwangsläufig aufbereiten muss. Das Ergebnis ist ein wenig durchwachsen, keine Frage, dennoch ist noch einiges von Sam Raimis Vision erhalten geblieben – und Spider-Man 3 ein durch und durch angemessener Trilogie-Abschluss.

Schon in Spider-Man 2 fiel auf, dass sich Sam Raimi zu viel narrativen Ballast mit sich herumgeschleppt hat, war es doch ohnehin Peter Parkers respektive Spider-Mans (Tobey Maguire, Gottes Werk und Teufels Beitrag) Selbstfindung (inklusive psychosomatischer Komplikationen), die den Interessenschwerpunkt darstellte. Spider-Man 3 verfügt über ein ähnliches Defizit, denn eigentlich liegt es dem Film ganz ausdrücklich daran, Peter Parkers dichotomischen Kampf gegen sich selbst zu vertiefen, es scheint allerdings nicht im Geiste der Produzenten gewesen zu sein, einen rein kontemplativen Charakter-Film zu inszenieren und so werden um das Motiv der charakterlichen Dualität der Figur Spider-Man unzählige Nebenschauplätze aus dem Boden gestampft, die Sam Raimi mal mehr, mal weniger souverän abhandelt. Gerade, dass Peter es nicht nur mit dem Sandman (Thomas Haden Church, Sideways) zu tun bekommt, sondern auch noch mit dem seinen Vater beerbenden Harry (James Franco, Palo Alto) und dem hinterlistigen Fotografen Eddie Brock (Topher Grace, Predators), der später zu Venom mutiert, niederlegt die Überladenheit.

Zudem bleibt die Liebe ein seltsames Spiel, natürlich, und Peter muss sich nicht nur um seine große Liebe Mary Jane (Kirsten Dunst, Melancholia) kümmern, sondern vernimmt auch deutliche Avancen von Gwen Stacy (Bryce Dallas Howard, Jurassic World), eine seiner Kommilitoninnen. Viel Input, sogar für eine Lauflänge von stattlichen 139 Minuten. Spider-Man 3 überzeugt dennoch, weil sich Sam Raimi auf ein Statut besinnt, welches das Spider-Man-Franchise seit jeher auszeichnet: Menschlichkeit. Es menschelt weiterhin, die Charaktere bleiben nahbar und organisch, ihr Fehlverhalten und ihre Heldentaten speisen sich weiterhin aus der Quelle des Wahrhaftigen. Der Lernprozess, der Spider-Man selbst auch endgültig zur geformten Persönlichkeit erklärt, führt ihn zur Vergebung, nachdem er von der Faszination des Bösen gekostet hat. Und die Set Pieces, die schwindelerregenden Sprünge, die berauschend-kinetischen Kampfsequenzen, sind wuchtiger und stürmischer. Zum Teil auf Kosten der Charakterdefinition, doch voll im Schwarm für den hochbudgetierten Eskapismus.

Fazit

Selbst ein gescheiterter Sam Raimi ist noch Klassen besser, als ein zufriedener Marc Webb. So viel dazu. Sicherlich ist Spider-Man 3 überladen und ein Stück weit entfernt von der narrativen Rhythmik, wie sie Teil 1 und Teil 2 noch vorzuweisen hatten. Dennoch schöpft Spider-Man 3 aus den Vollen, was sich sowohl auf die Tricktechnik, als auch auf den emotionalen Punch beziehen lässt. Ein toller Blockbuster, mit Hang zur Menschlichkeit und dem reinen Eskapismus. Mach's doch noch einmal, Sam.

Autor: Pascal Reis
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