Inhalt
Nach der kubanischen Revolution von 1959 schlossen sich drei Kämpfer dem Aufstand von Che Guevara an. Nach dem Kampf in Bolivien im Jahr 1967 und Ches Tod legten sie eine Strecke von 2.400 Kilometern zurück, verfolgt von 4.000 Soldaten. Sechzig Jahre später berichten Überlebende von diesem Kampf ums Überleben.
Kritik
Die Revolution mag längst diktatorischer Realität gewichen sein, der Gaube an eine ideale kommunistische Gesellschaft ein Relikt des Kalten Krieges und der Titelcharakter Christophe Dimitri Réveilles (Die Drei Musketiere - D'Artagnan) dokumentarischen Denkmals ein konformisiertes Konsumprodukt, irgendwo zwischen Micky Mouse, dem Anarchie-A und „Parental Advisory“-Marker. Doch das Trio gealterter Weggefährten, die der französische Regisseur vor die Kamera holt und wohl zum letzten Mal zusammenbringt, hängen immer noch an ihren alten Überzeugungen. Das ist das zwiespältige Fazit der historiographischen Rekapitulation.
Jene wandert auf den Spuren Che Guevaras mit dem harten Kern der Mitstreitenden, die ihm auf der letzten Etappe der legendären Revolution folgten. Harry Villegas alias Pombo, Leonardo „Urbano“ Tamayo Núñez und Daniel Alarcón Ramírez alias Benigno. Der Guerilla-Feldzug in Bolivien 1967 wurde zu Guevaras letzter strategischer Unternehmung. Nach seiner Gefangennahme und Exekution ergriffen die Männer verfolgt von tausenden bolivianischen Soldaten die Flucht. Ihre Augenzeugenberichte formen die atmosphärischen Animationen, zugleich cineastische Visualisierung und stilistische Subversion faktischer Korrektheit.
In den fesselnden Erzählungen bleiben die unscharfen Grenzen zwischen Geschichte und Geschichten indes nur angedeutet. In wie fern Núñez, Ramírez und Villegas unzuverlässige Erzähler sind, altersbedingt oder absichtlich, wird nie näher thematisiert. Ebenso fehlt eine tiefergehende Auseinandersetzung mit historischen Narrativen und der Schlüsselrolle ikonischer Idealfiguren in politischen Dogmen. Das inszenatorische Interesse gilt den drei zentralen Persönlichkeiten und ihren Perspektiven. Traumatische Momente sind bedrückend präsent und verdeutlichen den psychischen Preis, den der Platz in der Geschichte sie kostet.
Fazit
Die überlebensgroße Person Guevaras bleibt das entscheidende Momentum Christophe Dimitri Réveilles eindrucksvollen Epitaphs, doch in der kollektiven Rekonstruktion seines letzten Feldzugs ist er Nebenfigur. Indem er die filmische Bühne seinen Mitstreitern gibt, umgeht er die popkulturelle Übersättigung mit Guevaras Person und profitiert dennoch davon. Ähnlich ambivalent bleibt die inszenatorische Positionierung zwischen Realität und Romantisierung. Die mit dem gegenwärtigen dokumentarischen Trends gehende Hybrid-Form unterstreicht diesen konzeptionellen Konflikt. So essenziell die Zeitzeugnisse sind, so karg bleibt deren politische Analyse.
Autor: Lida Bach