3.8

MB-Kritik

Meat Kills 2025

Horror

3.8

Sem Ben Yakar
Bart Oomen
Caro Derkx
Sweder de Sitter
Emma Josten
Juliëtte van de Weerdt
Chardonnay Rillen
Tommy Zonneveld
Derron Lurvink

Inhalt

Um in eine Aktivistengruppe aufgenommen zu werden, filmt Mirthe Tierquälerei auf einem Schweinehof. Als die toten Tiere entdeckt werden, plant ihr Anführer Rache - Mirthe muss sich entscheiden.

Kritik

„Schweine sind manchmal wie Menschen. Und Menschen wie Schweine.“

Eine handfeste Schweinerei ist Meat Kills ohne Frage. Nicht umsonst rasselte der niederländische Film in erster Instanz durch die FSK-Prüfung, bekam dann im zweiten Anlauf aber doch noch ungeschnitten die in dem Fall (anders als im Straßenverkehr) begehrte, rote Plakette. Was nicht heißt, dass der Film verboten werden sollte – das haben ja bis heute selbst Filmschaffende wohl noch nicht verstanden -, sondern dass er in dieser Form ursprünglich nicht hätte beworben werden dürfen und ausschließlich dort vorgeführt oder zum Verkauf angeboten, wo Minderjährige keinen Zutritt haben. Also keine Zensur oder Verbot, sondern lediglich eine kommerzielle Hürde, die für erwachsenen Menschen jedoch alles andere als unüberwindbar ist. 

Im Gegensatz zu so manch anderen Werk, dass sich in diesem Jahr Promotion-technisch clever in die angebliche Opferrolle begab und dem Tonfall seines potenziellen Publikums damit nur noch mehr schmeichelte, stehen bei Meat Kills dabei keinerlei ethischen Gründe oder gar der Vorwurf der Volksverhetzung im Raum, sondern ist gemünzt auf seinen reine Gewalt- und Härtegrat. Da lässt sich Regisseur Martijn Smits (außerhalb seiner Heimat bisher nicht nennenswert in Erscheinung getreten) keinesfalls lumpen. Ein Slasher im Schlachthof, wie naheliegend (und damit auch gut) kann eine Prämisse eigentlich sein? Man könnte dadurch vielleicht spontane Assoziationen zu The Texas Chainsaw Massacre in den Kopf bekommen, tatsächlich erscheint Meat Kills mehr wie ein verspäteter Ableger der New French Exremity. Also jener Bewegung, die 2003 durch High Tension ihren Anfang nahm und mit Inside oder Martyrs bereits wenige Jahre später schon ihren kurzlebigen Höhepunkt feierte, bevor dieser Trend schon wieder an Relevanz verlor. Viel Gore, wenig Fun, blanker Terror und ein zumindest halbwegs realistisches, aktuell anmutendes Szenario, zumindest eingebettet in ein solches.

„Jedes Tier verdient Liebe!“

Hier bricht eine Gruppe militanter Tierschützer in einen Schlachthof für Schweine ein, um die dort herrschenden Missstände zu dokumentieren und die Tiere zu befreien. Dabei stoßen sie auf die Betreiber, bestehend aus einer Familie. Doch speziell der Animal Army-Anführerin Nasha (Emma Josten) geht es eindeutig um Vergeltung. Auge um Auge, Rüssel um Rüssel. Die Tierschänder sollen leiden wie ihre Opfer und so kippt das Ganze schnell in eine Richtung, die sich Mirthe (Caro Derkx), die der Gruppe eigentlich als neues Mitglieder beitreten wollte, so ganz und gar nicht ausgemalt hat. Gewalt erzeugt Gegengewalt, das kennen wir, und somit kommt im Film kein einziges Tier zu Schaden, dafür werden alle vorhandenen Schlachtwerkzeuge trotzdem munter eingesetzt und die rivalisierenden Gruppierungen nehmen sich nach allen Regeln der Kunst eifrig auseinander. Mittendrin in dieser wilden Sauerei die bemitleidenswerte Mirthe, die bald schon aussieht wie Carrie auf dem Abschlussball. Da hilft am Ende des Tages wohl nur noch Scheuermilch. 

Home- bzw. eher Work-Invasion mit einer sich hochschaukelnden, eskalierenden Gewaltspirale, das klingt eigentlich ganz fein und könnte es auch sein, wenn Meat Kills nicht so ernüchternd stumpf und das inhaltliche Äquivalent einer Teewurst wäre: nichts Gutes drin, dafür deftig gewürzt. Es wäre per se interessant und lobenswert, wenn der Film nicht automatisch Partei für eine Seite ergreifen würde und anfangs scheint es fast so. Die Tierschützer handeln zwar aus moralisch integren Gründen, verhalten sich aber selbst wie skrupellose Extremisten, bei denen der Zweck eben nicht die Mittel heiligt. Somit wären sie hier die eigentlichen Antagonisten und nur weil jemand seinen Lebensunterhalt mit dem Schlachten von Tieren verdient, ist er ja kaum ein blutrünstiger Irrer. Ähm, ja…oder vielleicht doch. Denn auch wenn hier die Aktivisten eindeutig die Aggressoren sind und - um es mal ganz plump zu sagen – „damit angefangen haben“, ist das Resultat daraus umgehend ein einziges Schlachtfest skrupelloser Sadisten. Mit einem logischen oder zumindest nachvollziehbaren Hochschaukeln des Geschehens hat das nichts zu tun, es ist lediglich der Startschuss für die Gore-Bauern-Fütterung. Das macht der Film dafür zumindest anständig. Handwerklich kann man der niederländischen Produktion gar keine Vorwürfe machen und wer einfach nur ganz viel grobe Gewalt sehen möchte, dürfte an dieser knackig-kurzen Schlachteplatte eventuell sogar seine Freude haben. 

Fazit

Wäre "Meat Kills" wenigstens halbwegs spannend, abwechslungs- und einfallsreich oder würde mit seinen beliebigen Figuren etwas mehr anfangen, als sie ausschließlich brachial durch den Fleischwolf zu drehen, dann wäre es vielleicht auch eine recht vernünftige Reminiszenz an die Highlights der New French Extremity. Als Fun-Splatter aufgrund der selbst gewünschten Ernsthaftigkeit nicht verspielt und selbstironisch genug, als waschechter Terror-Film einfach zu stupide und belanglos.

Autor: Jacko Kunze
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