6.0

MB-Kritik

La nana - Die Perle 2009

Comedy, Drama – Mexico, Chile

6.0

Catalina Saavedra
Claudia Celedón
Mariana Loyola
Andrea García-Huidobro
Alejandro Goic
Agustín Silva
Anita Reeves
Mercedes Villanueva
Delfina Guzmán
Andreína Olivarí
Juan Pablo Larenas
Luis Dubó
Luis Wigdorsky
Gloria Canales
Sebastián La Rivera
Darok Orellana

Inhalt

Nach 23 Jahren als Haushälterin der Familie Valdez hat sich Raquel ihren festen Platz in der Familie erobert. Doch der große Haushalt und die zunehmenden Auseinandersetzungen mit der ältesten Tochter Camila bringen Raquel an den Rand ihrer Kräfte. Um sie zu entlasten, stellt die Familie ein zusätzliches Hausmädchen ein. Raquel fühlt sich verdrängt und versucht mit allen Mitteln, "ihr Haus" und „ihre Familie“ zu verteidigen und vertreibt die vermeintlichen Konkurentinnen. Als Raquel erneut einen Schwächeanfall erleidet, stellt die Familie Lucy ein. Alles wird anders, denn durch die lebensfrohe Lucy erfährt Raquel erstmals in ihrem Leben Freundschaft und Zuneigung.

Kritik

Sie gehört zur Familie. Die anderen lieben sie. Daran glaubt Raquel (Catalina Saavedra) fest. Oder sie tut so, als ob sie es glaube. Die anderen sind ihre Arbeitgeber, aber Macht ist eine diffizile Sache in  Sebastian Silvas hintersinniger Gesellschaftsparabel. Seit 23 Jahren arbeitet die Hauptfigur als Putzfrau, Kinder- und Dienstmädchen der Familie Valdes. Die Hausherrin Pilar (Claudia Celedon) ist auf Raquels Unterstützung angewiesen und erlaubt deren Sticheleien gegen die älteste Tochter Camila (Andrea Garcia-Huidobro). Eine gute Dienstbotin ist schwer zu finden. Die Familie ahnt nicht, dass die unter Lähmungen und Schwächeanfällen leidende Raquel ihre Aufgaben nur noch unter Medikamenten bewältigen kann. Nach einem Zusammenbruch Raquels stellt Pilar zu deren Unterstützung eine junge Bedienstete ein. Was als Entlastung gedacht ist, empfindet sie als Bedrohung. Der ergebenen Angestellten, die sich notgedrungen beruflich aufgeopfert hat, wird plötzlich schmerzlich bewusst, dass ihre Arbeitgeber ihre einzigen Bezugspersonen sind. Sie kämpft um „ihre“ Familie - mit Hinterlist und Schikanen. 

Mit einiger Beobachtungsgabe spürt der chilenische Regisseur und Drehbuchautor den unscheinbaren Details nach, die das Leben innerhalb der Hausgemeinschaft zur Tortur machen. Mit höhnischem Genuss führt Silva an die psychologischen Abgründe, die sich in dem komplexen gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis auftun. Der gravierende Unterschied der materiellen Verhältnisse, der die privaten Verhältnisse der Protagonisten bestimmt, wird weder ergründet noch kritisiert. Paradoxerweise scheint es diese fast dokumentarische Neutralität, die das Geschehen umso aussagekräftiger macht. Etwas Unsichtbares schwebt zwischen dem Hausmädchen und der Familie. Ein nie konkretisiertes Geheimnis, um das die Handlung kreist. Die Erwartungshaltung steigert sich schleichend zu psychologischer Spannung, die jedoch ins Leere läuft. Die Widersprüche innerhalb der pathologischen Beziehungsgeflechte der Familienmitglieder untereinander und zu ihrem Hausmädchen werden nie aufgelöst. Silva zeigt de Status quo in all seiner Abscheulichkeit und überlässt es den Einzelnen, ihre Schlüsse daraus zu ziehen. In einigen Szenen nehmen die Aktionen der Beteiligten fast Züge sadomasochistischen Schauspiels an. Streckenweise erinnert der Plot an einen Psychothriller, in dem sich die Rollen von Hausherren und Diener verkehren. 

Durch ihre ungeschickten Bemühungen um das Hausmädchen fördert Pilar unwissentlich deren manipulatives Verhalten. Raquels Schikanen gegen andere Dienstmädchen lassen sie vom unterdrückten Opfer zur sadistischen Vorgesetzten werden. Jetzt ist sie zur Abwechslung in der Rolle, Anweisungen zu geben und zu erniedrigen. Die soziale Kluft zwischen den Figuren bleibt unüberwindbar, weil jeder von ihnen auf den eigenen höhere Status pocht, wie gering er auch sein mag. Irgendjemand steht immer noch tiefer unten und wird zur Zielscheibe der aufgestauten Niedertracht. Eine Allianz zwischen den Unterdrückten kann es so nicht geben. Zwei neue Angestellte ekelt die Hauptfigur aus dem Haus. Auch der nächsten Anwärterin Lucy (Mariana Loyola) begegnet Raquel feindselig. Unerwartet gelingt es Lucy, Raquels emotionale Abschottung zu durchdringen. Der vermeintlich hoffnungsvolle Ausklang ist trügerisch. Zögerlich wagt die Titelfigur einige Schritte auf dem Lebensweg der frohgemuten Lucy. Resigniert erkennt Raquels sich selbst in Lucy, der ihre eigene zermürbende Laufbahn bevorsteht.

Fazit

Silvas hämische Mixtur aus Figurendrama und Milieustudie zeigt die Klassengesellschaft als intakt und unerbittlich. Die Stärke des Films ist seine überzeugende Hauptdarstellerin, die trotz der Unstimmigkeiten in der Inszenierung und Story den Film zusammenhält.

Autor: Lida Bach
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