MB-Kritik

Lion Fist - Kampf der Champions 2026

Action

Mathis Landwehr
Kurt McKinney
Gary Daniels
Keith Cooke
David Yeung
Li Yanlong

Inhalt

Vier Jahre lang hat Kampfsportler Joe unschuldig im Gefängnis gesessen. Nach seiner Freilassung erfährt er, dass sein Sohn eine teure Operation braucht, weil er an einem lebensbedrohlichen Tumor erkrankt ist. Joes einzige Chance, um ihn zu retten: ein brutales All-Styles-Turnier mit 100.000 Dollar Preisgeld. Nach einer harten Ausbildung durch Großmeister Wu betritt Joe den Ring mit einigen der stärksten Fighter der Welt – doch nicht alle seiner Gegner kämpfen mit sauberen Mitteln …

Kritik

Würde es ein Genre namens „Hommagial Arts“ geben, Sean David Lowe wäre vermutlich einer seiner größten Verfechter. Bereits mit The Last Kumite machte der Produzent und Autor keinen Hehl daraus, welches Kino sein Herz höherschlagen lässt: Martial-Arts-Filme der 80er und frühen 90er, als durchtrainierte Kämpfer, Trainingsmontagen, Turniere und ein paar Synthesizer ausreichten, um ganze Videothekenregale zu füllen. Mit Lion Fist – Kampf der Champions folgt nun der nächste Versuch, dieses Gefühl zurückzuholen. Und dieses Mal wirkt vieles deutlich runder.

Die Regie übernimmt Taim M. Adams, während Lowe das Drehbuch gemeinsam mit Keith W. Strandberg geschrieben hat. Gerade dessen Beteiligung passt hervorragend zum Konzept. Strandberg schrieb bereits 1986 Karate Tiger (No Retreat, No Surrender) und war später unter anderem für Karate Tiger 5 – König der Kickboxer, American Shaolin und Bloodmoon – Stunde des Killers verantwortlich. Mehr Genre-DNA lässt sich für ein solches Projekt kaum verpflichten. Dass Lion Fist diese Vergangenheit nicht versteckt, sondern immer wieder mit ihr spielt, gehört fest zum Konzept.

Ähnliches gilt für den Cast. Im Zentrum steht Mathis Landwehr, der sich über Kampfansage – Der letzte Schüler, Lasko – Die Faust Gottes und zuletzt The Last Kumite längst einen festen Platz im deutschen Martial-Arts-Kino erarbeitet hat. Flankiert wird er von einigen Namen, die für Genrefans deutlich weiter zurückreichen. Kurt McKinney wurde als Jason Stillwell in Karate Tiger zum Gesicht eines der wohl bekanntesten westlichen Martial-Arts-Filme der 80er. Gary Daniels startete seine Filmkarriere ebenfalls Ende dieses Jahrzehnts und entwickelte sich spätestens in den 90ern mit Filmen wie Fist of the North Star oder Bloodmoon zu einem festen Bestandteil des Videotheken-Actionkinos. Auch Keith Cooke stand bereits Ende der 80er vor der Kamera und war später unter anderem in China O’Brien, Karate Tiger 5 – König der Kickboxer und Mortal Kombat zu sehen. Besonders schön: Mit Lion Fist treffen Cooke und Autor Strandberg mehr als drei Jahrzehnte nach The King of the Kickboxers erneut bei einem Martial-Arts-Film aufeinander. David Yeung wiederum trägt als Sohn von Bloodsport-Ikone Bolo Yeung zumindest ein ordentliches Stück Genregeschichte im Stammbaum.

Die Geschichte selbst hält sich bewusst einfach. Joe (Mathis Landwehr) kommt nach vier Jahren aus dem Gefängnis und muss feststellen, dass seine Ex-Frau Kate (Finja Martens) noch immer mit Drogen zu tun hat und sein schwer erkrankter Sohn dringend eine Behandlung benötigt. Für dessen notwendige Operation werden 50.000 Dollar benötigt. Die mögliche Lösung wartet in Form eines All-Styles-Martial-Arts-Turniers, dessen Sieger 100.000 Dollar erhält. Joe beginnt unter Sifu Wu (Yanlong Li) zu trainieren. Dessen Tochter Mei (Julin Täubner) wird dabei ebenfalls zu einer wichtigen Bezugsperson.

Dass sich daraus keine Geschichte voller unerwarteter Wendungen entwickelt, dürfte niemanden überraschen. Lion Fist folgt den bekannten Mustern des Turnierfilms ziemlich konsequent. Es gibt den gefallenen Kämpfer, den weisen Sifu, Trainingssequenzen, persönliche Konflikte, überzeichnete Gegner und natürlich das Turnier als Zielpunkt. Selbst kleine Verbeugungen vor den Vorbildern dürfen nicht fehlen. Mal schielt der Film unverkennbar in Richtung No Retreat, No Surrender, mal scheint Leon mit Jean-Claude Van Damme kurz um die Ecke zu schauen. Wer mit diesem Kino groß geworden ist, wird einiges wiedererkennen. Entscheidender ist, dass Lowe und sein Team gegenüber The Last Kumite sichtbar dazugelernt haben. Lion Fist sieht deutlich besser aus. Konstantin Freyers Kamera gibt dem Film eine sauberere und wertigere Optik, ohne dabei den angestrebten Retrocharakter komplett glattzubügeln. Auch Ton und Synchronisation wirken erheblich stimmiger. Wo The Last Kumite seinen begrenzten Produktionsrahmen noch regelmäßig offenlegte, bekommt Lion Fist seine Mittel wesentlich besser auf den Screen.

Das gilt ebenso für die Besetzung. Landwehr funktioniert als Joe, weil er die körperliche Glaubwürdigkeit für die Kampfsequenzen ohnehin mitbringt, die Figur dieses Mal aber auch außerhalb der Action besser getragen wird. Yanlong Li erweist sich als gute Wahl für Sifu Wu und bringt genau die Ruhe und Präsenz mit, die diese klassische Mentorfigur benötigt. Auch Julin Täubner fügt sich als Mei angenehm in das Ensemble ein. Sie spielt ihre Figur zurückgenommen genug, um dem familiären und dramatischen Teil des Films etwas Bodenhaftung zu geben. Zusammen mit Finja Martens auf der anderen Seite entsteht zumindest genügend menschliches Fundament, damit Joes Motivation nicht ausschließlich als Vorwand für das nächste Training oder den nächsten Kampf herhalten muss.

Natürlich sollte man die dünne Geschichte dafür ein Stück weit abnicken können. Die Kombination aus Turnierfilm und Drama funktioniert grundsätzlich, nur fehlt es den einzelnen Konflikten an Tiefe, um außerhalb des Genregerüsts wirklich Gewicht zu entwickeln. Für einen Film mit gerade einmal rund 90 Minuten Laufzeit fühlt sich Lion Fist deshalb phasenweise länger an, als er tatsächlich ist. Gerade zwischen den entscheidenden Stationen könnte der Rhythmus straffer sein. Ähnliches gilt ausgerechnet für die Martial Arts. Die Kämpfe funktionieren überwiegend gut und Mike Möllers Choreografien setzen die Fähigkeiten der Beteiligten ordentlich in Szene. Trotzdem hätten viele Auseinandersetzungen knackiger ausfallen können. Es fehlt mitunter an Tempo, Härte und dem letzten Nachdruck, der aus einer soliden Choreografie eine Szene macht, die hängen bleibt. Besonders beim finalen Kampf macht sich das bemerkbar. Ausgerechnet dort, wo sich Training, persönliche Motivation und Turnierdramaturgie entladen müssten, fehlt das große Momentum. Der Kampf erfüllt seine dramaturgische Funktion, erreicht aber nicht den Höhepunkt, den der Film zuvor vorbereitet.

Dafür funktioniert das Zusammenspiel aus alten und neuen Gesichtern angenehm unaufgeregt. McKinney, Daniels und Cooke werden nicht einfach als plakative Gastauftritte durch den Film geschoben, sondern fügen sich in dessen kleine Martial-Arts-Welt ein. Zusammen mit Landwehr, Li, Täubner sowie Martial Artists wie wie Brice Akuesson  entsteht tatsächlich der Eindruck eines Ensembles, das aus unterschiedlichen Generationen des Genres zusammengesetzt wurde. Auch musikalisch bleibt Lion Fist seiner Ausrichtung treu. Mit Paul Hertzog ist ein Komponist beteiligt, dessen Musik zu Bloodsport und Kickboxer praktisch zum akustischen Grundinventar des Martial-Arts-Kinos der 80er gehört. Gemeinsam mit Patrick Gill sorgt er erneut für den passenden Retro-Unterbau. Dazu kommt Stan Bush, dessen Songs ebenfalls eng mit dieser Ära verbunden sind und der mit „Heart of a Lion“ den Titelsong beisteuert. Das mag für Außenstehende wie eine weitere nostalgische Fußnote wirken, innerhalb dieses Projekts passt es aber ziemlich genau ins Bild.

Sollte sich „Hommagial Arts“ also doch noch als Genrebezeichnung durchsetzen, darf Sean David Lowe den Begriff gerne für sich beanspruchen. Lion Fist liefert zumindest ein ziemlich gutes Argument dafür, warum seine Reise in die Vergangenheit noch nicht beendet sein sollte.

Fazit

"Lion Fist - Kampf der Champions" ist kein Film, der seine Vorbilder hinter sich lassen möchte. Er will zurück zu ihnen. Das Ergebnis bleibt erzählerisch dünn, hat beim Rhythmus seine Probleme und hätte gerade in den Kämpfen noch etwas mehr Druck vertragen können. Gleichzeitig ist die Entwicklung gegenüber The Last Kumite kaum zu übersehen. Optik, Ton, Besetzung und Inszenierung greifen besser ineinander und aus der nostalgischen Idee ist dieses Mal der deutlich geschlossenere Film geworden.

Autor: Mike Kaminski
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.