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MB-Kritik

Milo 2027

Comedy, Drama – France

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Marion Cotillard
Théodore Pellerin
Artus
Laure Calamy
Charles Berling
Éric Elmosnino
Anne Brochet
Alexis Manenti

Inhalt

Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis nimmt Alice einen Job als Kellnerin in einem Lokal neben einer Autowerkstatt an. Sie freundet sich mit Milo an, einem jungen Mann, der in der Werkstatt arbeitet. Alices eigentlicher Grund, sich Milo zu nähern, ist zutiefst persönlicher Natur.

Kritik

​Marion Cottilards (Roma Elastica) innere Härte unter einer fragilen Hülle und Théodore Pellerins (Lurker) Aura einer psychologischen Reife jenseits seines jungen Alters sind die emotionalen Gegenpole und psychologischen Ankerpunkte Nicole Garcias (Die Frau im Mond - Erinnerungen an die Liebe) unebener Beziehungsstudie. Deren zentrale Motive individueller und kollektiver Verantwortung, institutioneller und sozialstruktureller Gefängnisse, Altlasten und Neubeginn zerfasern in psychologischen und soziologischen Phrasen in einer Story, die ihren narrativen Konventionen ebenso wenig entkommt wie die Charaktere ihrer Vergangenheit. Letzte brachte die ehemalige Polit-Aktivistin Alice (Cotillard) ins Gefängnis, aus dem sie nach einer langjährigen Haftstrafe entlassen wird. 
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Das neue Leben in der französischen Provinz, wo sie einen Job in einem Cafe annimmt, ist tatsächlich ein Versuch, ein Leben, das sie nie hatte, zu rekonstruieren. Ihr Sohn Milo (Pellerin), der sie nie kennengelernt hat, arbeitet als Mechaniker in der Autowerkstatt seiner Adoptivmutter (Laure Calamy, How to make a Killing) Sie erkennt Alice und fürchtet ihren Einfluss auf Milo, der seinerseits in die kriminellen Machenschaften eines wohlhabenden Freundes verwickelt ist. Alice Versuche, ihn vor ihren eigenen Fehlern zu bewahren, und die illegalen Geschäfte verkomplizieren unnötig den verworrenen Plot. 
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Dessen interessantere Aspekte sind die sozialen Grenzen, deren alle Figuren entkommen wollen. Alice will dem Stigma der Kriminellen entkommen, Milo der Arbeiterklasse, sein privilegierter Kumpel dem Druck des Elternhauses. Alle sind sie auf ihre Art Fremde in ihrem Umfeld; Milo im Haus der reichen Familie, seine leibliche Mutter in der Freiheit, Milos Freund in der Kriminalität. Doch die Suche nach Halt führt nur zu dramaturgischen Konstrukten, die gesellschaftliche Hierarchien indirekt konsolidieren. Das starke Ensemble ist sehenswerter als das stagnierende Melodram voll unausgereifter Ansätze.

Fazit

Die biedere Tristesse der französischen Provinz, die Yves Capes stimmige Kamerabilder zu Orten des dauernden Übergangs designieren, wird zur unbeabsichtigten Analogie der narrativen Eintönigkeit. Ihre brisanten Themen politischer Radikalisierung und invasiver Ambitionen auf familiärer und statusdefinierender Ebene verknüpft die Regisseurin und Co-Drehbuchautorin allzu lose zu einer unausgewogenen Mischung aus Sozialskizze und Familiendrama. Die engagierten Darstellungen, insbesondere Pellerins und Calamys, finden in ihren Charakteren mehr Nuancen, als die Handlung dort anlegt. Doch gedrückte Atmosphäre und sozialrealistische Optik sind letztlich ein karger Ersatz für konzeptionelle Substanz.  

Autor: Lida Bach